Bei so vielen Schusswaffen-Kontrollen werden Mängel festgestellt

Rathen - Die Zahl zugelassener Schusswaffen in Sachsen stieg binnen eines Jahres um zehn Prozent - von 152.825 auf 168.404 (TAG24 berichtete). Doch die Kontrollen zur Aufbewahrung der potenziellen Todesmaschinen sind hier eher ein Witz und weisen erhebliche regionale Unterschiede auf.

Waffenbesitzer müssen dem örtlichen Ordnungsamt bei unangemeldeten Kontrollen die Tür öffnen - in Sachsen wird das recht unterschiedlich gehandhabt.
Waffenbesitzer müssen dem örtlichen Ordnungsamt bei unangemeldeten Kontrollen die Tür öffnen - in Sachsen wird das recht unterschiedlich gehandhabt.  © DPA / Julian Stähle

Während es im Vogtland bei jeder dritten Kontrolle Beanstandungen gibt, ist in Leipzig angeblich alles in Ordnung.

Seit knapp zehn Jahren müssen Waffenbesitzer auch ohne Verdacht unangemeldete Kontrollen ihrer Sicherheitsvorkehrungen hinnehmen.

Anlass für die Gesetzesänderung war damals der schreckliche Amoklauf von Winnenden. Ein 17-Jähriger schnappte sich die Sportpistole seines Vaters, tötete 15 Menschen und später sich selbst.

Für die Kontrollen, ob etwa Waffe und Munition getrennt voneinander und ohne Zugriff für Unbefugte gelagert werden, sind in Sachsen die Ordnungsämter der Kreise zuständig. Doch hier wird höchst unterschiedlich vorgegangen. Während der Kreis Bautzen im vergangenen Jahr 112 Kontrollen durchführte, waren es im benachbarten Kreis Görlitz gerade einmal sechs.

Im Vogtland nehmen die Behörden die Sache offensichtlich ernst. Letztes Jahr gab es 259 unangemeldete Kontrollversuche, bei denen 111 Mal der Schütze angetroffen wurde.

Die Waffe und die Munition sollen stets voneinander getrennt aufbewahrt werden.
Die Waffe und die Munition sollen stets voneinander getrennt aufbewahrt werden.  © DPA / Patrick Pleul

Bei 37 Waffenträgern - einem Drittel - gab es etwas zu beanstanden. Mal wusste die Ehefrau, wo der Schlüssel liegt, ein anderes Mal war das Sicherheitsbehältnis für die Pistole unzureichend.

Null Beanstandungen hatten die Kontrolleure der Stadt Leipzig bei ihren 111 Hausbesuchen.

Der (schlechte!) Witz: Sie hatten sich in jedem Fall vorher brav angemeldet. Die Schützen hatten genug Zeit, sich vorzubereiten. Ein paar Kilometer weiter, im Landkreis Leipzig, verzichtet man auf die Anmeldung und führte 194 Waffenschrank-Kontrollen durch. Bei Mängeln wird hier nicht abgefettet, sondern eine Frist zur Nachbesserung eingeräumt.

In Chemnitz gab es 2018 gar keine Waffenschrank-Kontrolle. "Das Kontrollniveau ist zu gering, es steht in keinem Verhältnis zum Anstieg des Waffenbesitzes", prangert Landtagsabgeordneter Valentin Lippmann (Grüne) an.

Sportschützen und Jäger müssen einen Waffenschrank vorweisen. Und nur der Berechtigte darf Zugang zum Schlüssel haben.
Sportschützen und Jäger müssen einen Waffenschrank vorweisen. Und nur der Berechtigte darf Zugang zum Schlüssel haben.  © DPA

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