Unsere Wochenmärkte: Zeitgeist oder Auslaufmodell?

Dresden - Konkurrenz, Nachwuchsprobleme, alternde Kundschaft: Gehören Händler, die von Markt zu Markt ziehen, zu einer aussterbenden Zunft? Oder verkörpern sie mit ihren regionalen, saisonalen Produkten - oft ohne Verpackungsmüll - doch eher den Zeitgeist?

Frisches Obst und Gemüse bietet Katja Hecht auf dem Markt feil. Die 33-Jährige ist Inhaberin eines Gartenbaubetriebes.
Frisches Obst und Gemüse bietet Katja Hecht auf dem Markt feil. Die 33-Jährige ist Inhaberin eines Gartenbaubetriebes.  © Norbert Neumann

Die Deutsche Marktgilde ist sich sicher: Auch in 20 bis 50 Jahren wird es noch klassische Wochenmärkte geben. "Händler zieht es vor allem in große Städte, dort gibt's mehr Kunden und demzufolge Umsatz", sagt die Chefin der Dresdner Wochenmärkte, Madeleine Megyesi-Lukaß (42). Mit zehn Märkten sei Dresden das Aushängeschild der Marktgilde.

So rund, wie die Märkte in Dresden auch laufen mögen - die Händler haben zu kämpfen. "Viele gehen in Rente, selbst gut eingeführte Marktgeschäfte finden keine Nachfolger."

Denn: Das Händlerdasein ist ein Knochenjob für Frühaufsteher. Hinzu kommen die Supermärkte: "Die machen teilweise aggressive Werbung, dass alles 'frisch wie vom Markt' sei", so Megyesi-Lukaß.

Die Händler allerdings sind mit ihren Umsätzen vor Ort zufrieden. "Sonst würde ich das ja nicht machen", sagt Obsthändler Jan Q. (38), der seinen vollen Namen nicht nennen möchte.

Seit fünf Jahren ist er im Geschäft. Als er letzten Dienstag mittags am Schillerplatz stand, war er schon fast zehn Stunden auf den Beinen. "Ich mag die Kombination aus körperlicher Arbeit und Buchhaltung - das macht mich glücklich."

Der Sachsenmarkt an der Lingnerallee ging aus dem sogenannten Forum-Markt hervor. Dieser wurde nach der deutschen Wiedervereinigung von der Bürgerbewegung "Neues Forum" ins Leben gerufen, um regionalen Produkten zu einer Chance zu verhelfen.
Der Sachsenmarkt an der Lingnerallee ging aus dem sogenannten Forum-Markt hervor. Dieser wurde nach der deutschen Wiedervereinigung von der Bürgerbewegung "Neues Forum" ins Leben gerufen, um regionalen Produkten zu einer Chance zu verhelfen.  © Norbert Neumann

Mit 160 Händlern ist der Sachsenmarkt an der Lingnerallee Dresdens größter und beliebtester Wochenmarkt. Händler müssen sich auf Wartelisten eintragen, um einen der Standplätze zu ergattern.

Einer, der seit der Eröffnung 1991 dabei ist, ist Jens Hauptmann (38). Damals ging sein Vater mit Schnittblumen, Obst und Gemüse an den Start - so wie er heute noch.

Hauptmann weiß: "Der Markt lebt von den älteren Kunden - allerdings merkt man, dass die Nachfrage nach regionalen Produkten bei jungen Leuten steigt."

Die Deutsche Marktgilde sieht allerdings auch die Notwendigkeit zum Wandel: "Immer wieder kommt das Thema mit den Öffnungszeiten auf den Tisch, während der Marktzeit sind die meisten Leute arbeiten", sagt Madeleine Megyesi-Lukaß.

Übrigens: Ab kommender Woche gelten in Dresden wieder die üblichen Öffnungszeiten der Märkte. Weitere Infos: www.dresden.de

Die Chefin der Dresdner Wochenmärkte, Madeleine Megyesi-Lukaß (42), macht sich keine großen Sorgen um die Zukunft der Wochenmärkte.
Die Chefin der Dresdner Wochenmärkte, Madeleine Megyesi-Lukaß (42), macht sich keine großen Sorgen um die Zukunft der Wochenmärkte.  © Norbert Neumann
Obsthändler Jan (38) steht bei Wind und Wetter auf dem Markt, um frisches Obst an den Mann und die Frau zu bringen.
Obsthändler Jan (38) steht bei Wind und Wetter auf dem Markt, um frisches Obst an den Mann und die Frau zu bringen.  © Eric Münch
Auf dem Wochenmarkt Alaunplatz offeriert Doreen Gäbisch Kaffeespezialitäten. Gemeinsam mit ihrem Mann betreibt sie Radebeuls einzige Kaffeerösterei "Le Tub".
Auf dem Wochenmarkt Alaunplatz offeriert Doreen Gäbisch Kaffeespezialitäten. Gemeinsam mit ihrem Mann betreibt sie Radebeuls einzige Kaffeerösterei "Le Tub".  © Holm Helis

Titelfoto: Norbert Neumann, Eric Münch