Spektakulärster Kunstraub-Fall der DDR: Der Tag, als der Sophienschatz verschwand

Dresden - Für ältere Dresdner ist der Einbruch ins Grüne Gewölbe fast schon ein Déjà-vu: Vor den Augen der Polizei klauten Einbrecher am 20. September 1977 Teile des Sophienschatzes aus dem Stadtmuseum. Der Coup ist bis heute nicht aufgeklärt, noch immer fehlen 15 der wertvollen Grabbeigaben aus der Sophienkirche.

Hier stahlen 1977 Einbrecher einen großen Teil des Sophienschatzes.
Hier stahlen 1977 Einbrecher einen großen Teil des Sophienschatzes.  © Steffen Füssel

Das Museum war geöffnet, videoüberwacht und ein Polizist sah aus dem Fenster: Trotzdem räumten die Diebe die Vitrinen leer.

So schwer war das nicht: Ermittler, die den Raub nachspielten, brauchten insgesamt 15 Sekunden, um die verwendeten fünf Sicherheitsschlösser mit einer Haarnadel zu knacken.

Die Schmach war damals so groß, dass die DDR, die sonst Verbrechen gerne verschwieg, in die Vollen ging: Der aus dem Fenster schauende Polizist lieferte die Grundlage für die Öffentlichkeitsfahndung nach einem der Einbrecher.

In nur einem Jahr prüften die Ermittler 3500 Alibis von Vorbestraften, Kunsthändlern und anderen Verdächtigen.

Selbst mit Ermittlern aus den USA und mit dem englischen Scotland Yard arbeitete der sozialistische Staat zusammen.

Die Öffnung nach Westen zahlte sich aber auf andere, eher zufällige Weise aus: In einem englischen Münzkatalog tauchte 1986 die "Goldene Münze der Kurfürstin Magdalena Sibylla" auf.

Das Dresdner Stadtmuseum, einzige Einrichtung der DDR, die das Westprodukt beziehen durfte, erkannte die Plakette sofort wieder. Der erste Teil des Schatzes, der wieder auftauchte.

Bis jetzt sind 40 Teile wieder da, 15 werden immer noch vermisst.

Dieses Medaillon tauchte nach Jahren wieder auf, viele andere Teile fehlen immer noch.
Dieses Medaillon tauchte nach Jahren wieder auf, viele andere Teile fehlen immer noch.  © Norbert Neumann
So sah die Vitrine vor dem Bruch 1977 aus.
So sah die Vitrine vor dem Bruch 1977 aus.  © Polizeihistorische Sammlung

Titelfoto: Steffen Füssel, Norbert Neumann

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