Unser künftiger Ministerpräsident: Herr Kretschmer, stört es Sie, dass Sie niemand kennt?

Stanislaw Tillich (58, CDU) hatte Kretschmer als Wunsch-Nachfolger vorgeschlagen. Nicht alle in der CDU waren begeistert.
Stanislaw Tillich (58, CDU) hatte Kretschmer als Wunsch-Nachfolger vorgeschlagen. Nicht alle in der CDU waren begeistert.  © dpa/Sebastian Kahnert

Dresden – Wechsel an der Spitze des Freistaats: Am Sonnabend soll Michael Kretschmer (42) zum CDU-Chef, am Mittwoch zum Ministerpräsident gewählt werden und damit auf Stanislaw Tillich (58, CDU) folgen. TAG24 verriet Kretschmer, was er plant und was in Sachsen künftig anders laufen soll.

TAG24: Wie groß ist der Druck?

Michael Kretschmer: Die Leute haben eine ganz große Erwartung, dass es jetzt Bewegung gibt. Diese Erwartungen haben sie zum großen Teil an mich. Ich glaube, dass ich dem gerecht werden kann, weil ich mir viele Gedanken gemacht und viele Gespräche geführt habe.

TAG24: Als Ministerpräsident wird ihr Privatleben umgekrempelt.

Michael Kretschmer: Ich hoffe, dass sich mein Leben nicht umkrempelt. Ich habe immer sehr viel gearbeitet, war auch immer eine öffentliche Person. Ich möchte trotzdem mein Kind in den Kindergarten bringen können.

TAG24: Viele Sachsen kennen Sie nicht. Ist das ein Problem?

Michael Kretschmer: Niemand wird als Ministerpräsident geboren. Man muss in diese Arbeit reinkommen. Und durch die Arbeit kommt dann auch die Bekanntheit, nach der ich nicht heische. Mir geht es jetzt darum, das zu tun, was wirklich wichtig ist. Und darum, nach meiner Wahl ein Kabinett mit Menschen aufzustellen, die Akzente setzen wollen.

Michael Kretschmer im Gespräch mit TAG24-Redakteurin Juliane Morgenroth.
Michael Kretschmer im Gespräch mit TAG24-Redakteurin Juliane Morgenroth.  © Eric Münch

TAG24: Was zeichnet Sie für dieses Amt aus?

Michael Kretschmer: Auch wenn ich jung bin, habe ich sehr viel Erfahrung. Ich habe eine klare Vorstellung davon, was jetzt zu tun ist.

TAG24: Und das wäre? Wo ist Ihre Handschrift?

Michael Kretschmer: Ich möchte möglichst viele mitnehmen. Zuhören und verstehen, was andere bewegt. Man kann das unter die Überschrift stellen "Zusammenhalt der Gesellschaft". Ich bin niemand, der den ländlichen Raum als schrumpfende Region sieht, wo die Angebote reduziert werden. Ich sehe ihn als Zukunftsregion, ich möchte ihn auch so entwickeln.

TAG24: Also ein Ende der Leuchtturmpolitik?

Michael Kretschmer: Ja, wenn man es auf den Punkt bringen will.

TAG24: Die Spar-Politik von Minister Unland sorgte immer für Kritik. Geht es so weiter?

Michael Kretschmer: Finanzpolitik ist kein Selbstzweck, sondern dient der Gestaltung von Politik. Wir dürfen aber keine Schulden machen. Und trotzdem müssen wir in die Zukunft investieren. Und, wir werden auch in Zukunft einen Finanzminister haben, der ein „harter Knochen“ ist.

Obwohl er schon lange politische Spitzenjobs hat, kennen ihn viele Sachsen nicht: Im Falle seiner Wahl wäre Michael Kretschmer (42, CDU) der jüngste Ministerpräsident Deutschlands.
Obwohl er schon lange politische Spitzenjobs hat, kennen ihn viele Sachsen nicht: Im Falle seiner Wahl wäre Michael Kretschmer (42, CDU) der jüngste Ministerpräsident Deutschlands.  © DPA

TAG24: Der Kultusminister will die Verbeamtung der Lehrer. Und Sie?

Michael Kretschmer: Ich habe mal gesagt, dass wir froh sind, dass Sachsen die wenigsten Beamten je 1000 Einwohner hat. Das ist und bleibt richtig. Auf der anderen Seite können sich Lehrer das Bundesland aussuchen, wo sie hingehen. Ein großer Teil der jungen Leute möchte den Beamtenstatus. Also müssen wir uns auf sie zubewegen.

TAG24: Also Verbeamtung?

Michael Kretschmer: Ich bin nicht im Amt, ich bin auch nicht Mitglied der Landtagsfraktion und deswegen will ich jetzt keine Festlegung treffen. Der Minister hat eine Richtung beschrieben. Wir werden einen tragfähigen Vorschlag machen.

TAG24: Bei der Bundestagswahl haben Sie das Direktmandat in Görlitz an die AfD verloren. Können Sie dem auch etwas Positives abgewinnen?

Michael Kretschmer: Auch ich habe Fehler gemacht. Statt Lösungen anzubieten, habe auch ich oft über die Unmöglichkeit einer Lösung gesprochen. Man kann die Menschen so aber nicht zurücklassen, obwohl sie diese Sorgen haben. Das werde ich in Zukunft bestimmt anders machen.

TAG24: Wird es einen neuen Stil geben?

Michael Kretschmer: Ich werde als Ministerpräsident ganz viel vor Ort sein, mit den Leuten reden. Wir müssen Sorgen und Anliegen der Menschen aufnehmen und besprechen. Wir müssen aber auch Gerüchten, Parolen und Verschwörungstheorien entgegentreten. Es muss eine Institution geben, die sich ganz konkret damit auseinandersetzt.

TAG24: Welches Ergebnis ist für Sie bei der Wahl zum CDU-Chef und zum MP akzeptabel?

Michael Kretschmer: Ich weiß, es wird vermutlich kein gigantisches Ergebnis, aber wenn ich das Vertrauen bekomme, werde ich hart dafür arbeiten, dass es gerechtfertigt war.

Titelfoto: Eric Münch


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