Behörden gehen wegen "Balkon" auf die Barrikaden

Dresden - Vermieter verschönern ja immer mal ihre Objekte. Aber was Franz-Dieter P. (79) im Hinterhof an der Dresdner Martin-Luther-Straße aufbauen ließ, nervte nicht nur die Anwohner.

Vorm Fenster ein Stahlträger, im ohnehin kleinen Hof unnütze Verbauung. Die Mieter an der Martin-Luther-Straße müssen einiges aushalten.
Vorm Fenster ein Stahlträger, im ohnehin kleinen Hof unnütze Verbauung. Die Mieter an der Martin-Luther-Straße müssen einiges aushalten.  © Steffen Füssel

Der kühne Anbau rief das Bauamt auf den Plan, die Feuerwehr und letztlich auch die Justiz. Im Amtsgericht wehrt sich der Bauherr aus Bayern gegen ein Bußgeld über mehrere Tausend Euro wegen Verstoßes gegen die sächsische Bauordnung.

Im März 2019 stand in dem engen Innenhof plötzlich ein Metallgerüst, samt Trägern, Geländer und Treppe. "Uns wurde gesagt, es würden Balkone gebaut", so ein Mieter.

Das gerufene Bauamt stellte vor Ort fest, dass die Anlage "als Terrasse/Balkon" genutzt werden sollte. Es lagen aber weder Bauantrag noch Genehmigung vor. Sofort wurde ein Statik-Gutachten vom Bauherrn gefordert.

Doch das blieb er schuldig. Erst als die Feuerwehr mahnte, dass so kein Rettungsweg mehr vorhanden wäre, akzeptierte Franz-Dieter P. den Baustopp. Die Anlage wurde zurückgebaut. Jedenfalls zum Teil. Seither verschandeln Bauteile, die im Gemäuer verankert wurden, den Hof.

"Das war nie als Balkon geplant", erklärte der Anwalt des Bayern, der wegen eines Herzinfarktes im Gericht entschuldigt war. "Das sind Rankgerüste. Und es sollte eine Photovoltaik-Anlage drauf. Das ist ein verfahrensfreies Bauvorhaben." Soll heißen: Dazu braucht es keinerlei Genehmigung.

Nun will der Richter weitere Zeugen hören. Unter anderem die Baufirma, die im Auftrag von Franz-Dieter P., der in der Neustadt zahlreiche weitere Grundstücke besitzt, agierte.

Titelfoto: Steffen Füssel

Mehr zum Thema Dresden Lokal:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0