Gewerbsmäßiger Betrug: Lovoo-Chefs verhaftet

Am Mittwoch stürmten die Polizisten mit Rammböcken und Maschinenpistolen die Firmenzentrale an der Prager Straße in Dresden.
Am Mittwoch stürmten die Polizisten mit Rammböcken und Maschinenpistolen die Firmenzentrale an der Prager Straße in Dresden.

Dresden - Rund sechs Stunden nachdem beim Datingportal "Lovoo" eine Razzia durchgeführt wurde, hat sich nun die Staatsanwaltschaft geäußert.

In einer Mitteilung bestätigt sie die Festnahme von zwei Personen. Nach MOPO24-Informationen soll es sich bei ihnen um die Brüder und Geschäftsführer Benjamin (28) und Björn Bak (32) handeln.

Den Angaben der Staatsanwaltschaft zufolge, wird den zwölf Beschuldigten im Alter von 25 bis 38 Jahren gewerbsmäßiger Betrug vorgeworfen.

Dabei handelt es sich um drei Geschäftsführer und neun weitere Mitarbeiter. Bislang wurden zwei Personen in Dresden festgenommen, 16 Privatwohnungen und Firmenräume durchsucht.

Davon 13 in Dresden, zwei in Berlin und eine in Nürnberg. Bei den Durchsuchungen wurden Unterlagen, Computer- und Mobilfunktechnik sowie eine größere Menge an Datenspeichern sichergestellt.

Gegen die beiden Geschäftsführer Benjamin (l.) und Björn Bak wurde Haftbefehl erlassen. Während Benjamin im Gefängnis sitzt, ist Björn unter Auflagen auf freiem Fuß.
Gegen die beiden Geschäftsführer Benjamin (l.) und Björn Bak wurde Haftbefehl erlassen. Während Benjamin im Gefängnis sitzt, ist Björn unter Auflagen auf freiem Fuß.

"Die als „Kennlern-Agentur“ tätige Firma soll gefälschte Profile, sogenannte Fake-Profile, von Personen angelegt haben, welche durch real existierende Mitglieder kontaktiert werden konnten. In der Regel handelte es sich bei den Täuschungsopfern um Männer.

Dabei sollten die Nutzer veranlasst werden, mit den virtuellen Personen in Kontakt zu treten und dabei die kostenpflichtigen Funktionen der Dating-Plattform nutzen", heißt der konkrete Vorwurf aus der Mitteilung der Staatsanwaltschaft.

Insgesamt waren 200 Beamte der Polizei im Einsatz. Wie die Staatsanwaltschaft betonte, soll die Maßnahme nicht das Lahmlegen der Datingapp bewirken, sondern kriminelle Handlungen zu Lasten der Nutzer verhindert werden.

Rund 200 Beamte waren bei der Razzia am Mittwoch im Einsatz, aus ermittlungstaktischen Gründen und mit Rücksicht auf die Persönlichkeistrechte von Beteiligten und weiteren Mitarbeitern des Unternehmens wurden keine weiteren Details genannt.

Sowohl die App als auch die Internetseite sind seit circa 14 Uhr nicht mehr erreichbar.

Update, 16:46 Uhr: Gegen die beiden Brüder, Benjamin und Björn Bak, wurde Haftbefehl erlassen. Der dritte Firmengründer wurde inzwischen dem Haftrichter vorgeführt.

Update; 18:32 Uhr: Gegen die beiden Firmengründer Benjamin Bak und Alex Friede, die heute früh bei der Razzia festgenommen worden sind, wurde Haftbefehl erlassen. Sie sitzen in U-Haft. Im Laufe des Tages stellte sich der dritte Geschäftsführer, Björn Bak, bei der Polizei. Der gegen ihn erlassene Haftbefehl wurde anschließend vom Richter aber ausgesetzt. Er durfte unter Einhaltung von Auflagen vorerst nach Hause.

Einer der Verdächtigen kommt von der Haftrichtervorführung.
Einer der Verdächtigen kommt von der Haftrichtervorführung.

Fotos: privat