Wie wurde aus diesem jungen Dresdner plötzlich ein Terrorist?

Dresden - Im Prozess gegen den mutmaßlichen Moschee-Bomber von Dresden-Cotta ging es am Donnerstag um die persönlichen Verhältnisse des Angeklagten. Weit kam die Kammer mit ihrem Versuch, das Leben des Nino. K. (31) zu ergründen, allerdings nicht.

An einer Moschee in Dresden-Cotta wurde im Herbst 2016 ein Brandanschlag verübt.
An einer Moschee in Dresden-Cotta wurde im Herbst 2016 ein Brandanschlag verübt.

Er ließ lediglich seine Anwältin einen Lebenslauf verlesen und verweigerte die Antwort auf zahlreiche Fragen der Prozessbeteiligten.

Laut Anwältin Dr. Ines Kilian wuchs Nino K. "in einem liebevollen Elternhaus auf". Die gesamte Familie hat guten Kontakt zu ihm, besucht ihn auch regelmäßig in der U-Haft.

Nach dem Realschulabschluss 2004 begann Nino K. eine Lehre zum Elektrotechniker, brach die Ausbildung aber vorzeitig ab, weil er daran keine Freude mehr gehabt hätte.

Fast sechs Jahre lebte und arbeitete Nino K. dann in der Schweiz, bevor er "wegen Heimweh" wieder nach Dresden kam und hier fortan, bis zu seiner Verhaftung im Dezember 2016, bei verschiedenen Firmen als Lüftungsmonteur jobbte.

"Unser Mandant ist kein Nazi!"

Nino K. berät sich mit seiner Anwältin.
Nino K. berät sich mit seiner Anwältin.

Die U-Haft, so die Anwältin, ist eine besondere Belastung für Nino K.: "Er hat in der U-Haft ohnehin nur zwei Stunden Aufschluss am Tag", so Dr. Ines Kilian. "Nach Bedrohungen ihm gegenüber, hat er nun nur noch gesonderten Aufschluss. Das heißt, der ohnehin spärliche Kontakt zu Mitgefangenen ist noch begrenzter." Bei diesen Worten nickte der Angeklagte: "Ja. Das stimmt." Mehr sagte er nicht.

Prompt fragte der Richter: „Was ist denn mit Politik oder Pegida? Dazu ist noch gar nichts gesagt worden. Müssen wir uns dazu auf die Angaben in den Akten stützen?“

So hatte Nino K. im Sommer 2015 auf einer Dresdner PEGIDA-Veranstaltung einen aggressiven Brief an Kanzlerin Merkel verlesen. In der Folge wirft ihm die Anklage der Generalstaatsanwaltschaft nun auch "Fremdenfeindlichkeit" vor.

Antwort der Verteidigung: "Er ist ein politisch Interessierter, wie jeder andere auch. Und, um es nachdrücklich zu sagen, der Mandant ist kein Nazi. Damit hat er null zu tun."

Der Prozess wird fortgesetzt.

Hintergrund:

Nino K. hatte am 26. September 2016 abends drei Rohrbomben und Behälter mit brennbarer Flüssigkeit vor die Moschee in Dresden-Cotta gelegt. Eine ging davon hoch. Ein terroristischer Anschlag!

Per Zeitschaltuhr hatte Nino K. laut Anklage den selbst gebauten Sprengsatz um 21.48 Uhr an der Moschee an der Hühndorfer Straße in die Luft gejagt. Zum Glück zündete die Sprengvorrichtung nicht komplett.

Zwar wurde die Tür der Fatih-Camii-Moschee nach innen gedrückt, die Fassade schwer beschädigt. Aber der Imam, seine Frau und seine beiden Kinder blieben unverletzt.

Nach dem Angriff deponierte Nino K. einen weiteren Sprengsatz am Dresdner Internationalen Congress Center, der gegen 22 Uhr explodierte und ebenfalls Sachschaden verursachte.


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