"Tiefe Verlogenheit": Kurt Biedenkopf teilt gegen AfD aus

Dresden - Heftige Attacke gegen die AfD! Alt-Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (89, CDU) hat den Rechtspopulisten vorgeworfen, nur an der Macht interessiert zu sein. Die Sachsen warnt er vor deren Wahl – die Folgen müssten sie dann selbst ausbaden.

Alt-Ministerpräsident Kurt Biedenkopf.
Alt-Ministerpräsident Kurt Biedenkopf.  © Uwe Meinhold

„Schon jetzt zeigt sich, dass ihre Führungsleute zwar die Macht, aber nicht das Wohl der Bevölkerung anstreben“, sagte Biedenkopf dem FAZ Magazin (August-Ausgabe). „Wenn die Populisten wirklich Macht gewinnen können und damit die Freiheit bedrohen, zerfällt Europa. Wenn die europäische Bevölkerung das nicht begreift, dann wird sie verlieren.“

Gleichzeitig warnte er: „Eine populistische Partei hält nichts von Freiheit, wenn sie ihr auf dem Weg zur Macht im Weg steht.“ Der AfD warf er eine „tiefe Verlogenheit“ vor: „Es ist eine Partei, die den Leuten alles verspricht, aber an keiner Stelle sagt, was das alles kostet.“

Mit Blick auf die Landtagswahlen in Sachsen riet der CDU-Politiker jedoch zu Gelassenheit: „Die AfD in Sachsen ist politisch nicht besonders bedeutsam. Denn ihr fehle es schlicht an Partnern. „Und wenn wirklich keine Regierung zustande kommt, muss der Landtag sich auflösen, und es gibt Neuwahlen.“

Sachsens Wähler forderte er auf, die Augen nicht vor der Wirklichkeit zu verschließen. Aber: „Wenn sie die AfD wählen wollen, sind sie frei, aber an den Folgen selbst schuld.“ Es gebe politisch genügend andere Alternativen. „Wer trotzdem die AfD wählt, sorgt dafür, dass die Leute auf Sachsen nicht mehr stolz sei können.“

Für Michael Kretschmer gab es Lob von Biedenkopf.
Für Michael Kretschmer gab es Lob von Biedenkopf.  © Eric Münch

Biedenkopf regierte in Sachsen zwischen 1990 und 2002 mit absoluter Mehrheit. Mit seinen Nachfolgern im Amt des Ministerpräsidenten, Georg Milbradt (74, CDU) und Stanislaw Tillich (60, CDU), ging „Biko“ hart ins Gericht: „Ich habe versucht, in zwölf Jahren Regierung das zu hinterlassen, was notwendig ist, um vernünftig weiterzumachen. Aber die Leute, die weitergemacht haben, haben es nicht begriffen.“

Sie hätten weder Ziele gesetzt noch den Menschen die sich immer schneller verändernde Welt erklärt. Auch deswegen würden viele in Sachsen die AfD wählen. Außerordentlich lobte er dagegen den heutigen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (44, CDU). „Er beeindruckt mich sehr durch seine Art und Weise und seinen Mut, mit dem er in einer sehr schwierigen Situation antritt.“

Bereits im Oktober 2017, kurz nach dem miesen Abschneiden der CDU bei der Bundestagswahl, hatte Biedenkopf Tillich geradezu vernichtend kritisiert: Diesem fehle für das Amt die Vorbildung.

Tillich sei für das Amt ursprünglich nicht vorgesehen gewesen: „Er hat das nie gelernt“, sagte Biedenkopf damals der „Zeit“. Für Beobachter der Anfang vom Ende der Amtszeit Tillichs.

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