Überraschungsfund bei Sanierung der Augustusbrücke

Dresden - Seit 15 Monaten wird an der Sanierung der Augustusbrücke gearbeitet. Neben weniger erfreulichen Funden wie giftigem Bitumen gab es auch schöne Überraschungen: Bauarbeiter entdeckten am Neustädter Ufer Reste der ersten Elbbrücke aus dem Mittelalter.

Straßen- und Tiefbauamtschef Reinhard Koettnitz (63) zeigt die Brücken-Pläne. Hinter ihm deutlich zu sehen: Die aufgetauchten Reste der ersten Brücke aus dem Mittelalter.
Straßen- und Tiefbauamtschef Reinhard Koettnitz (63) zeigt die Brücken-Pläne. Hinter ihm deutlich zu sehen: Die aufgetauchten Reste der ersten Brücke aus dem Mittelalter.  © Norbert Neumann

Die präsentierte am Mittwoch Straßen- und Tiefbauamtschef Reinhard Koettnitz (63) und informierte über den Stand der Sanierung.

Die mittelalterliche Elbbrücke (Ersterwähnung 1287) war ein Bauwunder ihrer Zeit: Mit 23 Bögen und 561 Metern Länge übertraf sie die damals schon berühmte Steinerne Brücke von Regensburg.

Im Laufe der Jahrhunderte wurden Bögen links und rechts am Ufer zugeschüttet, um Bauplatz zu gewinnen.

Und einer dieser Bögen tauchte nun wieder auf! Der Rücken des Bogens beim Blockhaus ragt deutlich aus dem Untergrund.

Nicht nur zur Freude von Amtschef Koettnitz: "Das bereitet uns Kopfzerbrechen, wir kommen an dieser Stelle momentan mit der Sanierung nicht weiter." Denn obwohl seit Ewigkeiten verborgen, sind die Überreste denkmalgeschützt.

Um sie zu erhalten, müssen Leitungen umgelegt werden. "Die Folge sind zusätzliche Kosten, aber es wird keine Kostenexplosion", so Koettnitz.

Noch ein Blick in die Geschichte: Steine des legendären Narrenhäusels (rot), das 1945 zerstört worden war.
Noch ein Blick in die Geschichte: Steine des legendären Narrenhäusels (rot), das 1945 zerstört worden war.  © Norbert Neumann

Anderswo auf der Brücke wird weiter fleißig gewerkelt.

Arbeiter bringen die neue Bitumenschicht als Abdichtung auf. Für die Fahrleitungsmasten der Straßenbahn werden Mastfüße mit überdimensionalen Schrauben verankert.

Das Terrassenufer wird in den Sommerferien letztmalig von diesem Freitag, 20 Uhr, bis Montag, 5 Uhr, gesperrt.

In Knochenarbeit muss die oberste Betonschicht des neuen Brückenbogens mit Sandstrahlern abgefräst werden. So entsteht die ursprüngliche Struktur wie in den anderen Brückenbögen.

Weitere Verkehrseinschränkungen sind erst wieder im Herbst nötig.

Als auf der Brücke noch "gesäckt" wurde

Dresdens Elbbrücke im Jahr 1529 mit Blick von der Neustädter Seite auf die Altstadt.
Dresdens Elbbrücke im Jahr 1529 mit Blick von der Neustädter Seite auf die Altstadt.  © Archiv

Dresdens mittelalterliche Brücke war zu ihrer Zeit nicht nur weit und breit die einzige Elbquerung der Region. Sie war auch Richtstätte!

In der Mitte der Brücke gab es eine Bodenklappe. Über die wurden Schwerkriminelle durch "Säcken" hingerichtet.

Die Delinquenten wurden dazu lebend in einen Sack eingenäht - zusammen mit ebenfalls lebenden Tieren wie Hund, Katze, Hahn und Schlange.

Dieses "Paket" wurde dann in die Elbe geworfen. Die um ihr Leben kämpfenden Tiere verstärkten so noch die Qualen des Todeskandidaten.

Einer der so Hingerichteten war im Jahre 1548 der Dresdner Hans Schumann. Der hatte seine eigene Mutter um die Ecke gebracht, weil die sich geweigert hatte, ihm ihre Mühle zu übertragen ...

Damit die Brücke künftig dicht bleibt: Arbeiter tragen die neue Bitumenschicht auf.
Damit die Brücke künftig dicht bleibt: Arbeiter tragen die neue Bitumenschicht auf.  © Norbert Neumann

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