Wow! Die älteste Bewohnerin Dresdens wird 108

Dresden - Lisbeth Exner (107) ist Dresdens älteste Bewohnerin. Sie wurde geboren, bevor die Titanic vom Stapel lief, überstand Kriege und Diktaturen. Am Sonntag feiert die hochbetagte Seniorin ihren 108. Geburtstag. Mit TAG24 sprach sie über ihre Wünsche für die Zukunft.

TAG24-Reporter Hermann Tydecks (35) befragt die älteste Dresdnerin, Lisbeth Exner (107), kurz vor ihrem Geburtstag.
TAG24-Reporter Hermann Tydecks (35) befragt die älteste Dresdnerin, Lisbeth Exner (107), kurz vor ihrem Geburtstag.  © Steffen Füssel

"Sie wissen ja", sagt Lisbeth, "schlecht hören tue ich gut. Aber gut sehen tue ich schlecht" - ihren Humor hat sie nicht verloren. "Ich habe noch einen klaren Kopf. Aber meine Kräfte haben nachgelassen. Ich brauche jetzt öfter die Hilfe der Betreuer." Lisbeth lebt in der DRK-Seniorenwohnanlage an der Yenidze, fühlt sich hier wohl, auch wenn sie über 400 Euro mehr im Monat für den Pflegeplatz bezahlen muss, dafür auf Erspartes zurückgreift.

Gegen acht Uhr steht sie auf. Zum Frühstück isst sie "am liebsten vier Scheiben Knäckebrot mit Butter und ein Schälchen Joghurt", dazu Tee und ein Tässchen Kaffee: "Schwarz. Mit Milch wird er zu schnell kalt."

Zurück auf ihrem Einzelzimmer hält sie im Rollstuhl "ein Nickerchen vor der Heizung" - ihrem Lieblingsplatz. Auch nach dem Mittagessen ("schmeckt durchweg") hält sie ein Nickerchen: "Was soll ich denn sonst machen? Ich sehe fast nichts, kann nicht mehr stricken."

Wichtige Abwechslung bringen die Betreuer mit Zeitungsschau und Singestunde im Gemeinschaftsraum mit Gitarrenbegleitung. Lisbeth mag die alten Volkslieder ("Wenn alle Brünnlein fließen"). 15, manchmal auch 30 Minuten verbringt sie schöne Zeit auf ihrem Zimmer mit einer Betreuerin: "Wir spielen Städte-, Blumen- oder Namenraten." Einmal die Woche kommt eine Bekannte aus der Morgenpost vorlesen.

Am morgigen Sonntag wird Lisbeth Exner stolze 108 Jahre alt.
Am morgigen Sonntag wird Lisbeth Exner stolze 108 Jahre alt.  © Steffen Füssel

Täglich klingelt ihr Telefon, meist ist es die Familie, Lisbeth hat sechs Enkel und zehn Urenkel. Raus kommt sie nur selten, vor allem im Winter.

"Im Sommer fuhren wir im Doppeldecker zur Stadtrundfahrt. Es sieht alles anders aus, als ich es in Erinnerung habe. Bin ja 1928 mit 17 Jahren nach Dresden gekommen." Sie erinnert sich an die Mohren-Apotheke am Pirnaischen Platz, an eine Rösterei um die Ecke, wo sie Kaffee geholt hatte.

Besuch bekommt sie nicht so häufig: "Die meisten Bekannten sind leider alle weggestorben. Ich hätte nicht gedacht, dass ich so alt werde." Wie sie so ein biblisches Alter erreichen konnte? "Ich habe nicht geraucht, wenig Alkohol getrunken. Bin gern in der Sächsischen Schweiz gewandert. Habe viel selbst gekocht, Erdbeeren aus dem eigenen Garten geerntet." Lisbeth ist bescheiden, führte ein einfaches Leben: "Das wichtigste war, dass täglich Brot auf den Tisch kam, vor allem nach dem Krieg."

"Der Turm soll wieder öffnen", wünschte sich Lisbeth zum 107. Geburtstag. In wenigen Jahren könnten nun tatsächlich wieder Leute auf dem Fernsehturm stehen. "Das werde ich wohl nicht mehr erleben. Aber ich habe es mit angeregt", schmunzelt sie. Ins Bett geht Lisbeth "nicht vor um elf", lässt abends den Fernseher laufen, hört so Blasmusik und regelmäßig Nachrichten. Da fällt ihr auch noch ein Wunsch für die Zukunft ein: "Dass sich die Menschen mehr vertragen. Sich wieder die Hand reichen ..."

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