Von Beamten zum Prozess getragen: Kommt der mutmaßliche Sexgangster vom Hechtviertel frei?

Dresden - Der Prozess gegen den mutmaßlichen Sex-Gangster vom Hechtviertel ist erneut vertagt worden. Immerhin: Diesmal kam Rami A. (33) freiwillig aus dem Haftkeller in den Saal. Am Dienstag musste er noch von Justizbeamten getragen werden (TAG24 berichtete).

Die Beamten mussten Rami A. in zur Anklagebank tragen.
Die Beamten mussten Rami A. in zur Anklagebank tragen.  © Holm Helis

Beim neuen Prozessversuch am Donnerstag, erstattete Gutachter Holger Kloß dem Gericht Bericht: Demnach hatte der Angeklagte im Sommer versucht, sich in der JVA das Leben zu nehmen, bekäme seither Antidepressiva. Auch beim Gespräch mit dem Mediziner habe Rami A. abgeschlagen gewirkt.

„Der Proband gab ab, seit Anfang des Jahres Alkohol zu trinken und Drogen zu nehmen“, so Kloß. „Er erleide dabei Erinnerungslücken. Könne sich an die vorgeworfenen Taten nicht erinnern.“

Das war der Moment, als der Richter den Prozess vorerst unterbrach. Die Juristen befürchten, dass der mutmaßliche Täter vielleicht sogar schuldunfähig ist. In dem Fall muss nicht nur ein Gutachter die ganze Zeit im Prozess sein. Es müsste sogar eine andere Kammerbesetzung verhandeln.

Weil aber freilich so schnell kein Gutachter aufzutreiben war und auch Dr. Kloß nicht bleiben konnte, wurde der Prozess vertagt. Bis ein Experte Zeit hat.

Problem: Rami A. sitzt seit fünf Monaten in U-Haft. Länger als sechs Monate darf aber niemand inhaftiert sein, ohne dass ein Prozess begonnen hätte. Wenn also nicht bald ein Gutachter gefunden wird, muss Rami A. auf freien Fuß gesetzt werden.

Der Beschuldigte wollte zum Prozess am Dienstag nicht erscheinen.
Der Beschuldigte wollte zum Prozess am Dienstag nicht erscheinen.  © Holm Helis
Sollte kein Gutachter gefunden werden, wird der mutmaßliche Sexgangster auf freien Fuß gesetzt.
Sollte kein Gutachter gefunden werden, wird der mutmaßliche Sexgangster auf freien Fuß gesetzt.  © Holm Helis

Titelfoto: Holm Helis