Fremdenfeindlichkeit in Sachsen noch immer stark vertreten

Roland Löffler, Chef der Landeszentrale für politische Bildung, sorgt sich um das weit verbreitete extrem rechte Denken.
Roland Löffler, Chef der Landeszentrale für politische Bildung, sorgt sich um das weit verbreitete extrem rechte Denken.

Dresden - Menschen- und fremdenfeindliche Einstellungen sind im Freistaat weiterhin stark vertreten. Und das, obwohl die Sachsen ihre eigene Lebenssituation positiv bewerten. Das ist ein Ergebnis des neuen "Sachsen- Monitors" im Auftrag der Staatsregierung.

Das Institut dimap hat im Sommer mittels persönlicher Interviews politische Einstellungen und ihre Haltung zur Demokratie bei 1006 repräsentativ ausgewählten Sachsen abgefragt.

77 Prozent bewerten ihre eigene wirtschaftliche Situation als gut. Fast ebenso viele blicken optimistisch in die Zukunft. Reinhard Schlinkert von dimap: "Das sind sehr, sehr positive Zahlen." Trotzdem hegen sie weiter Ressentiments: Mehr als die Hälfte hält Deutschland etwa für gefährlich "überfremdet".

Auch andere Faktoren der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit sind weiter stark vertreten (siehe Tabelle). Die Asylpolitik und "Überfremdung" wird auch am häufigsten als "wichtigstes Problem in Sachsen" genannt.

Meinungsforscher Reinhard Schlinkert hat im Auftrag der Staatsregierung 1006 Sachsen befragen lassen.
Meinungsforscher Reinhard Schlinkert hat im Auftrag der Staatsregierung 1006 Sachsen befragen lassen.

Gleichzeitig ist im Vergleich zum Vorjahr das Vertrauen in die Demokratie und staatliche Institutionen gestiegen. Deutliche Skepsis gegenüber Parteien und Behörden bleiben aber.

Ambivalent sind Ergebnisse zur Wiedervereinigung. 87 Prozent meinen, man könne auf das Erreichte stolz sein. 58 Prozent (+11) finden aber, dass vielfach neues Unrecht geschaffen wurde. 44 Prozent sehen sich als "Bürger zweiter Klasse".

Roland Löffler (47), Chef der Landeszentrale für politische Bildung und des Monitor-Beirats: "Die Zustimmung zu extrem rechten Gedankengut ist weiter hoch." Das bereite Grund zur Sorge. Ablehnung von Minderheiten sei in hohem Maße mit dem Gefühl der Benachteiligung verbunden.

Staatskanzleichef Fritz Jaeckel (54, CDU): "Wir dürfen nicht nachlassen in unserem Bemühen, Extremismus zurückzudrängen und die Menschen für das freiheitliche und demokratische Gemeinwesen zu gewinnen."

Noch immer läuft PEGIDA durch Dresden. Nationalistisches, ausländerfeindliches Denken ist weit verbreitet.
Noch immer läuft PEGIDA durch Dresden. Nationalistisches, ausländerfeindliches Denken ist weit verbreitet.  © dpa/Arno Burgi
Die meisten Sachsen finden, dass es ihnen wirtschaftlich gut geht und blicken optimistisch in die Zukunft.
Die meisten Sachsen finden, dass es ihnen wirtschaftlich gut geht und blicken optimistisch in die Zukunft.  © 123RF

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