Prozessauftakt gegen die Autoschieber: Einem Opfer klauten sie dreimal den BMW

Dresden - Sie hatten es auf Luxusschlitten abgesehen: Eine polnische Autoschieber-Bande soll Autos im Wert von rund 1,7 Millionen Euro geklaut haben. Seit Dienstag wird ihnen am Dresdner Landgericht der Prozess gemacht.

Eine ganze Schar von Anwälten vertritt die angeklagten Polen vor Gericht.
Eine ganze Schar von Anwälten vertritt die angeklagten Polen vor Gericht.  © Holm Helis

Der große Verhandlungssaal war proppenvoll. Auf der Anklagebank nahmen fünf Männer aus Polen Platz, daneben jeweils zwei Rechtsanwälte. Den Angeklagten wird vorgeworfen, zusammen mit einem Dutzend teils unbekannter Komplizen über 30 hochwertige Autos geklaut, anschließend in Polen verkauft oder in Einzelteile zerlegt zu haben.

Laut Anklage hatten die Diebe vor allem Fahrzeuge der Marken BMW, Mercedes und Audi ins Visier genommen, besonders Autos mit "Keyless Go"-System. Die lassen sich nämlich automatisch ohne Schlüssel entriegeln und durch Betätigen des Startknopfs starten.

Die mutmaßliche Schieberbande agierte in Dresden, Chemnitz, Leipzig oder Radebeul, mopste aber auch Nobelkarossen in Baden-Württemberg und Thüringen. Kurios: Laut Anklage klauten die Polen einem ihrer Opfer sogar dreimal (!) das Auto - immer wieder einen BMW. Beim ersten Mal hätten sich dazu Medikamente im Wert von 68 000 Euro im Fahrzeug befunden.

Kopf der Gang soll Grzegorz C. (35) sein. Ihm wird vorgeworfen, die Klau-Aktionen organisiert und finanziert zu haben. Er habe die anderen Bandenmitglieder mit Mobiltelefonen und Sim-Karten ausgestattet, sie mit High-Tech-Werkzeugen wie Funkstreckenverlängerern ausgerüstet. Der gelernte Kfz-Mechaniker war auch für den Verkauf der Luxusschlitten zuständig, heißt es in der Anklageschrift.

Um Garagen für die Unterbringung der Autos habe sich Artur S. (31) gekümmert. Den Mann mit dem Spitznamen "Gameboy" halten die Ermittler für die rechte Hand des Chefs. Für den Mammut-Prozess wurden zunächst 20 Verhandlungstage angesetzt.

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