Halbnackt und blutüberströmt! Dresdner Polizist ignorierte Folterfotos

Der angeklagte Polizeibeamte Jens H. (46) am Freitag im Dresdner Amtsgericht.
Der angeklagte Polizeibeamte Jens H. (46) am Freitag im Dresdner Amtsgericht.

Dresden - Die Polizei, dein Freund und Helfer? Nicht immer. Ein Dresdner Polizeibeamter steht seit Freitag wegen Unterlassung und Strafvereitelung vor Gericht.

Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft klingt haarsträubend: Polizeihauptmeister Jens H. (46) hatte Anzeigendienst im Polizeirevier in Pieschen, als zwei junge Frauen zu ihm kamen.

Die erzählten ihm, von schockierenden Fotos auf Facebook. Auf den Bildern sah man einen offenbar verletzten und gefolterten Mann, der halbnackt in einer Blutlache lag. Doch statt dem sofort nachzugehen, wimmelte der Beamte laut Anklage die Frauen einfach ab.

„Wir befürchteten, der Mann wäre in Gefahr. Aber das hat den Polizisten nicht interessiert“, sagte die Büroangestellte Tina Z. (26), eine der beiden jungen Frauen, vor Gericht aus.

Am Freitag räumte der Beamte ein: „Ich habe das nicht ernst genommen.“ Seine Verteidigung: Angeblich hätte er keinen „Mailempfang“ gehabt, um die Folterfotos zu überprüfen. Auch bei Facebook sei er nicht registriert gewesen.

Glücklicherweise reagierte die Polizei in Pirna ganz anders. Dort hatte am selben Nachmittag eine Kollegin von Tina Z. von den grausigen Fotos berichtet. Die Beamten dort nahmen sofort die Anzeige auf.

Und tatsächlich: Der blutüberströmte Nackte auf den Fotos wurde als Ronald G. (48) identifiziert. Er wurde kurz darauf aus einer Wohnung in Neustrelitz in Mecklenburg-Vorpommern gerettet, in der er tagelang gequält worden war. Urteil folgt

Im Polizeirevier auf der Osterbergstraße in Dresden-Pieschen hatte Jens H. (46) Dienst.
Im Polizeirevier auf der Osterbergstraße in Dresden-Pieschen hatte Jens H. (46) Dienst.

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