Kommt's auf die Größe an? So wächst Sachsen

Die Arbeit der Vermesser brachte
Erstaunliches zutage - Sachsen
ist größer als gedacht.
Die Arbeit der Vermesser brachte Erstaunliches zutage - Sachsen ist größer als gedacht.  © Jürgen-Michael Schulter

Dresden - Wie durch einen Zaubertrick ist Sachsen um knapp 30 Quadratkilometer gewachsen - das entspricht immerhin einer Fläche von 4200 Fußballfeldern.

Der Zuwachs ist allerdings kein großes Waldgebiet, das plötzlich auf der Landkarte aufgetaucht ist. Der Landgewinn verteilt sich auf fast alle Kreise der Freistaats.

Einfachste Erklärung für die neue Größe: Die Erde ist eher eine Kugel als eine Scheibe! Die Umstellung auf die neue Größe Sachsens erfolgte zum Jahreswechsel auf 2016, da führte die Statistik die neuen Zahlen ein.

Und zwar heimlich, still und leise: Selbst Google und Wikipedia geben noch die alte Fläche an, nämlich 18.420,25 Quadratkilometer. Dabei ist Sachsen nun 18.449,99 Quadratkilometer groß!

Es gibt durchaus Möglichkeiten, das Land ohne Annektion oder neue Grenzziehung zu erweitern. Etwa, wenn ein Stück Wattenmeer trocken fällt. Oder wenn der Grenzfluss sich ein neues Bett sucht.

Das gab es in Sachsen tatsächlich einmal am Lauf der Kirnitzsch, aber da ging es nur um ein paar Quadratmeter.

Die einzelnen sächsischen Landkreise und kreisfreien
Städte haben durch die Neubemessung
sehr unterschiedlich dazugewonnen. Das Erzgebirge
verlor sogar an Fläche.
Die einzelnen sächsischen Landkreise und kreisfreien Städte haben durch die Neubemessung sehr unterschiedlich dazugewonnen. Das Erzgebirge verlor sogar an Fläche.

Der neue Raumgewinn ergibt sich aus einer neuen Messmethode, auf welche die Bundesrepublik und Sachsen als eines der letzten Länder nun umgestellt haben.

Die größten Zuwächse gab es im Osten. Brandenburg wuchs gar um 169 Quadratkilometer - die Fläche Liechtensteins.

Ausflug in die Geschichte: Im 19. Jahrhundert wurden für die sächsische Steuererhebung von 3373 Dörfern und 143 Städten knapp 1,8 Millionen Flurstücke in Katasterkarten aufgenommen. Die Gesamtsumme ergab dann die statistische Fläche.

Die damaligen Messmethoden stellten die Erdoberfläche noch verebnet in zwei Dimensionen dar und vernachlässigten die Krümmung.

Heute misst man weltweit in einem Koordinatensystem, welches sich an der Figur der Erde orientiert. Mit satellitenbasiertem GPS kommt der Vermesser dann auf zentimetergenaue Ergebnisse.

Die verfeinerten Messmethoden wirken sich nicht sofort auf alle Grundstücksgrößen aus. Die bisher im Grundbuch geführte Fläche bleibt auch weiterhin bestehen.

Erst wenn ein Flurstück nach den exakteren Methoden neu vermessen wird, gibt es die neue Fläche - bei den meisten wohl ein paar Zentimeter mehr.

Die größten Probleme mit der Landvergrößerung haben eher die Landesstatistiker. Denn alle Berechnungen, die sich auf die Fläche bezogen (etwa Einwohner pro Quadratkilometer), erleiden in ihrer Fortschreibung einen Bruch und sind nicht mehr vergleichbar.

Und mehr Zuweisungen an Fördermitteln müssen sich Sachsen oder die Kreise auch nicht erhoffen, denn die bemessen sich noch immer an der Bevölkerungszahl.


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