FKD-Prozess: Erst leitete er einen Thor-Steinar-Laden, jetzt unterrichtet er Flüchtlinge

Ex-FKD-Mitglied Franz R. (22) unterrichtet heute Flüchtlinge.
Ex-FKD-Mitglied Franz R. (22) unterrichtet heute Flüchtlinge.

Dresden - Der rechte Schlägertrupp Freie Kameradschaft Dresden (FKD). Seit Mittwoch ist Prozess gegen den mutmaßlichen Rädelsführer Benjamin Z. (29) sowie fünf Mitglieder (22 bis 29) am Landgericht.

Zu den vorgeworfenen brutalen Taten gegen Flüchtlinge, Andersdenkende und Polizisten schweigen sie derzeit. Dafür berichteten zwei Angeklagte Erstaunliches aus ihrem Leben.

So sagte Franz R. (22), er habe bei der FKD die gesuchte „Ablenkung und Anerkennung“ gefunden. Er sei behütet aufgewachsen, war bei der freiwilligen Feuerwehr. Private Probleme und schwere Krankheiten in der Familie setzten ihm aber zu: „Ich geriet an schlechte Freunde, Alkohol und Drogen.“

Dennoch kümmerte er sich um Schule und Ausbildung, Job und war schließlich Filialleiter von Thor Steinar (rechte Szeneklamotten).

Janette P. (27) versuchte im Prozess zu erklären, wie sie zur FKD kam.
Janette P. (27) versuchte im Prozess zu erklären, wie sie zur FKD kam.

Derzeit sitzt Franz R. in U-Haft: „Ich unterrichte dort Deutsch für Ausländer“, erklärte er dem Richter und fügte unter Tränen hinzu:

„Mir ist bewusst, dass ich mich falsch verhalten habe.“

Ebenfalls unter Tränen sagte Janette P. (27) aus. Die Ergotherapeutin: „Sie gaben Schutz und Sicherheit. Die Aussage ‚Schutz für Frauen und Kinder‘ hat mich beeindruckt“, so die junge Mutter.

Die FKD hatte sich im Juli 2015 in der Kneipe „Pfefferminze“ nach einer Anti-Asyl-Demo gegründet.

„Ich war oft dort. Trank mein Bier, spielte Dart. Da kam dann eins zum andern“, so Janette P., die laut Anklage Mittäter aufforderte, Steine zum Überfall auf ein Asylheim mitzunehmen und bei einem Angriff auf einen Flüchtling dabei war. Der Prozess wird fortgesetzt.


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