Unheimlicher Besucher missbraucht Bücher-Zelle für religiöse Botschaften

Vereinschefin Heike Berthold (60) musste bereits 60 Bücher mit wirren 
Botschaften entsorgen.
Vereinschefin Heike Berthold (60) musste bereits 60 Bücher mit wirren Botschaften entsorgen.  © Ove Landgraf

Dresden - In Riesa treibt ein Schmierfink sein Unwesen, kritzelt Werke der öffentlichen Bücher-Telefonzelle mit religiösen Botschaften voll! Schon 60 Bücher mussten weggeschmissen werden. Auch die Stadtbibliothek war betroffen.

Die Bücher-Telefonzelle im Stadtzentrum ist ein kulturelles Kleinod: Jeder kann darin stöbern, Werke zum Lesen mitnehmen, eigene Bücher hineinstellen.

„Das funktioniert eigentlich super“, sagt Heike Berthold (60). Die Chefin des Vereins „Bücherfreunde Riesa“ achtet auf Ordnung in der umfunktionierten Telefonzelle, ergänzt bei Bedarf den Bestand von über 300 Werken.

Doch jetzt muss sie fast täglich aussortieren: „Jemand schreibt fein säuberlich religiöse Botschaften in die Bücher rein, hinterlässt auch Zettel“, ärgert sich Frau Berthold. „Geschrieben sind sie mit Kuli in Deutsch, einige Zettel auch kopiert.“

Links: Handschriftlich sind die religiösen Botschaften in die Werke hineingeschrieben. Rechts: „Satan=Allah=Teufel“: Von Religionsfreiheit hält der Verfasser offenbar 
wenig.
Links: Handschriftlich sind die religiösen Botschaften in die Werke hineingeschrieben. Rechts: „Satan=Allah=Teufel“: Von Religionsfreiheit hält der Verfasser offenbar wenig.  © Ove Landgraf

Meist sind es Sätze mit christlichem Bezug. Aber auch „Satan=Allah=Teufel“ und andere islamfeindliche Sätze. Die Botschaften finden sich in allen Werken querbeet.

Viele der bekritzelten Werke wurden von der Evangelischen Verlagsanstalt herausgegeben - löst der dubiose „Missionar“ da etwa seine Hausbibliothek auf und tauscht die Werke in der Telefonzelle damit aus?

„Wir mussten bereits 60 Bücher wegschmeißen, die für die Leser nicht mehr zumutbar waren“, bedauert Heike Berthold.

Auch in der Riesaer Stadtbibliothek stempelte ein Unbekannter wochenlang in den zum Verkauf vorgesehenen Werken herum. Nachdem dort ein Warnschild angebracht wurde, herrscht jetzt seit wenigen Wochen Ruhe.

In dieser Bücher-Telefonzelle in Riesa treibt ein dubioser „Missionar“ sein 
Unwesen.
In dieser Bücher-Telefonzelle in Riesa treibt ein dubioser „Missionar“ sein Unwesen.  © Ove Landgraf

Titelfoto: Ove Landgraf


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