"Schleichender Verfall"? Riesenzoff bei Dresdens Kleingärtnern

Dresden - Der Chef des Stadtverbandes "Dresdner Gartenfreunde" bestimmt über Wohl und Zukunft von fast 50.000 Kleingärtnern. Seit 2011 ist Frank Hoffmann (59) an der Macht. Zur nächsten Wahl tritt nun erstmals ein Gegenkandidat an: Volker Croy (36) aus Heidenau will den langjährigen Vorsitzenden im März ablösen.

Herausforderer Volker Croy (36) aus Heidenau will Dresdens neuer Gartenchef werden.
Herausforderer Volker Croy (36) aus Heidenau will Dresdens neuer Gartenchef werden.  © Petra Hornig

Croy ist studierter Gartenbauer, informiert als selbstständiger Berater in seinem Ingenieurbüro über Grün-Gestaltung und Anbau. Er engagiert sich ehrenamtlich im Stadtverband, gärtnert seit 2009 selbst, leitet heute Dresdens kleinste Gartensparte "Gänseblümchen" in Cotta (drei Parzellen).

Zur Wahl trete er an, um Gartenwesen und Stadtverband (361 Kleingärtnervereine, 23.245 Parzellen) vorm "schleichenden Verfall" zu retten. Der amtierende Chef Hoffmann vertrete die Interessen seiner Mitglieder unzureichend, kritisiert Croy. "So will er etwa das Turmhaus an der Hansastraße als neuen Sitz der Geschäftsstelle herrichten lassen. Das erfordert jedoch eine denkmalgerechte Sanierung, ist letztlich ein Millionengrab."

Anstatt dieses "Prunkbaus" könne ein günstigeres Büro gemietet werden, schlägt Croy vor.

Zudem stört sich der Herausforderer am Anbauzwang von Gemüse. "Hoffmann fordert ein Obst-Gemüse-Verhältnis von 50:50. Dabei wäre es zeitgemäß, die Kleingärtner selbst darüber entscheiden zu lassen. Gerade für Berufstätige macht sich Obst-Anbau viel einfacher", so Croy. "Ich will solche überholten Regeln ändern."

Seit 2011 leitet Frank Hoffmann (59) den Stadtverband "Dresdner Gartenfreunde" mit fast 50 000 Kleingärtnern in 361 Vereinen.
Seit 2011 leitet Frank Hoffmann (59) den Stadtverband "Dresdner Gartenfreunde" mit fast 50 000 Kleingärtnern in 361 Vereinen.  © Thomas Türpe

Der amtierende Gartenchef widerspricht. Das Obst-Gemüse-Verhältnis sei eine "Orientierung" für die Vorstände der Kleingartenvereine. Diese sei gewünscht gewesen, um in den jeweiligen Gartenanlagen "Ausgewogenheit" zu erreichen. "Auch mit einem 60:40-Verhältnis kann man locker leben und Ausnahmen sind möglich", sagt Hoffmann.

Am Turmhaus-Projekt arbeite man seit Jahren. Der Geschäftsstelle fehle es an Platz, zudem droht am aktuellen Standort (Erna-Berger-Straße in der Neustadt) eine saftige Mieterhöhung.

Zu den Kosten fürs Turmhaus könne noch nichts gesagt werden. "Die Gespräche laufen. Über das Vorhaben wird abgestimmt, wenn bis zum Kleingärtnertag ein tragbares Finanzierungskonzept vorliegt", sagt Hoffmann. "Langfristig ergeben sich keine Nachteile gegenüber der Büromietung."

Anbauzwang und Turmhaus sind nur zwei Streitpunkte der Konkurrenten - am 16. März haben Dresdens Kleingärtner die Wahl.

Einer der Streitpunkte: Soll das Turmhaus an der Hansastraße künftiger Sitz der Geschäftsstelle werden?
Einer der Streitpunkte: Soll das Turmhaus an der Hansastraße künftiger Sitz der Geschäftsstelle werden?  © Ove Landgraf

Titelfoto: Thomas Türpe, Petra Hornig

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