Er zeigte sich selbst an: Ist Nasser A. wirklich ein Terror-Kämpfer?

Mitte Februar 2017 wurde Nasser A. in Chemnitz (Helbersdorf) bei einem Polizeieinsatz festgenommen.
Mitte Februar 2017 wurde Nasser A. in Chemnitz (Helbersdorf) bei einem Polizeieinsatz festgenommen.  © Jan Härtel

Dresden - Am Freitag begann die Verhandlung gegen den mutmaßlichen Terroristen Nasser A. (25). Ein Fall mit reichlich Ungereimtheiten. Bisher ist nur klar: Der Mann kommt aus Syrien und stellte sich in Chemnitz selbst.

Laut Anklage der Generalstaatsanwaltschaft schloss sich Nasser A., der nie einen Beruf erlernte, ab 2014 der Terrorgruppe in seinem Heimatland an. Er ließ sich „zwischen 20 Tagen und zwei Monaten“ an der Waffe und im Häuserkampf ausbilden und sei danach in der Provinz Idlib als Lagerwachposten aktiv gewesen. Außerdem sei er an der Entführung von drei Journalisten beteiligt gewesen, hätte sie bewacht.

Soweit so schlecht. Aber: Die besagte Entführung konnte bislang nicht verifiziert werden. Die Anklage beruht auf Aussagen von Nasser, die er einst bei der Polizei machte, inzwischen aber widerrufen hat.

Fest steht nur, dass er 2015 über die Balkanroute nach Deutschland kam, in Chemnitz Unterkunft erhielt und sich 2017 selbst stellte. Mehrfach! Zwei Mal schickte ihn die Polizei in Chemnitz wieder heim. Erst beim dritten Mal, bat ihn ein Beamter zur Vernehmung.

Im Prozess am Freitag machte Nasser A. weder Angaben zu seiner Person noch zu den Vorwürfen. So war die Verhandlung schon nach 40 Minuten beendet.

Nun muss der Senat Zeugen hören: Die vernehmenden Polizisten, Bekannte, mit denen Nasser in Chemnitz lebte, den Gefängnispsychologen. Außerdem hat das Gericht den Terrorexperten Guido Steinberg (49) um eine Stellungnahme gebeten.

Sprich: Es geht um die Glaubhaftigkeit der Angaben von Nasser A. Ist er ein Terrorist oder hat er den Behörden eine Räuberpistole erzählt? Und wenn ja, warum? Hatte er in Chemnitz Ärger und wollte sich in den „Fängen der Justiz“ in Sicherheit bringen?

Das Urteil jedenfalls ist für Ende September geplant.

Nasser A. (25) wird von Sicherheitskräften in den Saal des Oberlandesgerichtes geführt.
Nasser A. (25) wird von Sicherheitskräften in den Saal des Oberlandesgerichtes geführt.  © Ove Landgraf
Vorsitzender Richter Thomas Fresemann (50, m.) und die beisitzenden Richter  Jürgen Scheuring (49) und Birger Magnussen (49)
Vorsitzender Richter Thomas Fresemann (50, m.) und die beisitzenden Richter Jürgen Scheuring (49) und Birger Magnussen (49)  © Ove Landgraf
Die Generalstaatsanwälte Christian Richter (l.) und Tobias Uhlemann.
Die Generalstaatsanwälte Christian Richter (l.) und Tobias Uhlemann.  © Ove Landgraf

Wer ist Jabhat al-Nursa?

Die Terrororganisation war einst Ableger des Terrornetzwerkes al-Qaida.

Als Al-Nursa-Front kämpft die Gruppe in Syrien gegen das Assad-Regime, will aber ein eigenes Kalifat aufbauen.

Neben Anführer Abu Mohammed al-Dschaulani haben die Dschihadisten einen Schura-Rat (Berater) und ein Schariakomitee. Die fast 10 000 Kämpfer soll die Front haben.

Sie bekannten sich unter anderem zum Anschlag im April 2014. Damals hatten Rebellen bei einer Spengstoffattacke auf einen Militärstützpunkt nahe Idlib 40 Soldaten der Regierung getötet.


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