Sachsen schenkt Dresden diesen Friedhof und das ist noch nicht alles

Dresden - Sachsen will Dresden einen Friedhof schenken - und noch 300.000 Euro obendrauf legen. Klingt nach einem guten Deal. Doch dahinter stecken viele Jahre Verhandlungen mit dem Freistaat, ein engagierter Verein und viele persönliche Schicksale.

"Ruhm und Dank den Helden der Sowjetunion": Die Plastik "Der Fahnenträger" steht auf dem Garnisonfriedhof gegenüber des Haupteinganges.
"Ruhm und Dank den Helden der Sowjetunion": Die Plastik "Der Fahnenträger" steht auf dem Garnisonfriedhof gegenüber des Haupteinganges.  © Thomas Türpe

Der Garnisonfriedhof teilt sich in zwei Hälften. Auf der einen Fläche liegen russische Soldaten, die in Folge des Zweiten Weltkrieges starben.

Diesen Kriegstoten gebührt ewiges Ruherecht. Entsprechend gepflegt ist die Anlage.

Auf einem zweiten Areal liegen Soldaten und deren Angehörige, die weit in der Nachkriegszeit bis 1987 gestorben sind.

Auch 65 Jungen und Mädchen wurden beerdigt. Insgesamt liegen hier mehr als 2 300 Tote. Ein Schild "Betreten auf eigene Gefahr" trennt beide Welten.

Nach deutschen Recht dürften die Gräber längst beseitigt sein. Nicht so in Russland. Dort können Tote ewig ruhen. Entsprechend werden immer noch Gräber gepflegt.

Ein kleines Kuscheltier zierte jahrelang das Grab eines 1987 mit sechs Monaten gestorbenen Jungen, liebevoll steht anderswo "Schlafe ruhig, Söhnchen." Ein Schmetterling aus Glas umschwirrt ein anderes Grab.

Zwischen 1946 bis 1987 wurden hier sowjetische Soldaten und Angehörige beerdigt. Ein Obelisk zeigt Soldaten und ein der Truppe zuzwinkerndes Mädchen.
Zwischen 1946 bis 1987 wurden hier sowjetische Soldaten und Angehörige beerdigt. Ein Obelisk zeigt Soldaten und ein der Truppe zuzwinkerndes Mädchen.  © Thomas Türpe

Der Freistaat will die Flächen an der Marienallee am Eingang zur Dresdner Heide seit Jahren loswerden. Eine Wiese ohne Grabsteine war im Gespräch. Die ganze Zeit kämpfte der Verein DenkMalFort für den Erhalt.

"Es ist einer der letzten Erinnerungsorte daran, dass 50 Jahre lang die Russen hier waren", so Holger Hase. Der 42-Jährige ist Dresdner FDP-Chef, Oberstleutnant und Vereinschef.

"Es gab Schlichtungsversuche, ich habe Stadträte, Bürgermeister und Herrn Hilbert über den Friedhof geführt. Endlich ist eine Lösung in Sicht, die darf nicht mehr zerredet werden", so Hase.

Konkret will der Freistaat 300.000 Euro "Mitgift" zahlen. Die Landeshauptstadt verpflichtet sich im Gegenzug, den kompletten Friedhof zu pflegen und zugänglich zu halten.

Erinnerungstätte an 50 Jahre Rote Armee

Etwa 2300 Tote ruhen unweit der Heide auf dem Waldfriedhof.
Etwa 2300 Tote ruhen unweit der Heide auf dem Waldfriedhof.  © Ove Landgraf

Der Sowjetische Garnisonfriedhof entstand ab Mai 1945 als Kriegsgräberstätte der Roten Armee. Genutzt wurde dafür schlicht eine Waldfläche neben Kaserne und Lazarett.

Von 1946 an bis 1987 war das Gebiet Friedhof für während der Besatzungszeit verstorbenen Soldaten, Offiziere und deren Familienangehörige. Ab 1968 wurde er immer seltener genutzt.

Begraben sind überwiegend Mannschaftsdienstgrade, seltener Offiziere bis maximal Oberstleutnant.

Seit 1996 gehört der Friedhof dem Land, jetzt soll er wieder zurück in städtisches Eigentum wechseln.

Der Garnisonfriedhof steht unter Denkmalschutz.

Holger Hase (42, FDP) kümmert sich als Privatperson um den Verein "DenkMalFort".
Holger Hase (42, FDP) kümmert sich als Privatperson um den Verein "DenkMalFort".  © Amac Garbe
"Schlafe ruhig, Söhnchen". Dieser Junge lebte gerade einmal einen Monat.
"Schlafe ruhig, Söhnchen". Dieser Junge lebte gerade einmal einen Monat.  © Ove Landgraf
© Thomas Türpe
© Thomas Türpe
© Thomas Türpe
© Thomas Türpe
© Ove Landgraf
© Thomas Türpe
© Thomas Türpe

Titelfoto: Thomas Türpe, Amac Garbe

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