Diese Straßenmusiker rauben Anwohnern den letzten Nerv

Jürgen Wolf (l.,54) vom Citymanagement Dresden und Fraktions-Chef Christian Avenarius (56, SPD) sehen Handlungsbedarf.
Jürgen Wolf (l.,54) vom Citymanagement Dresden und Fraktions-Chef Christian Avenarius (56, SPD) sehen Handlungsbedarf.

Von Dominik Brüggemann

Dresden - Musik liegt in der Luft - und lauter Lärm. Eine slowakische Großfamilie sorgt mit Gitarren, „Gesang“ und Getrommel auf der Prager Straße für Dauerbeschallung. Anwohner, Geschäftstreibende und Politiker sind genervt. MOPO24 sprach mit der Strapazen-Band.

Sie leiern von mittags bis abends, stehen zwischen Karstadt und Centrum Galerie. „Wir kommen aus der Slowakei, machen einfach Musik für die Leute“, erklärt der Chef der Gruppe, der keinen Namen nennen möchte.

Er räumt einige Beschwerden ein. Aber die bis zu 16 Leute wollen die Gäste der Fußgängerzone unterhalten. Das lohnt sich, wie das Körbchen mit Münzen zeigt. Wie gut, lässt er offen.

Eine slowakische Gruppe von Straßenmusikern beschallt die Prager Straße
Eine slowakische Gruppe von Straßenmusikern beschallt die Prager Straße

Immerhin: „Wir wollen den Sommer lang in Dresden bleiben“, sagt er in bruchstückhaften Deutsch.

Für Dirk Fittkau (44), Manager der Centrum Galerie, klingt das wie eine ohrenbetäubende Drohung: „Mieter sagen mir, es ist nicht mehr auszuhalten. Mich nerven sie, auch bei geschlossenen Fenstern.“

Sein Büro liegt ausgerechnet an der Trompeterstraße. Dabei findet er Straßenmusiker eigentlich cool, nur diese Bande quäle ihn und Mitarbeiter.

Bei Geschäften und Firmen wie Lovoo, Saxonia-Apotheke und einer Arztpraxis schimpfen sie ins gleiche Horn. Zwei Petitionen sind bei der Stadt bereits eingegangen. Eine Arztpraxis sorgt sich bereits um das Wohlergehen ihrer Patienten.

Jürgen Wolf (54) vom Citymanagement vertritt die Interessen der Händler: „Ich hoffe auf ein Handeln der Stadt.“

Die Linke, SPD und Grüne hatten die bis dahin harten Regeln im Juni 2015 gelockert. Christian Avenarius (56), SPD-Fraktionschef, gibt zu: „Wir fassen uns an die eigene Nase. Die Spielregeln müssen verbessert werden.“

Ob das noch im Sommer gelingt, bleibt abzuwarten.

Meine Meinung: Platz den Könnern

Die Musiker im Gespräch mit MOPO24-Redakteur Dominik Brüggemann.
Die Musiker im Gespräch mit MOPO24-Redakteur Dominik Brüggemann.

Von Dominik Brüggemann

Eine einzige selbsternannte Musikertruppe ruiniert den Ruf aller Straßenmusiker. So geschieht es derzeit auf Dresdens Einkaufsmeile Prager Straße.

Über Musik und Geschmack lässt sich vortrefflich streiten. Aber bei diesen „Musikern“ denke ich eher an jaulende Marktschreier, denn an Künstler. Sie musizieren im Ansatz, sind aber hauptsächlich nur ohrenbetäubend laut.

Das mag für eine Minute als Passant ganz erträglich klingen, nicht jedoch als Anwohner, Laden-Mitarbeiter oder Praxispatient.

Spätestens nach einer halben Stunde sollten ihre Stimmen verstummen, so sieht es die Straßensatzung der Stadt Dresden vor. Deshalb gilt der Appell an Stadt und Politik: Blasen Sie diesen Musikern den Marsch!

Die Straßenmusiker, die sich zurecht Musiker nennen, mit Können, Muße und Hingabe die Zuhörer erfreuen und sich an die Regeln halten, werden es danken.

Auch die Anrainer und Passanten der Prager Straße dürften dann wieder mit offenen Ohren über die Vorzeige-Einkaufsstraße flanieren.

Fotos: Steffen Füssel, Holm Helis, Ove Landgraf


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