Shalom! An Sachsens Grundschulen gibt's jetzt auch jüdischen Religionsunterricht

Dresden - Für protestantische und katholische Schüler ist Religionsunterricht völlig normal, als Alternative gibt's Ethik-Unterricht. Jetzt erweitert Dresden sein Angebot: Schüler können auch jüdische Religion als eigenes Fach wählen. Und Ruth Röcher (64) wird es unterrichten.

Am künftigen Religionsunterricht können Kinder jeder Herkunft teilnehmen.
Am künftigen Religionsunterricht können Kinder jeder Herkunft teilnehmen.  © imagao images/ Westend61

Die 64-Jährige ist Sachsens erste offizielle Lehrerin für jüdische Religion. "Es war ein langer Kampf: Aber nun werden wir ab dem neuen Schuljahr erstmals jüdischen Religionsunterricht anbieten", sagte Röcher. Sie ist seit 2006 Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Chemnitz.

"Wir beginnen im Herbst zunächst an Grundschulen der drei großen Städte Dresden, Leipzig und Chemnitz, also dort, wo es jüdische Gemeinden gibt. Kleine Orte können wir leider noch nicht versorgen", sagt sie. Ziel sei es aber, ab 2020 den Unterricht auch in weiterführenden Schulen anzubieten.

Der Unterricht wird offen für alle ein. Das meint nicht nur die Religionszugehörigkeit, sondern auch Menschen ohne Glauben an einen Gott. Nur die Lehrer müssen einen jüdischen Hintergrund haben. Röcher ist zunächst die einzige Lehrkraft.

Sollten aber Dresden und Chemnitz wieder Rabbiner haben, würden diese auch unterrichten, ist sie sicher. Röcher selbst begann 1994 als Erzieherin in der Chemnitzer Gemeinde. Regelmäßig unterrichtet sie auch im Dresdner Pendant.

An den Grundschulen ist zunächst eine Wochenunterrichtszeit von zwei Stunden geplant. Gelehrt werden jüdische Geschichte, Hebräisch und religiöse Rituale. "Wir sind froh, dass wir endlich die Gleichberechtigung beim Unterricht erreicht haben, sehen es aber mit einem lachenden und einem weinenden Auge", so Röcher.

Denn der Antrag liege seit vielen Jahren vor, sei aber von der Politik erst unter dem Eindruck von PEGIDA genehmigt worden...

Ruth Röcher (64).
Ruth Röcher (64).  © Sven Gleisberg

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