Personalnot an Sachsens Schulen: Bürgermeister geht im Westen auf Lehrer-Jagd!

Dresden - Lehrer händeringend gesucht! Insgesamt 1100 Lehrer-Stellen will das Kultusministerium zum 1. August besetzen. Doch Not macht erfinderisch: Ein Bürgermeister aus der Oberlausitz warb jetzt in Stuttgart für seine Region.

Bürgermeister Markus Weise (30, parteilos) vor "seiner" Oberschule in Bernstadt auf der Eigen. Er ist eigens nach Stuttgart gefahren, um potentiellen Lehrern die Oberlausitz schmackhaft zu machen.
Bürgermeister Markus Weise (30, parteilos) vor "seiner" Oberschule in Bernstadt auf der Eigen. Er ist eigens nach Stuttgart gefahren, um potentiellen Lehrern die Oberlausitz schmackhaft zu machen.  © Matthias Weber

"Der Druck in der Region, Lehrer zu finden, ist groß", sagt Markus Weise (30, parteilos), Bürgermeister von Bernstadt auf dem Eigen. Die Gemeinde liegt im Städtedreieck von Görlitz-Zittau-Löbau, wo Lehrer besonders rar sind.

Daher fuhr er nun als einziger Bürgermeister nach Stuttgart - zu einer Infoveranstaltung der Arbeitsagentur.

"Ich habe mir gesagt, ich fahre da jetzt hin, es geht um die Region. Dort habe ich die Vorzüge präsentiert."

Die da seien: günstige Mieten und Grundstückspreise sowie auch genügend Kita-Plätze. Ob die Aktion bei interessierten Lehrern Erfolg hatte, weiß er noch nicht.

Schon seit Jahren fehlen in Sachsen Lehrer - ohne Quereinsteiger geht es nicht. Stand Mitte Juni bewarben sich 1899 Personen für die 1100 Stellen - darunter aber nur 828 ausgebildete Lehrer, so das Kultusministerium. Doch ob das reicht, ist unklar.

Zudem wollen viele nicht auf dem Land arbeiten. Zusätzlich stehen ab August 329 Seiteneinsteiger zur Verfügung.

Die Besetzung von Lehrerstellen in Sachsen bleibt schwierig. Denn auch andere Bundesländer suchen Lehrkräfte.
Die Besetzung von Lehrerstellen in Sachsen bleibt schwierig. Denn auch andere Bundesländer suchen Lehrkräfte.  © dpa/Axel Heimken

Die Arbeitsagentur informierte auch in Karlsruhe und Freiburg über die Lehrerjobs im Freistaat.

Sie will das aber nicht als Abwerbe-Aktion verstehen, so Sprecher Frank Vollgold: "Unser Auftrag ist, allen arbeitssuchenden Menschen geeignete Angebote zu unterbreiten – unabhängig von ihrem derzeitigen Wohnort.

Deshalb vermitteln wir in Sachsen und auch bundesweit Lehrer an sächsische Schulen."

Sachsen kann nun auch mit der Verbeamtung werben. Zudem bekommen angehende Lehrer, die ihr Referendariat auf dem Land absolvieren, einen monatlichen Zuschlag von 1000 Euro - zusätzlich zum Anwärtergrundbetrag von 1500 Euro, so Kultusminister Christian Piwarz (42, CDU).

FDP-Zastrow will entlassene Lehrkräfte locken

FDP-Chef Holger Zastrow (49) will Lehrer, die im Sommer arbeitslos sind, nach Sachsen locken.
FDP-Chef Holger Zastrow (49) will Lehrer, die im Sommer arbeitslos sind, nach Sachsen locken.  © Steffen Füssel

In einigen Bundesländern, vor allem in Baden-Württemberg, werden viele Lehrer über die Sommerferien in die Arbeitslosigkeit geschickt. Sachsens FDP-Chef Holger Zastrow (49) fordert nun, diese gezielt in den Freistaat zu locken.

"Während Lehrkräfte anderswo vorübergehend in die Arbeitslosigkeit rutschen, können wir in Sachsen langfristige Sicherheit bieten", so Zastrow.

Denn der Freistaat könne unbefristete Verträge, ein mittlerweile ansprechendes Vergütungsniveau mit Option auf Verbeamtung und ein vergleichsweise gutes Klima an den Schulen bieten.

Das Anwerben sei zwar nur ein kleiner Baustein, aber sinnvoller, als weitgehend auf Seiteneinsteiger und die Kürzung der Stundentafel zu setzen.