Platte am Pirnaischen Platz: Ich bin der letzte Mieter im Geister-Hochhaus

Dresden - Im Skandal-Hochhaus am Pirnaischen Platz ist das Wohnen wegen Brandschutzmängeln seit März verboten. In den letzten Wochen zogen alle verbliebenen Mieter aus - bis auf einen: Roberto Vitorino Guianhela (52) ist der letzte Bewohner im einstigen sozialistischen Prachtbau!

Roberto Vitorino Guianhela (52) wohnt im siebten Stock, ist der letzte Bewohner im Hochhaus.
Roberto Vitorino Guianhela (52) wohnt im siebten Stock, ist der letzte Bewohner im Hochhaus.  © Steffen Füssel

Der Mosambikaner mit gültigem Aufenthaltsrecht lebt seit 1987 in Dresden, seit 2005 im Hochhaus. Schon da war der 14-Geschosser mit den 180 Ein- und Zweiraumwohnungen sanierungsbedürftig. "Aber da war noch Leben drin, viele Leute in den Gängen", erinnert sich der Hobby-Musiker. "Jetzt ist gar keiner mehr da. Das ist ein ganz anderes Gefühl. Alles ist so still. Ich bin der Letzte hier ..."

Damit ist die 1964 gebaute Platte, einst Stolz der DDR-Bonzen, zum gammeligen Geisterhaus geworden! "Es gibt schon lange kein Wasser mehr. Ich dusche bei einem Kumpel. Nachts muss ich aber in meiner Wohnung sein und Wache halten", sagt Guianhela. Denn etliche Wohnungen in der maroden Platte wurden bereits von Dieben ausgeschlachtet.

Der letzte Bewohner sitzt im siebten Stock auf gepackten Koffern: "Ich habe eigentlich schon eine neue Wohnung in der Johannstadt gefunden, aber der Vermieter braucht noch ein Dokument der Ausländerbehörde. Darauf warte ich, hoffe, das ist meine letzte Woche im Hochhaus."

Einen Mietaufhebungsvertrag hatte er bereits unterschrieben. "Wir gehen deshalb davon aus, dass das Gebäude in Kürze leer gezogen ist", teilt ein Stadtsprecher mit. Eine Zwangsräumung komme nur als letztes Mittel in Betracht.

Vorher können mehrere Zwangsgelder verhängt werden: Bereits am 8. März hatte die Bauaufsicht ein solches gegen den Eigentümer in Höhe von 25.000 Euro festgesetzt, da dieser die amtliche Nutzungsuntersagung des Hauses nicht umgesetzt hatte. Ein weiteres wurde bislang nicht fällig.

TAG24-Reporter Hermann Tydecks (34) besuchte den Mosambikaner im Geisterhaus.
TAG24-Reporter Hermann Tydecks (34) besuchte den Mosambikaner im Geisterhaus.  © Steffen Füssel
Beschmierte Bröckel-Wände, marode Leitungen und auch der Fahrstuhl macht keinen vertrauenswürdigen Eindruck.
Beschmierte Bröckel-Wände, marode Leitungen und auch der Fahrstuhl macht keinen vertrauenswürdigen Eindruck.  © Steffen Füssel
Wenigstens ist der Blick vom siebten Stock aus ein Knaller!
Wenigstens ist der Blick vom siebten Stock aus ein Knaller!  © Steffen Füssel
Der einstige sozialistische Prachtbau gammelt seit vielen Jahren vor sich dahin.
Der einstige sozialistische Prachtbau gammelt seit vielen Jahren vor sich dahin.  © Steffen Füssel
Die Losung am Haus im Jahr 1969: "Unser Ja unserer sozialistischen Verfassung!" Damals waren die Wohnungen in dem Neubaublock hoch begehrt.
Die Losung am Haus im Jahr 1969: "Unser Ja unserer sozialistischen Verfassung!" Damals waren die Wohnungen in dem Neubaublock hoch begehrt.  © imago/Ulrich Hässler