Silberchlorid auf dem legendären Münzschatz im Dresdner Schloss

Münze (mit Figur, links) Bracket von 1197- 1221 von Dietrich Mkf. v. Meißen; Münze rechts: Bracket von Friedrich II, Graf von Brehna.
Münze (mit Figur, links) Bracket von 1197- 1221 von Dietrich Mkf. v. Meißen; Münze rechts: Bracket von Friedrich II, Graf von Brehna.  © Holm Helis

Dresden - Die Nachricht hatte die Kunstwelt geschockt: Zahllose Münzen der weltberühmten Sammlung im Dresdner Schloss zeigten plötzlich weißliche Flecken. Es sah aus, als begänne der Schatz zu schimmeln.

In aller Eile wurde die Ausstellung geschlossen, Experten bestellt. Jetzt gibt es eine glänzende Nachricht: Das Münzkabinett wird kurz vor Weihnachten wieder öffnen. Das Rätsel um die Herkunft der Münzflecken aber bleibt ungelöst ...

Seit Dezember 2016 wundert sich die Fachwelt über die weißen Flecken, die sich plötzlich auf 100 von 1400 nicht konservierten Münzen in den Vitrinen im Georgenbau des Schlosses zeigten. Im März wurde die Sammlung geschlossen, um den Münzschatz möglichen Gefährdungen nicht weiter auszusetzen.

Dann erfolgten Untersuchungen, unter anderem des Fraunhofer Instituts Braunschweig: Die Bedingungen der Räumlichkeiten und der klimatisierten Vitrinen wurden erforscht, die Einrichtungsmaterialien geprüft und Luftmessungen vorgenommen. Ergebnis: Bei den weißen Flecken handelte es sich um Silberchlorid-Ablagerungen.

Unter anderem beteiligte sich auch das Sächsische Immobilien- und Baumanagement (SIB) an den Forschungsarbeiten. Allerdings: "Zu diesem Zeitpunkt kann die Ursache für die Entstehung des Silberchlorids nicht benannt werden", so Marion Ackermann (52), Direktorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD).

Das Problem: Es wurde nirgendwo messbar eine Chlorid-Quelle gefunden. "Aber es gibt sie", so Michael Mäder (57), wissenschaftlicher Mitarbeiter der SKD. Die Lösung des Problems heißt nun: Konservierung aller rund 1400 bislang nicht behandelten Münzen. Ein Lackaufstrich wird die Exponate schützen. Außerdem werden die Vitrinen stärker abgedichtet, die Böden nicht mehr feucht gewischt und Sensoren messen Lufteinflüsse.

Zu den Kosten kann die Direktorin noch keine Aussage machen. Als sicher gilt, dass die für 2017 geplanten Einkünfte des Residenzschlosses trotz der zeitweiser Schließung des Münzkabinetts erreicht werden.

Rainer Grund, Direktor des Münzkabinetts, hält im Depot des Kabinetts in Dresden ein Tablett mit verschieden Münzen, die vorsorglich ins Depot verbracht wurden.
Rainer Grund, Direktor des Münzkabinetts, hält im Depot des Kabinetts in Dresden ein Tablett mit verschieden Münzen, die vorsorglich ins Depot verbracht wurden.  © Sebastian Kahnert/dpa
Jens Dornheim (59) ist Diplom-Restaurator. Er untersucht die "vergammelten" Münzen.
Jens Dornheim (59) ist Diplom-Restaurator. Er untersucht die "vergammelten" Münzen.  © Steffen Füssel
Eine der geschädigten Münzen.
Eine der geschädigten Münzen.  © Füssel

Titelfoto: Holm Helis


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0