So gefährlich sind die 718 Reichsbürger in Sachsen

Fanatisierungsgrad und Waffenaffinität der Reichsbürger sind nicht zu 
unterschätzen, so Innenminister Markus Ulbig (53, CDU).
Fanatisierungsgrad und Waffenaffinität der Reichsbürger sind nicht zu unterschätzen, so Innenminister Markus Ulbig (53, CDU).  © dpa/Sebastian Kahnert

Dresden - Reichsbürger galten lange als verschrobene Spinner. Nach bundesweiten Gewalttaten gab es ein Umdenken auch in Sachsen. Nun hat der Verfassungsschutz erstmals ein „Lagebild“ zu den Reichsbürgern im Freistaat vorgelegt.

Seit Dezember 2016 werden Reichsbürger auch in Sachsen vom Verfassungsschutz beobachtet. 718 gibt es Stand Ende Juni im Freistaat. Und es dürften durch Zulauf und verstärkte Aufklärung der Szene noch mehr werden. Innenminister Markus Ulbig (53, CDU): „Reichsbürger besitzen zum Teil ein hohes Eskalations-, Gewalt- und Mobilisierungspotenzial insbesondere gegenüber Vollzugsbeamten.“

Die wichtigsten Fakten:

  • Von den 718 Personen sind 67 zusätzlich dem rechtsextremen Spektrum zuzuordnen
In Bayern drehte im Oktober 2016 ein Reichsbürger bei einer Razzia durch. Ein 
SEK-Beamter starb beim Schusswechsel.
In Bayern drehte im Oktober 2016 ein Reichsbürger bei einer Razzia durch. Ein SEK-Beamter starb beim Schusswechsel.  © DPA
  • Die meisten Reichsbürger leben in Mittelsachsen (120), dem Vogtland (98) sowie in den Landkreisen Bautzen (74) und Görlitz (66). In Leipzig sind es 34, in Dresden 29, in Chemnitz 17.
  • Der Durchschnitts-Reichsbürger in Sachsen ist 49 und männlich. Der Frauenanteil ist mit 23 Prozent im bundesweiten Vergleich überdurchschnittlich hoch.
  • Reichsbürger verübten in Sachsen von 2012 bis 2016 insgesamt 1524 Straftaten. Vor allem Verkehrsdelikte, Urkundenfälschungen, Beleidigungen oder Nötigungen. Es besteht die Gefahr von Kurzschlusshandlungen.
  • Seit November 2016 wurden bei 13 Reichsbürgern die waffenrechtlichen Erlaubnisse widerrufen. In sieben Fällen wurden Widerrufsverfahren eingeleitet.

Reichsbürger erkennen die BRD als Staat nicht an. Stattdessen behaupten sie, das Deutsche Reich bestehe fort. Folglich werden Institutionen, Gesetze, Gerichtsentscheidungen oder Bußgelder nicht anerkannt.

Reichsbürger erkennen die BRD nicht an, geben eigene Pässe von 
Fantasieländern heraus.
Reichsbürger erkennen die BRD nicht an, geben eigene Pässe von Fantasieländern heraus.  © DPA

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