So brutal transportierte ein Schleuser Flüchtlinge nach Dresden

Auf dieser Ladefläche brach Panik unter den Flüchtlingen aus, weil die Luft bedrohlich knapp wurde.
Auf dieser Ladefläche brach Panik unter den Flüchtlingen aus, weil die Luft bedrohlich knapp wurde.  © Marko Förster

Dresden - Die Flüchtlinge hockten eingepfercht auf Ladenflächen. Ihr mutmaßlicher Schleuser fuhr Luxuskarossen. Tasev R. (39) war laut Anklage Mitglied einer Bande und ließ insgesamt 316 Flüchtlinge in nur drei Wochen unter unmenschlichen Bedingungen "herkarren". Seit Montag ist Prozess gegen den Bulgaren am Landgericht Dresden.

Demnach war er unter anderem für den Transport von 81 Menschen im Kleinlaster zuständig, der im August 2015 bei Geising gestoppt wurde. Die Flüchtlinge (darunter Babys) aus Syrien, Irak und Afghanistan waren in Budapest "an Bord" gegangen. Der Transporter fuhr ohne Pause durch. Es gab wenig Wasser.

Durch den minimalen Luftschlitz im Dach kam kaum Frischluft. Im Inneren brach bald Panik aus. Bei Geising ließ Fahrer Ilmaz A. (34) die entkräfteten Flüchtlinge von Bord. Sie und der Fahrer wurden noch vor Ort aufgegriffen. Der Fahrer kassierte inzwischen über vier Jahre Haft.

Tasev R. (39) half laut Anklage, 316 Flüchtlinge nach Deutschland und Österreich zu schleusen.
Tasev R. (39) half laut Anklage, 316 Flüchtlinge nach Deutschland und Österreich zu schleusen.  © Thomas Türpe

Laut Anklage begleitete Tasev R. den Laster im Benz, hielt telefonischen Kontakt zum Fahrer. Der Bulgare, der bei Koblenz als Kurierfahrer arbeitet, soll außerdem in seiner Heimat Fahrer rekrutiert haben.

Bei Fahrten war er Ansprechpartner, fuhr im Begleitfahrzeug (wahlweise Benz oder Audi A8), um die Fahrer vor Polizeikontrollen zu warnen.

Wurde es brenzlig, tauchte er ab. Pro Fahrt soll Tasev R. so mindestens 500 Euro, für die "Geising-Fahrt" gar fast 3000 Euro kassiert haben.

Offenbar völlig frei von Skrupel soll er nur fünf Tage nach dem dramatischen Vorfall von Geising die Schleusung von weiteren 17 Flüchtlingen organisiert haben.

Der Prozess wird fortgesetzt.

Im August 2015 wurde der Kleinlaster bei Geising gestoppt, auf dem 81 Flüchtlinge eingepfercht waren.
Im August 2015 wurde der Kleinlaster bei Geising gestoppt, auf dem 81 Flüchtlinge eingepfercht waren.  © Marko Förster

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