In Sachsen steckt jede Menge Weltkulturerbe

Die Porzellanmalerei der Porzellan-Manufaktur in Meißen ist noch echte Handarbeit.
Die Porzellanmalerei der Porzellan-Manufaktur in Meißen ist noch echte Handarbeit.

Dresden - Sachsen hat mit dem Muskauer Park nur ein UNESCO-Weltkulturerbe vorzuweisen. Dafür gibt es umso mehr Traditionen hierzulande, die es auf die bundesweite Liste des immateriellen Kulturerbes geschafft haben. Neu dabei sind die Bergparaden in Sachsen, der Blaudruck und die Porzellanmalerei, an denen auch der Freistaat Anteil hat.

Porzellanmalerei

Das erste europäische Porzellan wurde 1708 in Sachsen hergestellt. Da ist es kein Wunder, dass sich auch eine der drei wichtigsten Manufakturen Deutschlands im 18. Jahrhundert im Freistaat gründete und bis heute aktiv ist - die Staatliche Porzellan-Manufaktur Meißen. Wie auch die Porzellanmanufaktur des Bayerischen Königshauses in Nymphenburg und die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM) pflegt sie traditionelle Dekore und Techniken wie die Porzellanmalerei.

So werden alle Erzeugnisse von Hand bemalt und die verwendeten Farben eigens hergestellt und gemischt. Die Herstellung des Porzellans kann schon mal mehrere Monate in Anspruch nehmen. Dafür ist jedes Stück ein Unikat und mit der Handschrift des jeweiligen Malers versehen.

Diese Malerzeichen ermöglichen es, auch später noch Ergänzungsteile anfertigen zu lassen.

Bei den Bergparaden marschieren die Mitglieder der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine in den traditionellen Trachten.
Bei den Bergparaden marschieren die Mitglieder der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine in den traditionellen Trachten.  © DPA / Hendrik Schmidt

Bergparaden

"Glück auf!" - bis heute ist der Gruß der Bergleute allgegenwärtig. Prägte der Bergbau Sachsen doch maßgeblich über viele Jahrzehnte. Auch die Bergparaden stammen aus dieser Epoche. Heute kennt man sie vor allem aus der Vorweihnachtszeit. Dabei stehen Tausende Zuschauer am Straßenrand, während die Akteure in historischen Uniformen der verschiedenen Brüder- und Knappschaften unter musikalischer Begleitung der Berg- und Hüttenkapellen vorbeiziehen.

Schon seit dem 17. Jahrhundert finden die Bergparaden zu unterschiedlichen Anlässen statt, vor allem aber um die Obrigkeit zu ehren oder die Interessen der Bergknappschaften durchzusetzen. Der historische Ursprung liegt wohl in gemeinsamen Kirchgängen.

Etwa 3.000 Mitglieder in 62 Mitgliedervereinen im Sächsischen Landesverband der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine pflegen heute diese Tradition.

So sieht ein Blaudruck aus Pulsnitz aus.
So sieht ein Blaudruck aus Pulsnitz aus.  © DPA/ Oliver Killig

Blaudruck

Beim Blaudruck entsteht ein weißes Muster auf blauem Grund. Dies wird erreicht, indem der Papp, eine farbabweisende Masse, auf die Stoffe aufgetragen wird.

An diesen Stellen wird später im Färbebad die Farbe nicht angenommen.

Dadurch entstehen die typischen weißen Muster, die mittels Schablonen zum Beispiel oft den Granatapfel, Pfauenfedern oder Streublumen zeigen.

Die ältesten Druckformen stammen aus der Zeit um 1700.

In Europa wurde das Blaudruckverfahren jedoch erst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts eingeführt. Zusammen mit der Indigo-Färberpflanze brachten Reisende der Niederländischen Ostindien-Kompanie das Verfahren mit. Bereits im 18. und 19. Jahrhundert war der Blaudruck in Mitteleuropa weit verbreitet. Heute gibt es hingegen nur noch wenige Blaudruckwerkstätten in Deutschland, so zum Beispiel in Pulsnitz oder Coswig.

Instrumentenbau ist im Vogtland Tradition.
Instrumentenbau ist im Vogtland Tradition.  © DPA/Wolfgang Thieme

Die Top 10 im Freistaat

Insgesamt 68 Einträge umfasst die bundesweite Liste des immateriellen Kulturerbes. Für Sachsen finden sich aktuell zehn Einträge darauf, unter anderem die sächsischen Knabenchöre, im speziellen der Thomanerchor in Leipzig, der Dresdner Kreuzchor sowie die Dresdner Kapellknaben.

Auch der vogtländische Instrumentenbau in Markneukirchen und Umgebung ist seit 2014 vertreten, ist die Tradition doch etwa 350 Jahre alt. Rund 1 300 Handwerker in mehr als 100 Werkstätten üben dieses Handwerk im vogtländischen Musikwinkel aus.

Ebenfalls vertreten ist der Freistaat an länderübergreifenden Einträgen wie der Chormusik in deutschen Amateurchören, gesellschaftlichen Bräuchen und Festen der Lausitzer Sorben im Jahreslauf sowie dem Köhlerhandwerk und der Teerschwelerei.

Gleiches gilt für die Genossenschaftsidee, die inzwischen sogar als immaterielles UNESCO-Kulturerbe der Welt gilt. Auch den Blaudruck hat die deutsche UNESCO-Kommission für die „Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes“ nominiert, die Kulturgüter aus aller Welt umfasst.

Bis zum 30. Oktober 2017 läuft nun die dritte Vorschlagsrunde für das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes.

Infos unter:

www.unesco.de/kultur/immaterielles-kulturerbe.html.

Auch die Sorben, hier beim traditionellen Osterreiten, sind mit ihren Bräuchen auf der Liste vertreten.
Auch die Sorben, hier beim traditionellen Osterreiten, sind mit ihren Bräuchen auf der Liste vertreten.
Seit 800 Jahren gibt es den Dresdner Kreuzchor. Deshalb zählt er zum immateriellen Kulturerbe.
Seit 800 Jahren gibt es den Dresdner Kreuzchor. Deshalb zählt er zum immateriellen Kulturerbe.  © DPA

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