Giftmüll aus aller Welt landet auf Sachsens "verplanten" Deponien!

Dresden - Wird Sachsen zum Giftmüll-Klo Europas? Die Einfuhr gefährlicher Abfälle aus dem Ausland und anderen Bundesländern erreichte 2018 den Spitzenwert von 1,2 Millionen Tonnen. Diese Zahl gab Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) nach einer Anfrage des Abgeordneten Volkmar Zschocke (Grüne) bekannt. Der wirft dem Freistaat permanentes Überwachungsversagen vor.

Schon seit etlichen Jahren landet auf der Deponie Cröbern bei Leipzig auch italienischer Müll.
Schon seit etlichen Jahren landet auf der Deponie Cröbern bei Leipzig auch italienischer Müll.  © dpa/Waltraud Grubitzsch

Giftschlämme, Asbest, kontaminierte Böden, Farben und Lacke - das ist nur ein kleiner Teil der Sondermüll-Palette, die bei einer Vielzahl sächsischer Entsorger landet. Erhebliche Mengen gehen dabei auf die Deponien Cröbern (bei Leipzig) und Wetro (bei Bautzen).

Sobald in Abfällen Schadstoffe enthalten sind, müssen sie der Kreislaufwirtschaft entzogen werden. Doch warum werden sie ausgerechnet nach Sachsen gekarrt?

Zschocke: "Sachsens Deponien und Abfallanlagen sind überdimensioniert und brauchen Müll, um möglichst profitabel zu arbeiten." Sie wurden in den 90er-Jahren am regionalen Bedarf vorbeigebaut und wirken jetzt wie ein Magnet für Sondermüll - auf Kosten der Steuerzahler, Anwohner und der Umwelt.

Den größten Sondermüll-Berg versetzen die Italiener nach Sachsen - 222.000 Tonnen waren es im vergangenen Jahr.

Es folgen Österreich (62.000), Luxemburg (22.000) und Griechenland (21.000 Tonnen). Aber selbst aus Brasilien, Singapur und von der Elfenbeinküste landet gefährlicher Abfall in Sachsen. Aus Deutschland kippen die Bayern mit 188.000 Tonnen den meisten gefährlichen Müll bei uns ab.

In Thüringen fielen immer wieder mangelhafte Asbest-Transporte aus Italien nach Sachsen auf - in Sachsen selbst nie. Volker Zschocke: "Hier liegen organisatorische Defizite bei der Abfallüberwachung vor. Es gibt fast keine behördliche Kontrollen der Fracht, sondern nur Eingangskontrollen der Deponiebetreiber." Er schlägt die Einrichtung einer staatlichen Sonderabfall-Agentur vor.

Viel Dreck machen wir aber auch selbst

Erst aus der Luft erkennt man das ganze Ausmaß der riesigen "Zentral-Deponie Cröbern".
Erst aus der Luft erkennt man das ganze Ausmaß der riesigen "Zentral-Deponie Cröbern".

Beim Giftmüll agiert Sachsen nicht gerade als Umweltengel. Und wenn man den Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid betrachtet, ist der Freistaat auf der Europakarte besonders dunkel eingefärbt. Eine Brüsseler Denkfabrik hat anhand von Daten der EU-Kommission ermittelt, welches die zehn Unternehmen mit dem größten CO2-Ausstoß sind - vier davon sind im mitteldeutschen oder Lausitzer Kohlerevier.

Die beiden sächsischen Kraftwerke Lippendorf (12 Millionen Tonnen) und Boxberg (10 Mio. Tonnen) landen auf Platz sieben und neun im Europa-Ranking. Die brandenburgischen Heizer Jänschwalde (Platz vier) und Schwarze Pumpe (Platz sechs) sind mit zusammen 35 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr dabei.

Größte Treibhaus-Schleuder Europas ist das Kraftwerk Belchatow im benachbarten Polen (38 Mio. Tonnen). Auf Platz zehn landet das erste Unternehmen, das nicht Kohle verheizt: der irische Billigflieger Ryanair.

Der Grünen-Landtagsabgeordnete Volkmar Zschocke (50) kritisiert, dass der importierte Müll zu wenig kontrolliert wird.
Der Grünen-Landtagsabgeordnete Volkmar Zschocke (50) kritisiert, dass der importierte Müll zu wenig kontrolliert wird.  © Holm Helis
Umweltminister Thomas Schmidt (58, CDU) trägt die politische Verantwortung für die Abfallüberwachung.
Umweltminister Thomas Schmidt (58, CDU) trägt die politische Verantwortung für die Abfallüberwachung.  © dpa/Sebastian Kahnert
Auch das Braunkohlekraftwerk Nochten ist unter den Top Ten der europäischen CO²-Dreckschleudern.
Auch das Braunkohlekraftwerk Nochten ist unter den Top Ten der europäischen CO²-Dreckschleudern.  © imago/alimdi

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