Waffen und Pornos: Polizei-Mitarbeiter im Darknet erwischt

Sebastian Z. (35) kaufte im Darknet Knarren und Munition. Jetzt muss er in Haft.
Sebastian Z. (35) kaufte im Darknet Knarren und Munition. Jetzt muss er in Haft.  © Ove Landgraf

Dresden - Das Polizeiverwaltungsamt an der Neuländer Straße ist unter anderem für die Beschaffung von Waffen für die Ordnungshüter zuständig. Den Dienstauftrag hatte Sebastian Z. (35) offenbar völlig falsch gedeutet: Er bestellte Knarren im Darknet! Und hortete obendrein fast 1000 widerliche Kinderpornos auf dem Rechner. Jetzt stand der IT-Experte vorm Amtsrichter.

"Ich habe damals nur einseitige Nachrichten aus dem Internet bezogen", weinte der Angeklagte, der im Darknet unter "John Do" firmierte. "Ich habe eine größere Bedrohung vermutet, als tatsächlich vorhanden war." Aus Angst habe er im Darknet 50 Schuss Munition gekauft.

Später orderte er fünf Glock (Pistolen) samt 100 Patronen. "Ich wollte nur eine Waffe, der Händler verkaufte nur im Pack", erklärte Sebastian Z, der in seiner Jugend zur rechten Szene gehörte, später Mitglied der Piraten-Partei war.

Die Frage, warum er nicht nach einem anderen illegalem Händler Ausschau hielt, der nur eine Waffe verkaufen würde, ließ er offen. Dafür wurde bekannt, dass der IT-Experte die fälligen 7600 US-Doller in der Internet-Währung Bitcoin bezahlte. Diese Währung könnte zwar im Netz beschafft werden. Sebastian Z. aber fuhr zu einem "Geldhändler" auf den Bahnhof nach Prag, um seine Währung einzutauschen.

Fünf solcher halbautomatischer Glock-Pistolen orderte der IT-Experte.
Fünf solcher halbautomatischer Glock-Pistolen orderte der IT-Experte.  © DPA

Was der IT-Experte, der schon beim Staatsbetrieb Sächsische Informatik Dienste arbeitete, nicht wusste: Die australische Polizei meldetet dem BKA den illegalen Kauf. Das LKA Sachsen übernahm und ermittelte mit Sebastian Z. ausgerechnet einen Kollege, der im Polizeiverwaltungsamt auf dem Gelände des LKA arbeitet!

"Wir fingierten daraufhin die Lieferung des Pakets an eine Postfiliale in Radeburg. Dort wurde er festgenommen", so die Chefermittlerin im Gericht. Sebastian Z. tischte den Fahndern erstmal ein Märchen auf: "Er wüsste nicht, was im Paket ist. Er wäre beauftragt worden, es zu holen und an der Autobahnabfahrt Wilder Mann zu hinterlegen..." Lange log der Täter aber nicht, sondern gestand.

Obendrein wiesen ihm die Fahnder nach, dass er sich im Darknet sogar für eine spätere Lieferung von Schalldämpfern erkundigte. "Und im Mietauto, mit dem er zur Abholung kam, hatte er einen so genannten Jammer", so die Zeugin. Mit dem Gerät werden GPS-Daten, die das Mietauto eigentlich sendet, zerstört, so dass das Fahrzeug nicht verfolgt werden könnte.

Bei der Hausdurchsuchung fanden sich nicht nur die 50 illegelen Patronen, sondern noch fast 1000 widerlichste Kinderporno-Datein. Fotos und Videos die den brutalen Missbrauch unter anderem von Babys zeigen.

Seinen Job ist der bislang nicht vorbestrafte Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes nun los. Und der Richter verurteilte ihn am Donnerstag zu zwei Jahren und vier Monaten Gefängnis.

Titelfoto: Ove Landgraf


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