Waldbrandgefahr schon auf Stufe fünf! Sachsens Wälder sind zundertrocken

Dresden - Wald- und Feldbrände hielten Sachsens Feuerwehrleute auch Samstag auf Trab. Der Deutsche Wetterdienst hat vielerorts die höchste Waldbrandgefahrenstufe 5 ausgerufen.

Querfeldein Schläuche im Wald verlegt: Das Waldstück Halde 5 in Zwickau-Oberhohndorf stand Samstag in Flammen.
Querfeldein Schläuche im Wald verlegt: Das Waldstück Halde 5 in Zwickau-Oberhohndorf stand Samstag in Flammen.  © Ralph Köhler/propicture

Damit wird zum Beispiel in den am stärksten gefährdeten nordostsächsischen Kiefernwäldern jetzt empfohlen, den Wald zur eigenen Sicherheit zu meiden. In der Sächsischen Schweiz ist wegen der anhaltenden Trockenheit das Betreten des Waldes von 21 bis 6 Uhr verboten.

In Zwickau-Oberhohndorf brannte ein Waldstück auf der Halde 5 an der Wildenfelser Straße. Die Feuerwehr musste mehrere hundert Meter Schlauch bergauf verlegen. Bei einem Feldbrand am Aussichtspunkt zwischen Hohenstein-Ernstthal fing gestern auch die Straßenböschung Feuer.

Die Altenberger Feuerwehr half ihren tschechischen Kameraden in der Nacht sogar, einen brennenden Holzstapel zwischen Cinovec und dem Mückentürmchen bei Vojtovice in Tschechien zu löschen.

"Gegen 7.30 Uhr fing ein Traktor zwischen Bahnhof Burkhardswalde und Mühlbach auf der Staatsstraße S 178 Feuer, die mitten durch einen Wald führt", sagte Michael Morlock (56) von der Dresdner Feuerwehr. Ein Übergreifen der Flammen konnte vermieden werden.

• Verhaltensregeln bei allen Warnstufen kennt die App "Waldbrandgefahr in Sachsen".

121 Stufen bis zum heißesten Job

Er könnte bei dieser Hitze auch nackt Dienst schieben: Aus den Fenstern in 19 Metern Höhe sieht der Feuerwächter alles. Aber keiner kann ihn sehen.
Er könnte bei dieser Hitze auch nackt Dienst schieben: Aus den Fenstern in 19 Metern Höhe sieht der Feuerwächter alles. Aber keiner kann ihn sehen.  © Steffen Füssel

"Um Waldbrände frühzeitig erkennen zu können, gibt es in Sachsen 17 Kamera-gestützte sogenannte Automatische Waldbrandfrüherkennungssysteme (AWFS)", sagt Luise Sauer (31) vom Staatsbetrieb Sachsenforst.

Doch Winfried Pfeffer (74) muss noch selbst auf seinen 19 Meter hohen Turm in Schleife (bei Weißwasser) klettern. Er ist dort einer von fünf Feuerwachturm-Wärtern, die bei Waldbrandgefahrenstufe 5 jetzt täglich von 10 bis 20 Uhr Ausschau nach Rauch und Flammen halten.

Pfeffer kraxelt jeden Tag 121 Stufen zu seinem Arbeitsplatz hinauf. Unter dem Blechdach und obwohl die Fenster auf sind, ist es mindestens 55 Grad heiß. "Vielleicht noch wärmer, doch mein Thermometer hört bei 55 Grad auf."

Ventilator, Radio, Laptop - Fehlanzeige. "Auf dem Turm gibt's keinen Strom." Einziger Zeitvertreib: "Ich löse Sudoku, Kreuzworträtsel oder spiele Schach gegen mich selbst." Aller vier Stunden und wenn er mal austreten will, muss er sich bei der Leitstelle melden.

Heißer Job mit Besuchsverbot: Mit einem Fernglas hält Winfried Pfeffer (74) in einem Radius von vier Kilometern Ausschau nach Bränden.
Heißer Job mit Besuchsverbot: Mit einem Fernglas hält Winfried Pfeffer (74) in einem Radius von vier Kilometern Ausschau nach Bränden.  © Steffen Füssel

Und natürlich bei Feueralarm. Pfeffer kann die Rauchzeichen deuten: "Bei Feuer sind lodernd-weiße, aufsteigende Rauchschwaden und rot-gelbe Flammen zu sehen. Manchmal wirbeln Landmaschinen nur Staub auf, doch der breitet sich großflächig und in Bodennähe aus."

Hat Pfeffer einen Brandherd ausgemacht - so wie neunmal in den vergangenen drei Wochen - meldet er die Richtung. "Wir ermitteln dann durch Kreuzpeilung mit anderen Türmen die genaue Position des Feuers", sagt René Zschiesche (43) von der Rettungsleitstelle in Hoyerswerda.

Er kann dann alle Berufs- und Freiwilligen Feuerwehren der Landkreise Görlitz und Bautzen alarmieren und sogar Hubschrauber der Bundes- und Landespolizei anfordern.

Die GGS Sicherheit GmbH sucht für den 450-Euro-Job noch Feuerwächter für die Türme in der Königsbrücker Heide und Seidewinkel (bei Hoyerswerda). Bewerbungs-Tel. 0355-2892130.

Genau aufs Feuer zielen: Der Brandherd wird mit einer Art Kimme und Korn wie mit einem Gewehr anvisiert und an die Leitstelle gemeldet.
Genau aufs Feuer zielen: Der Brandherd wird mit einer Art Kimme und Korn wie mit einem Gewehr anvisiert und an die Leitstelle gemeldet.  © Steffen Füssel
Acht Leitern a 14 Stufen: "Ich schleppe täglich meine Kühlbox mit belegten Broten und drei Litern Mineralwasser mit hoch."
Acht Leitern a 14 Stufen: "Ich schleppe täglich meine Kühlbox mit belegten Broten und drei Litern Mineralwasser mit hoch."  © Steffen Füssel
Deutsch-tschechischer Löscheinsatz: Hier wird ein brennender Holzstapel zwischen Cinovec und Vojtovice am Erzgebirgskamm gelöscht, der den Wald entzündete.
Deutsch-tschechischer Löscheinsatz: Hier wird ein brennender Holzstapel zwischen Cinovec und Vojtovice am Erzgebirgskamm gelöscht, der den Wald entzündete.  © Egbert Kamprath
Erst ein Schaumbad konnte die Flammen bändigen: 50 Feuerwehrleute kämpften Samstagmorgen, um den Traktorbrand bei Mühlbach zu löschen.
Erst ein Schaumbad konnte die Flammen bändigen: 50 Feuerwehrleute kämpften Samstagmorgen, um den Traktorbrand bei Mühlbach zu löschen.  © Marko Förster

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