Verzweifelter Kampf gegen Mieterhöhung! Familie verklagt Vonovia

Die beiden Vonovia-Mieterinnen Eva Kloß (68, l.) und Anita Dyballa (75) 
wehren sich gegen die angedrohte Mieterhöhung.
Die beiden Vonovia-Mieterinnen Eva Kloß (68, l.) und Anita Dyballa (75) wehren sich gegen die angedrohte Mieterhöhung.

Dresden - Mieterin Eva Kloß (68) kämpft verzweifelt gegen den Immobilien-Goliath Vonovia. Deutschlands größtes Wohnungsunternehmen will die im Mietspiegel ausgewiesene Lage ihrer Wohnung heraufstufen um damit mehr Miete zu kassieren.

Seit 1972 wohnt die Seniorin am Falkensteinplatz in Gruna, zahlt bislang 515 Euro Warmmiete für 67 Quadratmeter. Die Vonovia will jetzt 560 Euro abgreifen.

Ursache des Problems: Der Dresdner Mietspiegel weist drei Wohnlagen-Stufen aus. Sie heißen „einfach“, „mittel“ und „gut“.

Die Stadtverwaltung bestätigt eine „einfache Wohnlage“ für die Adresse. Laut Vertrag hat Frau Kloß bereits seit zehn Jahren ohnehin schon eine „mittlere Wohnlage“, festgelegt seinerzeit von der Gagfah. Jetzt will die Vonovia die höchste Wohnlage gerichtlich erzwingen.

Vonovia-Sprecherin Bettina Benner (55) verteidigt die neue 
Wohnlage-Einstufung.
Vonovia-Sprecherin Bettina Benner (55) verteidigt die neue Wohnlage-Einstufung.

Ein Aufreger für die betagte Dame. Dabei würde sie eine geringe Mieterhöhung nicht stören: „Damit haben wir kein Problem. Aber wir beharren auf der ‚mittleren Wohnlage‘, die wir seit über zehn Jahren haben.“

Doch die Vonovia bleibt hart, verteidigt den Kurs. „Die Einstufung der Wohnlagen wurden anhand der Vorgaben des Mietspiegels vorgenommen“, so Sprecherin Bettina Benner (55). Ein Widerspruch? Sie verweist auf wohnlageverbessernde Merkmale (ÖPNV-Nähe, Nachbarschaft, kein Fluglärm) für die Adresse. „Daher ist eine abweichende Einstufung zur Wohnlagekarte im Mietspiegel gerechtfertigt.“

Matthias Wagner (63) vom Mieterverein Dresden warnt vor unberechtigten Mieterhöhungen. Dem Verein lagen im Frühjahr bereits 53 Vonovia-Fälle vor, in denen die Wohnlage ebenfalls hochgestuft wurde: „Im Zweifel lohnt der Weg vor Gericht.“

Der Fall von Frau Kloß und ihrer Nachbarin landet jetzt tatsächlich vor Gericht. „Wir ziehen das jetzt durch. Das ist eine ungerechte Sache“, sagt die Seniorin. Vielleicht gewinnt sie als Miet-David im Kampf gegen den Immo-Goliath ...

Die beiden Seniorinnen wohnen seit 1972 und 1950 in ihren Wohnungen am 
Falkensteinplatz. Jetzt gibt‘s erstmals großen Ärger mit dem Vermieter.
Die beiden Seniorinnen wohnen seit 1972 und 1950 in ihren Wohnungen am Falkensteinplatz. Jetzt gibt‘s erstmals großen Ärger mit dem Vermieter.  © Eric Münch
Mathias Wagner (63) vom Mieterverein Dresden bearbeitet etliche Fälle von 
falschen Wohnlage-Einstufungen.
Mathias Wagner (63) vom Mieterverein Dresden bearbeitet etliche Fälle von falschen Wohnlage-Einstufungen.  © Petra Hornig

Wieviel Mieterhöhung ist eigentlich zulässig?

Wie hoch dürfen Vermieter in Dresden die Mieten schrauben?

Seit 2015 gilt eine Kappungsgrenze für Mieterhöhungen. Das heißt, zur ortsüblichen Vergleichsmiete dürfen Vermieter innerhalb von drei Jahren höchstens 15 Prozent aufschlagen. Peter Bartels (72) vom Mieterverein Dresden, empfiehlt Mietern vor der Zustimmung einer Mieterhöhung die Details genau zu prüfen: „Wer einmal zugestimmt hat, kann das nicht mehr rückgängig machen, unabhängig davon, ob er zur Zustimmung verpflichtet war oder nicht.“

Weitere Infos zum geltenden Mietspiegel: www.dresden.de/mietspiegel


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