Wegen Fraktionswechsel: Linke Ratsmehrheit vom Tisch

Dresden - Rie­sen Über­ra­schung im Stadt­rat. Ma­nue­la Graul (56, Freie Bür­ger) tritt in die CDU-Frak­ti­on ein. Bis­lang wur­de die ge­lern­te Kran­ken­schwes­ter der lin­ken Rats­sei­te zu­ge­rech­net. Eine Mehr­heit von Grü­nen, Lin­ken, SPD und Frak­ti­ons­lo­sen ge­gen den Wil­len von OB Dirk Hil­bert (48, FDP) ist da­mit vom Tisch.

Der Dresdner Stadtrat.
Der Dresdner Stadtrat.  © Steffen Füssel

Bis­her stan­den die Zei­chen ein­deu­tig auf eine Fort­set­zung der lin­ken Stadt­rats­mehr­heit der letz­ten Jah­re.

Egal ob bei der Al­bert­stra­ße oder beim Na­zi­not­stand: Die drei frak­ti­ons­lo­sen Räte Max Aschen­bach (34, Die PAR­TEI), Mar­tin Schul­te-Wis­ser­mann (48, Pi­ra­ten) und Ma­nue­la Graul stan­den an der Sei­te von Lin­ken, Grü­nen und SPD.

Doch nun die Kehrt­wen­de. "Ich hät­te den Na­zi­not­stand nicht mit­tra­gen dür­fen, doch ich war neu im Rat. Die CDU ist nun der rich­ti­ge Weg, den ich schon eher hät­te ge­hen sol­len", so Frau Graul, die nun auf CDU-Ti­cket in Aus­schüs­sen und Auf­sichts­rä­ten mit­ar­bei­ten wür­de. "Es ist er­staun­lich, was Men­schen al­les ver­ra­ten, wenn es ein paar Pöst­chen ab­zu­stau­ben gibt" so ihr ehe­ma­li­ger Weg­ge­fähr­te Max Aschen­bach (34, Die PAR­TEI).

Die Aus­wir­kun­gen sind groß. CDU, AfD, FDP und Freie Wäh­ler kom­men jetzt, ex­akt wie die lin­ke Rats­sei­te, auf 35 Stim­men. An­trä­ge im Rat brau­chen je­doch eine Mehr­heit, um an­ge­nom­men zu wer­den. OB Dirk Hil­bert wird da­durch er­neut, wie zum Ende der letz­ten Wahl­pe­ri­ode, zum Züng­lein an der Waa­ge. Ohne ihn gibt es kei­ne Mehr­heit im Rat.

Zum ers­ten Show­down kommt es be­reits am Don­ners­tag. Ei­gent­lich woll­ten sich Grü­ne, Lin­ke, SPD zu­sam­men mit den da­mals noch drei Frak­ti­ons­lo­sen be­reits in der letz­ten Rats­sit­zung wich­ti­ge Ex­tra-Plät­ze in den Auf­sichts­rä­ten kom­mu­na­ler Un­ter­neh­men si­chern. Das schei­ter­te, weil Hil­bert die Wah­len von der Ta­ges­ord­nung nahm.

Nun wird dar­über er­neut ab­ge­stimmt. Kann sich der Rat nicht ei­ni­gen, hat Hil­bert schon an­ge­droht, die Auf­sichts­rä­te von DRE­WAG und ENSO statt mit Rä­ten, mit Rat­haus­mit­ar­bei­tern zu be­setz­ten.

Auch der Plan der drei Frak­ti­ons­lo­sen, eine ge­mein­sa­me "Grup­pe" (ei­ge­ne An­ge­stell­te und Fi­nanz­mit­tel) ver­gleich­bar ei­ner Frak­ti­on zu bil­den, ist da­mit ge­platzt. Er­neu­te Be­schlüs­se wie der Rad­weg an der Al­bert­brü­cke (un­ter Weg­fall ei­ner Au­to­spur) sind fast un­mög­lich.

Der Rat steu­ert auf wech­seln­de Mehr­hei­ten zu, je nach­dem wie OB Hil­bert ab­stimmt oder wie vie­le Räte we­gen Krank­heit oder be­rufs­be­dingt feh­len.

Manuela Graul mit Martin Schulte-Wissermann (l, Piraten) und Max Aschenbach (Die PARTEI).
Manuela Graul mit Martin Schulte-Wissermann (l, Piraten) und Max Aschenbach (Die PARTEI).  © Steffen Füssel

Titelfoto: Steffen Füssel

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