Seniorin kann dank der Hornhaut eines Verstorbenen wieder sehen

Dresden - Sie litt an einer Erkrankung der Hornhaut, ihr Blick war getrübt. Jetzt sieht Jutta Poisel (69) aus Hoyerswerda wieder klar - nach einer Transplantation an der Dresdner Uniklinik trägt sie die Hornhaut eines Verstorbenen.

"Ein Segen": Jutta Poisel (69) erhielt für ihr krankes rechtes Auge die Hornhaut eines Toten, kann wieder klar sehen.
"Ein Segen": Jutta Poisel (69) erhielt für ihr krankes rechtes Auge die Hornhaut eines Toten, kann wieder klar sehen.  © Norbert Neumann

Nach einer Augen-OP im Jahr 2015 verschlechterte sich ihr Sehvermögen unerwartet. "Ich sah alles wie durch einen Nebel", erinnert sich die Seniorin.

"Ich konnte auch nicht mehr räumlich sehen, nicht mal mehr Fahrrad fahren." Ihre Sehschärfe auf dem rechten Auge betrug kaum noch fünf Prozent.

Zurück zum Licht fand sie über die Hornhaut eines Verstorbenen. Uniklinik-Oberarzt Frederik Raiskup (47) transplantierte ihr unter örtlicher Betäubung die hauchdünne Lamelle ("Endothel"). Damit die sich festsaugt, musste die Seniorin nach dem Eingriff drei Tage auf dem Rücken liegen. Dafür kann sie heute wieder viel besser sehen. "Für mich ist das so ein Segen. Ich bin sehr dankbar, dass es Leute gibt, die spenden", sagt die Seniorin.

110 Augenhornhäute transplantierte Uniklinik-Arzt Raiskup mit seinen Kollegen im letzten Jahr. Alle stammen von Verstorbenen, wurden über die Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) vermittelt. Ist der Tote kein registrierter Spender (Organspendeausweis reicht), können seine Angehörigen gefragt werden.

"Viele Menschen sind sehr hilfsbereit, wissen über Gewebe-Spenden aber wenig", wünscht sich DGFG-Regionalleiter Frank Polster (54) mehr Aufklärung.

Nach 150 Angehörigen-Gesprächen 2019 in der Uniklinik konnten 52 Spender gewonnen werden. Mit insgesamt 347 Spendern aus Sachsen liegt der Freistaat bundesweit an dritter Stelle.

Das rechte Bild verschwommen, das linke klar: DGFG-Koordinatorin Li Kaltanecker (40) und Seniorin Poisel zeigen, wie sich die Sicht nach Transplantation verbessert hat.
Das rechte Bild verschwommen, das linke klar: DGFG-Koordinatorin Li Kaltanecker (40) und Seniorin Poisel zeigen, wie sich die Sicht nach Transplantation verbessert hat.  © Norbert Neumann
Uniklinik-Oberarzt Frederik Raiskup (47) transplantierte die Hornhaut.
Uniklinik-Oberarzt Frederik Raiskup (47) transplantierte die Hornhaut.  © Norbert Neumann

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