Prozessauftakt: Hier sitzen die S-Bahn-Schubser vor Gericht

René J. versuchte, vom Gleis wieder hochzuklettern, doch die Täter hinderten ihn, warfen sogar sein Rad hinterher.
René J. versuchte, vom Gleis wieder hochzuklettern, doch die Täter hinderten ihn, warfen sogar sein Rad hinterher.  © Norbert Neumann

Dresden - Die Tat schockte ganz Deutschland: René J. (41) wurde im März am S-Bahn-Haltepunkt Zschachwitz von zwei Männern ins Gleisbett geschubst (TAG24 berichtete). Nur weil der Lokführer der einfahrenden Bahn geistesgegenwärtig reagierte, wurde der Familienvater nicht überfahren.

Am Mittwoch beginnt am Landgericht Dresden der Prozess gegen die mutmaßlichen Täter Chakir A. (24) und Radouan K. (27). Der Marokkaner und der Libyer müssen sich wegen versuchten Totschlages vor der Schwurgerichtkammer verantworten.

Morgens stieg Facharbeiter René seinerzeit aus der S-Bahn, wollte mit dem Rad weiter zur Arbeit. Auch die beiden offenbar angetrunkenen Täter stiegen aus, fragten ihn nach Zigaretten. Als der Familienvater verneinte, trat einer nach dessen Fahrrad, der andere schubste ihn. René J. stürzte ins Gleisbett.

"Ich versuchte mehrfach wieder hochzuklettern", schilderte das Opfer später TAG24. Doch die Täter hinderten ihn, warfen sogar sein Rad hinterher.

Chakir A. (24) ist einer der mutmaßlichen Täter.
Chakir A. (24) ist einer der mutmaßlichen Täter.  © Holm Helis

Laut Anklage "setzten die Beschuldigten ihren Angriff auch fort, als der Zugführer des herannahenden Regionalzuges aus Pirna die Hupe betätigte."

Der Zug stoppte nur wenige Meter vor René J. "Ich war wie gelähmt, hörte nur das Quietschen der Bremsen, sah Funken fliegen. Ich dachte das war‘s. Ende", schilderte er die dramatischen Sekunden. Zwar blieb der Familienvater äußerlich unverletzt, erlitt aber einen massiven Schock, ist nun psychisch schwer angeschlagen.

Im Prozess ist René nun Nebenkläger, wird aber zum Auftakt am Mittwoch nicht im Gericht sein. Ob er im Prozess überhaupt aussagt, ist sogar völlig offen.

"Das wäre eine derartige psychische Belastung für ihn, dass es nicht vertretbar wäre", sagt Anwältin Gesa Israel (50), die René J. vor Gericht vertritt. Ein medizinisches Gutachten soll klären, ob er überhaupt verhandlungsfähig ist. Ist er es nicht, werden seine bisherigen Angaben, die er im Ermittlungsverfahren machte, verlesen. Seine Ehefrau Marika (47) wird voraussichtlich am Donnerstag als Zeugin gehört.

Vorerst hat das Gericht fünf Prozesstage geplant, das Urteil könnte schon Anfang November fallen.

Der Angeklagte Radouan K. (27) wird ebenfalls in Handschellen in den Gerichtssaal geführt.
Der Angeklagte Radouan K. (27) wird ebenfalls in Handschellen in den Gerichtssaal geführt.  © Holm Helis
Am S-Bahnhof Dresden-Zschachwitz geschah die Tat.
Am S-Bahnhof Dresden-Zschachwitz geschah die Tat.  © Norbert Neumann

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