Narren, Tote, Singles: Der 11.11. ist ein Tag wie kein anderer!

Dresden - Liegt es an der Symbolik der Zahlen oder ist es purer Zufall? Fest steht: Wohl kein anderer Tag des Jahres wird weltweit aus so unterschiedlichen Gründen gefeiert wie der heutige 11. November. Während einem hierzulande der Martinstag und der Karnevalsauftakt einfallen, wird anderswo der Kriegstoten gedacht, feiern Alleinstehende oder wird der Bildung, Unabhängigkeit oder der Verfassung gedacht. Wie heißt es so schön: Was dem einen seine Eule, ist dem anderen seine Nachtigall.

Martinstag

Heute vor 1621 wurde Bischof Martin von Tours in der gleichnamigen französischen Stadt beerdigt. Für die Katholiken ist er der heilige St. Martin. Doch auch Protestanten, Anglikaner und Orthodoxe verehren den Mann. Dessen Lebenslauf ist äußerst prall, zumal für die damalige Zeit.

Martin wurde im heutigen Ungarn geboren, verbrachte seine Jugend in Oberitalien. Da sein Vater römischer Offizier war, musste auch der Junge eine Militärlaufbahn einschlagen. Mit 15 Jahren diente er in der Leibwache des Kaisers, musste später in Gallien und gegen die Germanen kämpfen. Vor einer Schlacht in der Nähe von Worms verweigerte Martin den Kampf mit der Begründung, von nun an ein Soldat Christi zu sein. Tatsächlich wurde er aber erst mit 40 Jahren aus dem Heerdienst entlassen.

Zuvor hatte sich noch die bekannteste Episode aus seinem Leben ereignet: Als Martin einen frierenden Bettler sah, zerschnitt er seinen weiten Mantel und teilte ihn mit dem Mann. Eine weitere Legende: Als Martin zum Bischof ernannt werden sollte, hielt er sich für unwürdig und versteckte sich in einem Gänsestall. Das schnatternde Federvieh verriet ihn, die Kirchen-Karriere nahm ihren Lauf. Martinsumzüge und Martinsgänse erinnern heute noch an den bescheidenen Schutzpatron der Reisenden und Armen. Martin starb mit 81 Jahren.

Große Geste: Martin verschenkt sein halbes Cape.
Große Geste: Martin verschenkt sein halbes Cape.  © image courtesy National Gallery of Art

Karnevalsauftakt

Hilfe und Helau - die Narren kommen! Warum der allgemeine Froh- und Unsinn des Karnevals seit dem 19. Jahrhundert ausgerechnet am 11.11. um 11.11 Uhr ausbricht, weiß niemand mehr so genau. Manche meinen, dass die Zahl Elf in christlichen Regionen als besonders närrisch galt, denn anders als die Zehn (Gebote) oder Zwölf (Apostel) hatte sie keine biblische Erwähnung.

Andere Quellen weisen auf eine frühere Fastenzeit auch vor Weihnachten hin. Um also letzte Vorräte an Schmalz, Eiern und Fleisch vorher noch mal ordentlich zu "verbraten", wurde geprasst - und das bei bester Laune! Besonders in den Karnevalshochburgen am Rhein (Köln, Düsseldorf, Bonn) und in Mainz geht es heute wieder hoch her. Aber auch in Sachsen wird mancher Rathausschlüssel in Narrenhände übergeben.

Häppchen, Hütchen, tralala: Warum bloß ist Karneval nicht jedermanns Sache?
Häppchen, Hütchen, tralala: Warum bloß ist Karneval nicht jedermanns Sache?  © imago/Gerhard Leber

Totengedenken

Weil nach dem blutigen Ersten Weltkrieg am 11. November 1918 endlich die Waffen schwiegen, wird seit 1919 bei Briten und Amerikanern an diesem Datum der Opfer gedacht. In Großbritannien werden dazu gegen 11 Uhr zwei Schweigeminuten abgehalten.

Hier und in vielen Commonwealth-Ländern (Australien, USA, Südafrika usw.) ist der Tag als Remembrance-Day ("Tag des Gedenkens") bekannt. In Anlehnung an ein Gedicht, das die Mohnblumen auf Flanderns Feldern mit dem Blut getöteter Soldaten in Verbindung bringt, ist auch vom "Poppies-Day" die Rede.

In den Vereinigten Staaten wird der 11. November seit 1954 "Veterans Day", also "Veteranentag" genannt (vorher: "Armistice-Day" - Waffenstillstandstag). Für Angestellte von Bundesbehörden ist der Tag in der Regel arbeitsfrei. Auch in Frankreich und Belgien, wo der Krieg vornehmlich tobte, ist der 11. November allgemeiner Feiertag.

Heute vor hundert Jahren endete der Erste Weltkrieg. Am 11. November wird in vielen Ländern der Opfer gedacht.
Heute vor hundert Jahren endete der Erste Weltkrieg. Am 11. November wird in vielen Ländern der Opfer gedacht.  © imago/Levine-Roberts

Tag der Singles

Was 1993 an einer Universität im chinesischen Nanjing aus einer Laune heraus entstand, ist im Reich der Mitte heute ein Riesengeschäft. Der "Singles-Day" (Tag der Alleinstehenden), offenbar wegen der vielen Einsen im Datum so benannt, wird heute landesweit gefeiert. Universitäten bieten Veranstaltungen an, bei denen einsame Herzen sich kennenlernen können. Blind-Date-Partys sind populär.

Und auch die Wirtschaft hat den Tag für sich entdeckt: Durch gezielte Werbung und das Ködern mit Schnäppchen wurde der 11. November zum größten Online-Shopping-Tag der Welt. Allein die Alibaba-Gruppe (eine Art chinesisches "Amazon") vermeldete vor zwei Jahren umgerechnet knapp 18 Milliarden US-Dollar Umsatz.

Vor allem im Internet, aber auch in Chinas Einkaufszentren wird am 11.11. viel geshoppt.
Vor allem im Internet, aber auch in Chinas Einkaufszentren wird am 11.11. viel geshoppt.  © imago/Xinhua

Und es gibt noch mehr zu feiern...

  • In Polen wird heute der Unabhängigkeit des Landes gedacht. Nachdem das Land lange von der Landkarte verschwunden war, wurden die Polen am 11. November 1918 wieder ein Staat.
  • In Angola feiert man ebenfalls die Unabhängigkeit, in die die frühere portugiesische Kolonie 1975 entlassen wurde.
  • Bhutan feiert heute den Verfassungstag. Gleichzeitig ist es der Geburtstag des vorangegangenen Königs Jigme Singye Wangchuck. Der hatte dem Himalaya-Staat besagte Verfassung verpasst, ehe er 2006 den Thron für seinen Sohn freimachte.
  • In Indien wird heute der "Nationale Bildungstag" gefeiert. Das Datum entspricht dem Geburtstag des ersten Bildungsministers nach der Unabhängigkeit.
  • In Japan und Korea werden heute überall mit Schokolade überzogene Knabberstangen verschenkt. Deren Form erinnert an die Einsen im Datum.

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