Heute ist Weltgesundheitstag! Wie gut steht Sachsen eigentlich da, Frau Ministerin?

Dresden - Jedes Jahr am 7. April ruft die WHO den Weltgesundheitstag aus. Zum zweiten Mal in Folge ist die flächendeckende Gesundheitsversorgung Thema des Aktionstages. Auch in Sachsen ist die nicht lückenlos. TAG24 bat Gesundheitsministerin Barbara Klepsch (54, CDU) zum Gespräch.

Die Staatsministerin sieht die Sachsen gesundheitlich gut versorgt. Mit der Redakteurin spricht sie über den Landärztemangel, Impfpflicht, Pflege und Prävention.
Die Staatsministerin sieht die Sachsen gesundheitlich gut versorgt. Mit der Redakteurin spricht sie über den Landärztemangel, Impfpflicht, Pflege und Prävention.  © Steffen Füssel

TAG24: Aus aktuellem Anlass: Frau Klepsch, was halten Sie vom Vorstoß des Bundesministers Jens Spahn, die Organspende per Widerspruch zu regeln?

Barbara Klepsch: Ich begrüße, dass der Bundesminister den Mut hat, dieses Thema erneut auf die Tagesordnung zu setzen. Ich bin auch für die doppelte Widerspruchslösung. Jeder sollte sich damit auseinandersetzen und für sich eine Entscheidung treffen.

TAG24: Was heißt doppelt?

Klepsch: Widerspruchslösung heißt, dass ich zu Lebzeiten der Organentnahme widersprechen kann. Bei der doppelten Widerspruchslösung würde auch den Angehörigen nochmal die Möglichkeit für einen Widerspruch eingeräumt.

TAG24: Heute ist Weltgesundheitstag. Thema ist die flächendeckende Gesundheitsversorgung. Wie sieht es damit in Sachsen aus?

Klepsch: Wir sind in Sachsen gut versorgt! Unsere große Aufgabe ist es, die gute medizinische Versorgung aufrechtzuerhalten und in die Zukunft zu bringen.

Barbara Klepsch (54) war 13 Jahre lang Oberbürgermeisterin der Großen Kreisstadt Annaberg-Buchholz. Seit 2014 ist sie die Sächsische Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz.
Barbara Klepsch (54) war 13 Jahre lang Oberbürgermeisterin der Großen Kreisstadt Annaberg-Buchholz. Seit 2014 ist sie die Sächsische Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz.  © Steffen Füssel

TAG24: Ist das nicht zu rosarot?

Klepsch: Nein, ich will gar nichts rosig malen. Manchmal habe ich aber den Eindruck, dass die Lage negativer skizziert wird, als sie in der Realität ist. Aber wir müssen natürlich auch klar die Probleme benennen.

TAG24: Die da wären?

Klepsch: Wir haben vor Jahren ein Gutachten in Auftrag gegeben. Dieses nimmt den Freistaat im ambulanten Bereich unter die Lupe und bricht ihn auf 47 Mittelbereiche herunter. Daran sieht man, dass 24 Bereiche drohend unterversorgt sind im allgemeinmedizinischen Bereich, weil ein Großteil der Hausärzte in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen wird. Wir haben jetzt schon 255 offene Hausarztstellen. Aber auch für andere Facharztgruppen wie Augenheilkunde, Dermatologie und Psychiatrie gibt es im ländlichen Raum steigenden Bedarf.

TAG24: Sie wollten eine Landarztquote, scheiterten aber beim Koalitionspartner mit Ihrem Vorschlag.

Klepsch: Mir war es wichtig, eine Landarztquote zu definieren. Wir können damit 40 junge Leute auswählen, die neben der Abiturnote andere Sozialkompetenzen mitbringen, sei es, sie haben eine Pflegeausbildung oder ein freiwilliges soziales Jahr. Ich hätte es mir noch in dieser Wahlperiode gewünscht.

Ein kleiner Piks spaltet das Land. Seit die Zahlen der Masernerkrankungen immer weiter steigen, ist auch eine Impfpflicht gegen Masern im Gespräch. Die Gesundheitsministerin hat dazu eine klare Meinung.
Ein kleiner Piks spaltet das Land. Seit die Zahlen der Masernerkrankungen immer weiter steigen, ist auch eine Impfpflicht gegen Masern im Gespräch. Die Gesundheitsministerin hat dazu eine klare Meinung.  © Imago

TAG24: Halten Sie an der Quote fest?

Klepsch: Ja, ich bin davon überzeugt, jungen Menschen, die in unterversorgten ländlichen Regionen als Ärzte arbeiten wollen, eine Chance zu geben. Wir werden das mit neuer Kraft 2020 wieder neu angehen.

TAG24: Wäre nicht die Telemedizin eine adäquate Lösung?

Klepsch: Es gibt da nicht die eine Lösung. Digitalisierung und Telemedizin werden den Arzt nie ersetzen, aber sie werden eine wertvolle Ergänzung sein.

TAG24: Warum ist die Arztfindung so schwierig?

Klepsch: Wir haben zurzeit so viele Ärzte im System wie nie zuvor. Das hängt damit zusammen, dass in 30 Jahren die Teilzeitquote von 0,5 auf 17 Prozent angestiegen ist. Früher waren es 50:50 männliche und weibliche Studenten. Heute haben wir 70 Prozent Frauen. Wir Frauen kriegen die Kinder. Das bringt eine neue Organisation mit sich. Auf einen Arzt, der in Rente geht, rechnen wir mit zwei Ärzten, um dies auszugleichen.

TAG24: Eine Aufgabe der Ärzte ist das Impfen. Was halten Sie von dem Vorschlag einer Impfpflicht gegen Masern?

Klepsch: Wenn man sich die Masernzahlen ansieht und wir von Jahr zu Jahr merken, dass diese steigen - wir haben jetzt schon allein 15 Fälle in Sachsen - halte ich die Impfpflicht für Masern für eine berechtigte Diskussion und ich befürworte diese.

TAG24: Auch eine generelle Impfpflicht?

Klepsch: Ich stehe einer Impfpflicht offen gegenüber. Ob dies für alle Krankheiten nötig ist, ist sicher zu hinterfragen. Das ist nach den aktuellen Gesetzen auch nicht umsetzbar und wir setzen auf Aufklärung. Aber bei bestimmten Krankheitsbildern bin ich für eine Impfpflicht.

Drei Viertel der Sachsen pflegen ihre Angehörigen zu Hause, häufig mit Unterstützung von Pflegediensten. Auch im Heim braucht es professionelle Fürsorge. Weil Sachsen immer älter wird, steigt auch der Bedarf an Pflegekräften.
Drei Viertel der Sachsen pflegen ihre Angehörigen zu Hause, häufig mit Unterstützung von Pflegediensten. Auch im Heim braucht es professionelle Fürsorge. Weil Sachsen immer älter wird, steigt auch der Bedarf an Pflegekräften.  © 123RF (Symbolbild)

TAG24: Sind Sie durchgeimpft?

Klepsch: Ja, ich habe sogar eine Impfung gegen FSME und lasse mich jedes Jahr grippeimpfen.

TAG24: Sachsen wird älter. Gibt es ausreichend Pflegeplätze?

Klepsch: Ich habe eher das Gefühl, dass es nicht an Pflegeplätzen mangelt, sondern an Pflegekräften.

TAG24: Wie kann man den Beruf attraktiver machen?

Klepsch: Dazu gehört eine entsprechende Vergütung. Dort sind wir Gott sei Dank ein ganzes Stück weiter. Aber es gehört auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf dazu und die gesellschaftliche Wertschätzung. Pflege ist mehr, ich sage es mal einfach ausgedrückt, als "Hintern abputzen". Dafür müssen wir die Gesellschaft sensibilisieren.

TAG24: Gesunde Bürger kosten am wenigsten Geld.

Klepsch: Das stimmt! Und dort sollte unser großes Augenmerk liegen. Stichwort Prävention. Da gibt es viele gute Projekte, die in Sachsen durchgeführt werden. Aber hier kann und muss man noch mehr machen.

TAG24: Was machen Sie für sich?

Klepsch: Ich benutze keinen Aufzug. (lacht) Ich fahre Rad, ich laufe, fahre Ski.

Wegen einer Erkältung schnell mal zum Hausarzt? Im ländlichen Raum ist das vielleicht bald nicht mehr so einfach möglich. Viele Hausärzte gehen hier in den nächsten Jahren in den Ruhestand. Eine Landarztquote soll helfen.
Wegen einer Erkältung schnell mal zum Hausarzt? Im ländlichen Raum ist das vielleicht bald nicht mehr so einfach möglich. Viele Hausärzte gehen hier in den nächsten Jahren in den Ruhestand. Eine Landarztquote soll helfen.  © Imago

Titelfoto: Steffen Füssel

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