Prozess um erstochenen Tischler von Chemnitz: Kann Tod von Daniel H. jetzt gesühnt werden?

Dresden/Chemnitz - Am Montag beginnt am Oberlandesgericht (OLG) der Prozess gegen Alaa S. (23). Der Syrer soll beim Stadtfest in Chemnitz im August 2018 den Tischler Daniel H. (35) erstochen haben. Das zuständige Schwurgericht Chemnitz verhandelt im Hochsicherheitssaal am Hammerweg in Dresden.

Daniel H. (35) wurde Oper einer Straftat. Am Tatort werden immer wieder Blumen und Kerzen abgestellt.
Daniel H. (35) wurde Oper einer Straftat. Am Tatort werden immer wieder Blumen und Kerzen abgestellt.  © Sven Gleisberg

Alaa S. wird gemeinschaftlicher Totschlag und versuchter gemeinschaftlicher Totschlag vorgeworfen. Er soll mit dem noch flüchtigen Iraker Farhad A. (22) agiert haben. Dabei kam nicht nur Daniel H. (35) zu Tode. Auch Dimitri M. wurde durch einen Stich in den Rücken schwer verletzt. Er tritt im Prozess als Nebenkläger auf. Ebenso wie die Mutter und die Schwester des getöteten Daniel H.

Die Kammer muss nun zahlreiche Fragen klären: Laut Anklage wurde Daniel H. von beiden Angreifern gleichzeitig attackiert, "mit der gleichen Tatwaffe". Gefunden wurde nur ein Messer (Klappmesser Magnum). Das wiederum trug aber offenbar keinerlei Spuren von Alaa.

Zeugen vom Tatort erkannten den Angeklagten später auf Lichtbildern auch nicht wieder. Woran sich der tödliche Streit entzündete, ist ebenfalls trotz umfangreicher Vernehmungen von mehr als 100 Zeugen durch die Fahnder noch immer unklar.

24 Prozesstage aus purer Vorsicht gebucht

Gegen Alaa S. (23) aus Syrien wird ab Montag verhandelt.
Gegen Alaa S. (23) aus Syrien wird ab Montag verhandelt.  © privat

Die Kammer hat vorerst 56 Zeugen und zwei Mediziner als Sachverständige geladen, die bis Ende Mai gehört werden sollen. Insgesamt wurden für den Fall 24 Prozesstage bis Ende Oktober im OLG gebucht. Aus purer Vorsicht. Denn im Sondersaal des OLG (5,5 Mio. Euro teuer, besondere Sicherheitsvorkehrungen) laufen derzeit weitere wichtige Prozesse (OSS, Petry).

Nichts wäre schlimmer, als dass das Totschlags-Verfahren platzt, weil der Spezial-Saal plötzlich für zusätzliche Termine nicht verfügbar wäre, weil anderweitig ausgebucht. Ob wirklich alle Termine nötig sind, ist freilich unklar.

Ein Anwalt von Alaa S. hatte gar gefordert, außerhalb Sachsens zu verhandeln. Der Bundesgerichtshof lehnte das Ansinnen ab. Demnach gebe es "nicht die geringsten Anhaltspunkte", dass die Richter "unter dem Druck der Straße" nicht unbeeindruckt und angstfrei urteilen würden.

Nach dem Iraker Farhad A. (22) wird noch immer gefahndet.
Nach dem Iraker Farhad A. (22) wird noch immer gefahndet.  © privat

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