So hart trifft der Brexit die Firmen in Sachsen

Dresden - Noch 68 Tage! Dann - Stand jetzt - ist der harte Brexit auch für Sachsens Firmen Fakt. Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) nennt das drohende Szenario "eine Katastrophe für sächsische Unternehmen". Wohl zu Recht. Denn das Vereinigte Königreich ist das drittwichtigste Exportland des Freistaates. Die Auswirkungen auf den Außenhandel waren bereits in den letzten Monaten spürbar.

Über 5000 der in Leipzig produzierten Porsche Macan wurden pro Jahr nach Großbritannien verkauft.
Über 5000 der in Leipzig produzierten Porsche Macan wurden pro Jahr nach Großbritannien verkauft.  © Marco Prosch

Mit 33,9 Prozent Anteil an der Wirtschaftsleistung ist der Export Sachsens Motor. Allerdings wuchs dieser 2018 - im Gegensatz zu den Vorjahren - nicht mehr. Denn ausgerechnet bei den drei Nationen, welche die meisten Waren aus dem Freistaat kaufen, ziehen dunkle Wolken auf: China (Handelskrieg, Konjunkturabkühlung), USA (Strafzölle) und Großbritannien (Brexit).

In den ersten drei Quartalen 2018 konnte das China-Geschäft der Sachsen zwar noch wachsen (+ 11%), doch die Exporte in die USA gingen im Vergleich zum Vorjahr zurück (- 5%). Besonders aber spürte man die Gewitterfront des drohenden Brexits: Ins Vereinigte Königreich reduzierte sich der Verkauf bereits um elf Prozent, nachdem er noch im Vorjahr um 19 Prozent stieg.

"Wohl oder übel muss sich die sächsische Wirtschaft nun auf das denkbar schlechteste Szenario einstellen", fürchtet Kristian Kirpal, Präsident der IHK Leipzig.

Denn der Handel wird bei Weitem bürokratischer und kostenintensiver. Kirpal: "Eingriffe in bestehende Lieferketten dürften empfindlich sein, allein durch Grenzkontrollen und Zölle."

Produkte aus dem Maschinenbau sind nach Autos der zweitwichtigste sächsische Exportschlager für die Insel.
Produkte aus dem Maschinenbau sind nach Autos der zweitwichtigste sächsische Exportschlager für die Insel.  © Jan Woitas/dpa

Das trifft zunächst die Autoindustrie, die rund 70 Prozent der sächsischen Exporte auf die Insel ausmacht.

So ging 2017 etwa jeder neunte BWM i3 (3458 Stück) aus Leipzig nach Großbritannien. Noch besser verkaufte sich mit 5854 Exemplaren der Porsche Macan. Des Weiteren schickt Sachsen Produkte der Sparten Maschinenbau und Elektrotechnik sowie Milcherzeugnisse ins Königreich. Auch beim Handel in die andere Richtung funkt der Brexit dazwischen.

Sächsische Firmen benötigen von der Insel Komponenten für Auto- und Maschinenbau, aber auch Chemie, Kunststoffe und Erdgas. Wegen der unsicheren Perspektive stiegen Sachsens Importe in den ersten drei Quartalen 2018 um 48 Prozent!

Man hat sich noch mal eingedeckt. Kompliziert werden kann es besonders für kleine und mittelständische Firmen, die mit dem Königreich handeln.

Wirtschaftsminister Martin Dulig: "Wir stehen mit den Kammern in den Startlöchern, um unsere Unternehmen konkret zu beraten." Und er sieht auch Chancen für Sachsen: "Gleichzeitig werben wir in Großbritannien um Firmen, die neue Möglichkeiten und Standorte auf dem Festland suchen."

Auswirkungen auch bei Forschung und Austausch

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) musste bereits den Einbruch des Handels mit Großbritannien verkünden.
Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) musste bereits den Einbruch des Handels mit Großbritannien verkünden.  © dpa/Kay Nietfeld

Nicht nur der Wirtschaft bereitet der Brexit Kopfzerbrechen - er wirkt sich in vielen weiteren Bereichen aus.

So verfolgen sächsische Hochschulen und Institute derzeit an die 200 EU-Forschungsprojekte mit britischer Beteiligung, die Weiterführung ist gefährdet. Auch der Studentenaustausch (Erasmus) mit der Insel wird zum Erliegen kommen.

Die Staatsregierung strickt derzeit an einem Sächsischen Brexit-Übergangsgesetz. Es basiert allerdings darauf, dass es ein Abkommen mit Übergangsphase gibt.

Erhebliche Unsicherheit herrscht vor allem über die Höhe künftiger EU-Regionalfördermittel für Sachsen, weil ein gewichtiger Nettozahler wegbricht.

Die Zahl der Briten, die in Sachsen die deutsche Staatsbürgerschaft beantragten, vervielfachte sich von fünf (2015) auf 45 (2017) und nimmt weiter zu.

Doch auch für Sachsen, die schon länger auf der Insel leben, steht die umgekehrte Entscheidung an.

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