Rathaus hat sich verzockt: Sanierung der Carolabrücke steht auf der Kippe

Dresden - Dresden hat ein Brückenproblem: Da die Carolabrücke bröckelt, wollte die Stadt im August die dringend notwendige Sanierung beginnen - obwohl da die Augustusbrücke noch gar nicht als Ausweichroute genutzt werden kann, da deren eigene Reparatur nicht vor 2020 fertig wird.

Appellieren an den Freistaat, doch noch Fördergelder für die Brückensanierung springen zu lassen: Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (42, Grüne) und Noch-Straßenbauamts-Chef Reinhard Koettnitz (64).
Appellieren an den Freistaat, doch noch Fördergelder für die Brückensanierung springen zu lassen: Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (42, Grüne) und Noch-Straßenbauamts-Chef Reinhard Koettnitz (64).  © Thomas Türpe

Doch jetzt wackelt sogar das ganze Carola-Projekt: Die Stadt plante Millionen an Fördergeldern ein - die nun platzten.

"Wir kalkulierten Fördermittel von um die 75 Prozent ein", sagt Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (42, Grüne). Doch nun muss die Stadt die 4,2 Millionen Euro Sanierungskosten wohl allein stemmen.

Das Verkehrsministerium von Martin Dulig (45, SPD) lehnte den Förderantrag ab. "Es gibt aktuell kein frei verfügbares Geld für solche Großprojekte", begründet Sprecher Jens Jungmann (42). Die Mittel aus dem 360-Millionen-Euro-Fördertopf wurden anderweitig vergeben.

Zum Ärger von Schmidt-Lamontain: "Wir kriegen ein, zwei Stützmauern und den Elberadweg in Altkaditz. Größere Maßnahmen wie Blaues Wunder oder Erschließungsstraßen für Schulneubau bekommen wir nicht gefördert."

Laut Ministerium liegen Förder-Schwerpunkte im Haushalt etwa im Breitbandausbau (Budget: 700 Millionen Euro).

Zudem habe die Stadt sieben Millionen Euro genehmigte Fördergelder für andere Bauprojekte schon im vergangenen Jahr nicht abgerufen. Dieses Geld fehle dann im Topf für aktuelle Projekte. Schmidt-Lamontain hofft dennoch auf Hilfe, appelliert an den Freistaat: "Der Handlungsbedarf ist dringend!" So musste schon ein Teil der Elbwiesen auf Neustädter Seite gesperrt werden, da die Brücke bröckelt.

Dabei sollte die Carola-Sanierung mit der TU-Dresden und dem "Superbaustoff" Carbonbeton wichtiges Pilotprojekt werden. Anders als Stahlbeton rostet der nicht, ist 30 Prozent leichter. Dadurch soll der Geh- und Radweg von 3,60 auf 4,25 Meter verbreitert werden.

Kann die Stadt die Millionen jetzt nicht aufbringen, muss sie die Sanierung notfalls verschieben.

Auf der Neustädter Elbseite musste schon der Bereich unter der Bröckel-Brücke gesperrt werden.
Auf der Neustädter Elbseite musste schon der Bereich unter der Bröckel-Brücke gesperrt werden.  © Thomas Türpe
Die Sanierung der Carolabrücke soll im August beginnen. Doch das Geld dafür hat die Stadt noch nicht zusammen.
Die Sanierung der Carolabrücke soll im August beginnen. Doch das Geld dafür hat die Stadt noch nicht zusammen.  © Thomas Türpe
Sein Ministerium will die Brücken-Sanierung nicht fördern: Verkehrsminister Martin Dulig (45, SPD).
Sein Ministerium will die Brücken-Sanierung nicht fördern: Verkehrsminister Martin Dulig (45, SPD).  © Thomas Türpe

Titelfoto: Thomas Türpe

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