Super-Tunnel von Sachsen nach Tschechien: Die Bahn ist am Zug und schon dauert's länger

Dresden/Prag - Die nächsten Etappen auf dem Weg zur neuen Bahnstrecke Dresden-Prag stehen fest. Erste verbindliche Bürgerbeteiligungen können starten, wozu auch Anhörungen der Bürgerinitiative gehören, die eigene Ideen für den Mega-Tunnel hat.

Die Bahnstrecke heute und morgen: Links an der Elbe der jetzige Verlauf, auf dem alle Züge, auch Güter- und Fernzüge fahren. Rechts der Eingang zur unterirdischen Entlastungsstrecke.
Die Bahnstrecke heute und morgen: Links an der Elbe der jetzige Verlauf, auf dem alle Züge, auch Güter- und Fernzüge fahren. Rechts der Eingang zur unterirdischen Entlastungsstrecke.  © SMWA

Inzwischen ist das Vorhaben bei der Deutschen Bahn angesiedelt. Und inzwischen steht fest: Alles dauert länger als gedacht.

Für Steffen Spittler (57) und seine Bürgerinitiative "Basistunnel nach Prag" ist 2019 das erste Jahr, in dem sie ihre Vorstellungen zur künftigen Bahnstrecke in einen Prozess einbringen, der auf gesetzlicher Grundlage basiert: das Raumordnungsverfahren.

"Wir wollen nichts verhindern. Wir sind für das Projekt", erklärt Spittler. "Aber wir wollen, das es die Menschen nicht stört." Konkret fürchten die Mitglieder der Initiative, Bürger aus Dohma, Dohna, Heidenau und Pirna, dass der Lärm der künftigen Strecke vom Elbtal zu ihnen hin verlagert wird.

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"Daher haben wir Alternativen entworfen", so Spittler. Eine führe ums Seidewitztal herum zur Grenze (32 Kilometer Länge), eine ab der Seidewitztalbrücke der A 17 durchs Tal selbst (Strecke 19 Kilometer).

Die bislang vom Freistaat favorisierte Variante ist knapp 29 Kilometer lang, hätte aber sechs Kilometer offene Stellen, darunter Bahnverkehr auf einer 1020 Meter langen Brücke in Pirna-Zehista und ein Güterbahnhof. Die Tunnel der Initiative hingegen wären Volltunnel.

Zwei bislang bevorzugte Varianten. Links die der Bürgerinitiative, rechts die des sächsischen Wirtschaftsministeriums. In der Mitte die A 17.
Zwei bislang bevorzugte Varianten. Links die der Bürgerinitiative, rechts die des sächsischen Wirtschaftsministeriums. In der Mitte die A 17.  © DB

Allen gemeinsam ist ein Tunnelmund in Heidenau, auch der Korridor, den die Bahn untersucht. Dieser erstreckt sich von Berggießhübel bis Bahretal.

DB-Projektleiter Kay Müller: "Voraussichtlich Mitte 2019 wird eine Antragskonferenz für das Raumordnungsverfahren durchgeführt, bei der die Betroffenen Träger öffentlicher Belange beteiligt werden.

Ziel ist es, im dritten Quartal das Raumordnungsverfahren einzuleiten."

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Am Ende werden wohl vier Streckenideen bleiben, aus denen zwei für die nächste Stufe ausgewählt werden. Dann ist Zeit fürs Planfeststellungsverfahren.

"Doch allein das kommt schon fünf Jahre später als geplant", so Spittler.

Damit ist die bislang erhoffte Fertigstellung von 2036 nur noch eine Illusion.

Und so treiben die Tschechen das Jahrhundert-Projekt voran

Vor allem der Güterzugverkehr raubt den Bewohnern des Elbtals den Schlaf.
Vor allem der Güterzugverkehr raubt den Bewohnern des Elbtals den Schlaf.  © Marko Förster

Auch auf tschechischer Seite gehen die Planungen der Hochgeschwindigkeitstrasse voran. Gerade wurde eine neue Studie dazu veröffentlicht. Der Streckenverlauf zwischen Prag und der sächsisch-tschechischen Grenze wurde darin endgültig festgelegt.

Die gute Nachricht zuerst: Die Fahrt von Dresden nach Prag wird sich um eine ganze Stunde verkürzen, also nur noch etwa 75 Minuten dauern, wie das Zentrum für effektiven Verkehr, das Studie ausgearbeitet hat, mitteilt.

Mit bis zu 350 Stundenkilometer schweben die Züge dann über die Gleise. Im Tunnel, der Tschechien unter dem Erzgebirge mit Sachsen verbinden und der etwa 30 Kilometer lang sein wird, geht es etwas langsamer voran.

Nicht ausgeschlossen, dass französische TGV-Züge auf der Trasse unterwegs sein könnten, denn: "Die Züge werden im internationalen Wettbewerb ausgeschrieben", sagte Petr Stahlavsky, Sprecher der Tschechischen Eisenbahnen gegenüber tschechischen Medien.

Es gibt noch eine beflügelnde Nachricht für Reiselustige: Die Studie beschreibt außerdem die Möglichkeit, die Züge bis zum Prager Flughafen Vaclav Havel rollen zu lassen.

Titelfoto: SMWA, Marko Förster

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