Steuert das Rathaus Dresden ins Parkplatz-Chaos?

Dresden - Dresden wächst. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Parkplätze. Obendrauf will Dresden eine neue Stellplatzverordnung beschließen. Für Neubauten müssen dann deutlich weniger Pkw-Stellplätze geschaffen werden. Steuert Dresden so bewusst ins Parkplatz-Chaos?

Wer in der Neustadt einen Parkplatz sucht, muss bereits jetzt ordentlich kurven.
Wer in der Neustadt einen Parkplatz sucht, muss bereits jetzt ordentlich kurven.  © Holm Helis

Die Fakten: In den nächsten zwölf Jahren wächst die Landeshauptstadt um 30.000 Einwohner. Weil Dresden kaum noch Baugebiete am Stadtrand ausweist, werden die meisten davon in eine stärker verdichtete Innenstadt ziehen.

Gleichzeitig verschwinden Parkplätze und Garagenhöfe. Allein für die neue Woba WiD müssen 266 Garagen weg. Aktuell entstehen an der Wallstraße Hunderte Wohnungen. Im Gegenzug fielen öffentliche Stellplätze weg.

Dennoch will die Verwaltung am Donnerstag im Stadtrat eine Satzung beschließen lassen, die wesentlich weniger neue Stellplätze zur Folge haben wird. Bisher galt: pro neu gebauter Wohnung müssen ein bis zwei Stellplätze geschaffen werden. Oft orientierte sich die Stadt am Maximum.

Zukünftig soll gelten: Ein Stellplatz pro Wohnung. Zudem gibt es Erleichterungen: Für jede Sozialwohnung müssen rechnerisch nur 0,6 Stellplätze geschaffen werden.

Bei 1282 Sozialwohnungen, die in den nächsten Jahren entstehen werden, müssen also nur 769 Stellplätze her. Jeder Car-Sharing-Platz ersetzt fünf reguläre Stellflächen.

Für FDP-Chef Holger Zastrow (49) ein Unding. "Der Plan ist eine politisch motivierte Fehlentscheidung. Diese falsche Weichenstellung wird zu einer Parkplatznot mit Ansage führen."

Die Stadt begründet mit einem geänderten Mobilitätsverhalten. "Gerade in den Innenstädten und bei der jüngeren Generation verzichten viele auf ein eigenes Auto", so Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (41, Grüne).

Die Anzahl an Stellplätzen könne daher um bis zu 35 Prozent reduziert werden. Baukosten und damit die Mieten würden sinken. Die Gefahr einer größeren Parkplatznot sieht er nicht.

Bauherren müssen bald weniger Stellplätze nachweisen. Droht Dresden jetzt eine noch größere Parkplatznot?
Bauherren müssen bald weniger Stellplätze nachweisen. Droht Dresden jetzt eine noch größere Parkplatznot?  © Steffen Füssel
Weil sich das Mobilitätsverhalten ändert, braucht es weniger Stellplätze, sagt Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (41, Grüne).
Weil sich das Mobilitätsverhalten ändert, braucht es weniger Stellplätze, sagt Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (41, Grüne).  © Thomas Türpe
Befürchtet einen politisch motivierten Parkplatzmangel: FDP-Chef Holger Zastrow (49).
Befürchtet einen politisch motivierten Parkplatzmangel: FDP-Chef Holger Zastrow (49).  © Steffen Füssel
Für Neubaugebiete, wie hier oberhalb des Alaunparks, müssten zukünftig weniger Stellplätze gebaut werden.
Für Neubaugebiete, wie hier oberhalb des Alaunparks, müssten zukünftig weniger Stellplätze gebaut werden.  © Holm Helis

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