Wie kam die Pfotenhauerstraße an ihren Namen?

Dresden - Teil 2 der Straßennamen-Serie von TAG24.

Blick Richtung Uniklinik: Die Pfotenhauer Straße in der Johannstadt.
Blick Richtung Uniklinik: Die Pfotenhauer Straße in der Johannstadt.  © Thomas Türpe

3200 Straßennamen gibt es in Dresden. 1000 davon sind nach Personen benannt, 90 Prozent davon immer noch nach Männern.

In der neuen Sommer-Serie stellt TAG24 unter dem Motto "Wer war eigentlich ...?" die spannendsten Geschichten hinter den Namen von Straßen, Plätzen und Gebäuden vor.

Wusstet Ihr etwa, dass es nicht nur zwischen Alaska und Sibirien, sondern auch mitten in Dresden eine Behringstraße gibt? Oder was der Bramschtunnel mit einem Tunnelblick zu tun hat?

Lasst Euch überraschen. Heute wird das Rätsel der Pfotenhauerstraße gelöst.

Das alles hat Dresden Wilhelm Pfotenhauer zu verdanken

Die Grabstätte Wilhelm Pfotenhauers und seiner Frau auf dem Johannisfriedhof.
Die Grabstätte Wilhelm Pfotenhauers und seiner Frau auf dem Johannisfriedhof.  © Thomas Türpe

Sie ist 800 Meter lang, führt vom Uniklinikum bis fast zur Sachsenallee: Die Pfotenhauerstraße ist eine der wichtigsten Verkehrsadern der Johannstadt. Ihren Namen trägt sie schon seit 142 Jahren, benannt nach Dresdens erstem Oberbürgermeister.

Friedrich Wilhelm Pfotenhauer (1812-1877) erhielt erstmals in der Stadtgeschichte 1853 den Titel "Oberbürgermeister". 24 Jahre trug er den Titel bis zu seinem Tod am 2. April 1877, als er unerwartet einem Gehirnschlag erlag. Geboren wurde er am 30. November 1812 in Hohenstein nahe Chemnitz (heute Hohenstein-Ernstthal).

Er besuchte die Dresdner Kreuzschule, studierte in Leipzig Rechtswissenschaft, war als Advokat tätig. 1843 wurde er Bürgermeister von Glauchau, trat dort laut Stadtwiki Dresden den Freimaurern bei.

1848 zog er im Revolutionsjahr als Abgeordneter in den sächsischen Landtag ein, wurde auch zum ersten Stadtrat in Dresden gewählt. Kommissarisch leitete er das Amt des Bürgermeisters schon 1849, nachdem sein Vorgänger verstorben war.

Friedrich Wilhelm Pfotenhauer (1812-1877) war Dresdens erster Oberbürgermeister.
Friedrich Wilhelm Pfotenhauer (1812-1877) war Dresdens erster Oberbürgermeister.  © Screenshot/Wikipedia

Die Zeiten damals, während des Maiaufstandes, waren stürmisch: "Als die meisten der damaligen Stadträthe während jenes Aufstandes sich krank meldeten und in's Bett sich legten, wahrten, von den Insurgenten und der provisorischen Regierung in ein Hinterzimmer des Rathauses zurückgedrängt, die Stadträthe Pfotenhauer, Flath und Meusel die Interessen der Stadt gegen die provisorische Regierung", heißt es in der historischen Tageschronik der Stadt (originale Schreibweise übernommen).

Trotzdem wurde Pfotenhauer später des Hochverrats verdächtigt, wegen dessen früherer Verbindung zu linken Demokraten. Erst 1850 wurde er nach Drängen der Räte von König Friedrich August II. (1797-1854) als Bürgermeister bestätigt.

Während seiner Amtszeit verdoppelte sich die Einwohnerzahl auf fast 200.000 Dresdner. "Er förderte die industrielle und bauliche Entwicklung, setzte sich besonders für den Eisenbahn- und Schiffsverkehr ein. Während seiner Amtszeit wurde der Schlesische Bahnhof (auf dem Gelände des heutigen Bahnhof Neustadt, d. Red.) eingeweiht und die Marienbrücke errichtet, um die Dresdner Bahnhöfe miteinander zu verbinden", teilte das Dresdner Rathaus anlässlich einer Gedenkfeier mit.

Während Pfotenhauers Amtszeit wurde der Schlesische Bahnhof eingeweiht. Heute ist hier der Neustädter Bahnhof.
Während Pfotenhauers Amtszeit wurde der Schlesische Bahnhof eingeweiht. Heute ist hier der Neustädter Bahnhof.  © imago images/Arkivi

Die Verbindung nach Prag und Wien belebten Industrie, Handel und Gewerbe. 1861 wurde der Zoo eröffnet. Unternehmen wie die Brauerei Felsenkeller, Bienertmühle, Steingutfabrik Villeroy & Boch siedelten sich an.

Pfotenhauer hatte laut Dresdner Geschichtsbuch "für Jedermann ein freundliches Wort", "suchte stets Gegensätze zu versöhnen". Er war verheiratet mit Louise Antonie Funkhänel (1815-1888), das Paar hatte vier Kinder.

Rund 40.000 Dresdner nehmen 1877 Anteil an Pfotenhauers Beisetzung auf dem Trinitatisfriedhof. Seine Überreste wurden auf Familienwunsch dann auf den Johannisfriedhof überführt.

Pfotenhauer zu Ehren beschloss der Stadtrat 1878 eine neu angelegte Straße in der Johannstadt nach ihm zu benennen.

Wie die Pfotenhauer zur "Modrow-Kaufhalle" kam

Die "Modrow-Kaufhalle" im Jahr 1975.
Die "Modrow-Kaufhalle" im Jahr 1975.  © Sammlung Gonschorek

Zu DDR-Zeiten war die so genannte „Modrow-Kaufhalle“ (heute Konsum und Aldi) an der Pfotenhauer Straße Dresdens bekannteste Lebensmittel-Verkaufsstelle.

Der damalige SED-Bezirkschef Hans Modrow (91) wohnte mit seiner Frau im Plattenbau gegenüber, ging selbst dort einkaufen.

So munkelten die Dresdner, dass die Versorgung mit Lebensmitteln dort besser funktionierte. Fortan sagte man im Volksmund „Modrow-Kaufhalle“.

Mehr zum Thema Dresden Lokal:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0