Vonovia-Streit: Erste Mieterin klagt erfolgreich gegen Großvermieter

Dresden - Es geht um undurchsichtige Betriebskostenabrechnungen, die Vonovia nicht transparent machen will: 14 Mieter reichten darum Klage beim Amtsgericht Dresden ein. Sie fordern vom Großvermieter die Herausgabe entsprechender Belege (TAG24 berichtete). Seniorin Ingrid Kunisch ist die erste Dresdnerin, die jetzt vor Gericht Recht bekam.

Erste Klage erfolgreich: Mieterin Ingrid Kunisch aus Dresden setzte ihr Recht auf Belegeinsicht gegen Großvermieter Vonovia gerichtlich durch.
Erste Klage erfolgreich: Mieterin Ingrid Kunisch aus Dresden setzte ihr Recht auf Belegeinsicht gegen Großvermieter Vonovia gerichtlich durch.  © Steffen Füssel

Eigentlich ist es simpel. "Wenn mir jemand eine Rechnung schickt, will ich sie auch prüfen können", sagt Kunisch. "Doch Vonovia wehrt sich dagegen mit Händen und Füßen, rückt die Nachweise nicht heraus. Ob die Kosten rechtens sind, lässt sich so nicht nachvollziehen."

Schon für die Abrechnung 2015/16, in der sie eine Gutschrift erhielt, forderte die frühere Buchhalterin Nachweise an. "Es geht ums Grundsätzliche. Wir leben in einem Rechtsstaat", sagt Kunisch.

Dreimal forderte sie Einsicht. Dreimal erhielt sie ein wortgleiches Standardschreiben zurück: Die Bearbeitung werde dauern.

Bei den Betriebskosten im Jahr darauf das gleiche Spiel. Wieder forderte sie Einsicht, wieder erhielt sie nur das Standardschreiben.

Im April reichte Kunisch darum Klage beim Amtsgericht ein. Im Juni erhielt sie Recht.

Das Urteil: Vonovia muss "Einsicht in die Abrechnungsunterlagen" gewähren. Auch in Verträge und Unterlagen für Winterdienst und Reinigungen.

Es geht um Einsichtnahme der Verträge etwa für Reinigung, Heckenschnitt und Winterdienst des Hochhausriesen in der Johannstadt.
Es geht um Einsichtnahme der Verträge etwa für Reinigung, Heckenschnitt und Winterdienst des Hochhausriesen in der Johannstadt.  © Steffen Füssel

Aber: "Bis heute habe ich die Nachweise nicht erhalten. Vonovia schickt nur Rechnungskopien", ärgert sich Kunisch.

Darum läuft jetzt ein weiteres Klageverfahren gegen Vonovia - auf Vollstreckung des Urteils. "Man kommt sich entrechtet vor", sagt die Dresdnerin. "Es geht denen ums Geld. Den einheimischen Firmen haben sie gekündigt, erledigen die Dienste mit ihrer Tochterfirma."

Auf Nachfrage von TAG24 gibt sich Vonovia plötzlich einsichtig: "Bei unserer Kundin Frau Kunisch haben mehrere bedauerliche Verzögerungen und auch individuelle Fehler auf unserer Seite dazu geführt, dass wir die angefragten Belege nicht zeitgerecht zugestellt haben", so Sprecher Matthias Wulff (43).

Und weiter: "Für diese Versäumnisse möchten wir uns ausdrücklich entschuldigen." Unabhängig vom Klageverfahren wolle Vonovia die Belege nun zur Verfügung stellen.

Und: "Wenn unsere Mieter Belege zu ihren Nebenkostenabrechnungen anfordern, dann erhalten sie diese", so Wulff.

Laut Mieterverein wurde Dresdnern jedoch in 65 Wohnblöcken bis September keine Einsicht gewährt.

Vonovia-Sprecher Matthias Wulff (43) räumt Fehler ein.
Vonovia-Sprecher Matthias Wulff (43) räumt Fehler ein.  © Simon Bierwald/Vonovia

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