FDP-Chef auf Tour: Zastrow gibt den Kümmerer

Dresden - Am 1. September ist Landtagswahl. Die Abstimmung wird spannend wie nie, erst recht die Regierungsbildung. Gibt es ein Dreierbündnis aus CDU, FDP, Grünen? Oder gar eine Viererkoalition, wenn es die FDP schafft? In loser Folge begleitet TAG24 die Spitzenkandidaten. Heute: FDP-Mann Holger Zastrow (50).

FDP-Landes-Chef und Spitzenkandidat seiner Partei, Holger Zastrow (50). Zu einer künftigen Regierungsbeteiligung sagt er: Ja, auch mit den Grünen. Dann aber wolle die FDP den Preis für den Kohle-Ausstieg richtig nach oben treiben.
FDP-Landes-Chef und Spitzenkandidat seiner Partei, Holger Zastrow (50). Zu einer künftigen Regierungsbeteiligung sagt er: Ja, auch mit den Grünen. Dann aber wolle die FDP den Preis für den Kohle-Ausstieg richtig nach oben treiben.  © Ove Landgraf

"Sie sind doch der Herr Zastrow?!" Der Angesprochene ist gerade erst am Wahlwerbestand auf dem Mannheimer Platz in Riesa angekommen, schon wird er erkannt.

In dem Fall von Bürger Peter Richter (80). Er hat Zastrow am Abend zuvor im MDR gesehen, wo der, wie die Konkurrenz auch, in einem Campingwagen Fragen und praktische Tests über sich ergehen lassen musste.

Zwar tritt Zastrow im Dresdner Norden und östlich der Stadt an. Da er aber auch FDP-Spitzenkandidat ist, tourt der hochgewachsene Erzliberale durchs Land - unter anderem mit dem Motorrad.

Nun ist er auf der Spur von Industriearbeitsplätzen rund um Riesa. Den Chauffeur macht Sachsens FDP-Generalsekretär Torsten Herbst (45).

Aus der City geht's zu den Elbe-Stahlwerken. Hier werden mit Betonbewehrungen noch Werte geschaffen, hört die Delegation von Direktor Frank Jürgen Schaefer (62). Die Fabrik gehört dem italienischen Mischkonzern Feralpi.

Selbst ist der Mann. Zastrow knüppert seine eigenen Wahlplakate.
Selbst ist der Mann. Zastrow knüppert seine eigenen Wahlplakate.  © Ove Landgraf

Schaefer erläutert die energieintensive Produktion und damit verbundene Probleme, Stichwort Umlagen, Auflagen, Abgaben. Auch die Idee Klimazoll kommt zur Sprache und warum die Forderung "Schwerlastverkehr auf die Schiene" unrealistisch ist (Schaefer: "Kaum noch ein Kunde hat Gleisanschluss"). "Also Straßen ausbauen", so Zastrows Fazit.

Schaefer, der auch Vize der IHK Dresden ist, schiebt nach, wie viel sauberer der Transport zu Wasser sei, wenn der Fluss berechenbar wäre. Eine Vorlage für Zastrow: Er nennt die Debatte gegen eine Staustufe auf tschechischer Seite verlogen.

Die Tschechen wollten sie, nur hier werde verhindert. Dann berichtet er, wie er als jugendliche Aushilfe auf dem Bau Eisen flechten half, zollt der Arbeit Respekt. Dann tropft der Schweiß, Schaefer zeigt ihm das Stahlkochen.

Von der Gluthölle in den Hof des Lommatzscher Terence-Hill-Museums, wo ein Regenschauer willkommene Abkühlung bringt. Bürgermeisterin Anita Maaß (43) ist gekommen. Die FDP-Frau will am 1. September erneut ins Rathaus gewählt werden.

Am Stadtrand die Maschinenbaufirma Lomma. Nachdem die innovative Schmiede von westdeutschen Glücksrittern ruiniert wurde, haben jetzt Einheimische das Sagen. Man kennt sich: Zastrow organisierte für Lomma eine freche Werbeaktion vor der Frauenkirche in Dresden. Nach Lommatzsch wartet Büroarbeit, nachts wird Zastrow daheim noch Wahlplakate hängen.

Kurzporträt: Das ist Holger Zastrow

Zastrow wurde 1969 in Dresden geboren. Nach der Schule lernte er den Beruf eines Industriekaufmanns, legte nach der Wende das Fachabitur ab. Ein BWL-Studium Mitte der Neunziger blieb ohne Abschluss. "Sein politisches Engagement begann Zastrow bei den Montagsdemonstrationen im Wendeherbst 1989", heißt es in einem Porträt des Landesverbandes.

Den führt er seit 1999 - Rekord in Sachsen. Seit 2004 sitzt er im Dresdner Stadtrat, seit 2009 als Fraktions-Chef. Auch im neuen Rat (ab 5. September) soll er die Fraktion führen. 2009 bis 2014 war er zugleich Vorsitzender der Landtagsfraktion. Im "wahren Leben" führt er eine Werbeagentur und das Landgut "Hofewiese" in der Dresdner Heide. Er ist verheiratet.

Parteiprogramm: Das will die FDP

"Mehr Freiheit, mehr Vertrauen, mehr gesunder Menschenverstand, weniger Bevormundung, Regeln und Bürokratie", so Holger Zastrow. "Das gilt für alle - von der kommunalen Selbstverwaltung bis zur Wirtschaft. Und wir müssen unsere Schulen (und das Land insgesamt) ins Digitalzeitalter führen, Lehrpläne entschlacken und die Oberschulen stärken. Nicht jeder muss studieren! Wir müssen viel schneller Straßen und Verkehrswege ausbauen und uns mehr um die ländlichen Räume kümmern."

Die Freidemokraten lehnen den "unkontrollierten Ausbau der Windkraft" ab und wollen die Ehe auch für gleichgeschlechtliche Partner öffnen, ebenso wollen sie die Zahl der Polizisten "um mindestens 800" erhöhen.

Zastrow im Maschinenbaubetrieb Lomma in Lommatzsch. Links Bürgermeisterin Anika Maaß (43), rechts Betriebsleiter Mathias Hiekel (53).
Zastrow im Maschinenbaubetrieb Lomma in Lommatzsch. Links Bürgermeisterin Anika Maaß (43), rechts Betriebsleiter Mathias Hiekel (53).  © Ove Landgraf
Direktor Frank Jürgen Schaefer (62) zeigt dem FDP-Mann das Stahl- und Walzwerk in Riesa.
Direktor Frank Jürgen Schaefer (62) zeigt dem FDP-Mann das Stahl- und Walzwerk in Riesa.  © Ove Landgraf
Zastrow beim Straßenwahlkampf in Riesa.
Zastrow beim Straßenwahlkampf in Riesa.  © Ove Landgraf

Titelfoto: Ove Landgraf

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