Bald sind es Tausende: Dresdens Plan gegen das Roller-Chaos

Dresden - Bereits jetzt sind die neuen E-Scooter vor allem in der Innenstadt deutlich sichtbar! Seit zwei Wochen gibt's den ersten Leihanbieter mit Hunderten Rollern, die Flotte wächst täglich. Weitere Verleiher folgen - bald dürften Tausende Roller das Stadtbild prägen. Das Rathaus stellte jetzt seine Pläne vor, wie es die rasante Entwicklung kontrollieren will. Doch gegen Verstöße ist die Stadt schon jetzt machtlos.

Die E-Scooter sind in Dresden angekommen, vor allem in der Innenstadt sehr präsent.
Die E-Scooter sind in Dresden angekommen, vor allem in der Innenstadt sehr präsent.  © Amac Garbe

Wird Dresden bald von E-Scootern überrollt? Ami-Anbieter "Lime" will bald die 1000-Roller-Marke knacken. "Zeitnah" wird auch der schwedische Anbieter "Voi" mit Hunderten Rollern starten.

Das Rathaus rechnet mit drei bis vier Anbietern, die sich in der Stadt etablieren werden. Damit nicht wie anderswo ungezügeltes Roller-Chaos ausbricht, setzt man auf "freiwillige Kooperationsvereinbarungen" mit den Leih-Anbietern.

Wichtigste Eckpunkte: Fahrer müssen mindestens 18 Jahre alt sein (gilt für die Leih-Roller, andere dürfen ab 14 Jahren gefahren werden). Kein Roller-Abstellen in "roten Zonen" der Innenstadt (Altmarkt, Neumarkt, Schloßplatz, Theaterplatz, Neustädter Markt, Fürstenzug, Schloßstraße).

Parken ist nur am Gehweg-Rand erlaubt, maximal vier Roller nebeneinander. Ausnahme sind 16 Roller-Sammelpunkte an ÖPNV-Hotspots wie am Albertplatz. Es gibt auch "Langsamfahrbereiche", etwa an der Prager Straße.

Zudem gilt der Grundsatz: Je zentrumsnäher, desto weniger Roller sind erlaubt. In der Innenstadt (26er-Ring) dürfen 300 Roller pro Anbieter stehen. In der "Kernstadt", zu der etwa Pieschen, Südvorstadt und Hechtviertel zählen, sind insgesamt 700 Roller pro Verleiher erlaubt.

Verkehrsbürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (42, Grüne, M.) ist erfreut über die freiwilligen Vereinbarungen mit den Leih-Anbietern.
Verkehrsbürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (42, Grüne, M.) ist erfreut über die freiwilligen Vereinbarungen mit den Leih-Anbietern.  © Amac Garbe

Aktuell (noch) nicht "erschlossen" sind dezentralere Viertel wie etwa Klotzsche. Heißt: Nutzer können zwar zum Flughafen rollen. Sie können den Roller dort aber nicht abstellen, die benötigte Smartphone-App erlaubt das Parken dort nicht.

Wo geparkt werden darf (und wo Roller überhaupt stehen), zeigt die App an. Verkehrsbürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (42, Grüne) erfreut: "Die Anbieter haben Zugeständnisse gemacht, die sie nicht machen müssten."

Das Problem: Sanktionieren kann das Ordnungsamt Verstöße nicht. So rollen aktuell auch Minderjährige mit Leih-Rollern umher. Zwar weist "Lime" die Nutzer über die App auf die wichtigsten Regeln hin. Bei Alters-Verstößen "eingreifen" könne man aber nicht, räumt "Lime"-Manager Tonalli Arreola (31) ein.

Für Verkehrsverstöße (etwa unerlaubtes Rollen auf Gehweg) ist die Polizei zuständig. Patrouillierende "Lime"-Mitarbeiter parken zumindest falsch abgestellte Roller um.

Beschwerden über "Falschparker" hatte es laut Rathaus in den ersten Tagen gegeben. Diese "Startschwierigkeiten" seien nach Rücksprache mit "Lime" aber mittlerweile behoben.

Was sagt eigentlich die Polizei zu den Scootern?

Bereits jetzt gibt es Hunderte Roller in Dresden, doch das ist erst der Anfang.
Bereits jetzt gibt es Hunderte Roller in Dresden, doch das ist erst der Anfang.  © Amac Garbe

Die Polizei sieht der neuen E-Scooter-Bewegung gelassen entgegen. Spezielle Kontrollen wurden bislang nicht vorgenommen.

"E-Scooter werden derzeit im Rahmen der allgemeinen Streifentätigkeit kontrolliert", so Polizeisprecher Marko Laske (45).

Die Scooter-Welle rollt erst an - und so sind auch die Ergebnisse der Kontrollen noch mager. Weder Verstöße gegen das Pflichtversicherungsgesetz noch ein nicht erreichtes Mindestalter (14 Jahre) von Fahrern wurde geahndet.

Highlight war bislang ein Betrunkener (20), der mit einem Scooter den Hasenberg hinunterrollte. "Ihn erwartet eine Anzeige wegen Trunkenheit im Verkehr", so Laske.

Auch Unfälle mit den neuen Flitzern wurden bis jetzt nicht angezeigt. Die Polizei wird die Entwicklung der neuen Gefährte im Straßenverkehr weiter beobachten.

"Es bleibt abzuwarten, wie es sich entwickelt. Wir werden stärker kontrollieren, sobald die Zahl der Unfälle oder Alkoholfahrten sich häuft."

Nächster Anbieter da: Sinken jetzt die Fahrpreise?

Das Rollen mit den E-Scootern hat seinen (stolzen) Preis. Dresdens erster Leih-Anbieter "Lime" verlangt pro Fahrt 1 Euro plus 20 Cent pro Minute. Wer fünf Minuten rollt, zahlt also bereits 2 Euro. Konkurrent "Voi" will günstigere Fahrten anbieten, kündigt einen Minutenpreis von 15 Cent an (hinzu kommt 1 Euro pro Fahrt wie bei "Lime"). Weitere Anbieter sollen folgen. Günstigere Preise sind aber eher nicht zu erwarten. So wurden in vielen Städten wie Berlin oder München schon die Minutenpreise erhöht. In Hamburg werden bei "Lime" sogar 25 Cent fällig. Bezahlt wird über die App via Kreditkarte oder "Paypal".

Wer auf Leihrollern in Dresden unterwegs ist, muss mindestens 18 Jahre alt sein. Kontrollieren tut das aber keiner.
Wer auf Leihrollern in Dresden unterwegs ist, muss mindestens 18 Jahre alt sein. Kontrollieren tut das aber keiner.  © Sebastian Kahnert, Hermann Tydecks
"Lime"-Manager Tonalli Arreola (31)
"Lime"-Manager Tonalli Arreola (31)  © Amac Garbe

Titelfoto: Amac Garbe

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