Polizeieinsatz: Aktivisten wollen Räumung in Striesen verhindern

Dresden - Ein sonniger Morgen in Striesen, fast schon idyllisch – wäre da nicht ein Großeinsatz der Polizei in der Wormser Straße. Der Grund des Aufgebots: Die "Wohnungsgenossenschaft Johannstadt" (WGJ) schmiss Marco K.* aus seiner Wohnung, rund 50 Aktivisten wollten das verhindern.

Mehrere Aktivisten wollten die Räumung verhindern.
Mehrere Aktivisten wollten die Räumung verhindern.  © Eric Münch

"Ich werde wahrscheinlich deshalb für zehn Jahre in der Schuldenfalle landen", beschwert sich Marco. "Ich habe immer pünktlich meine Miete bezahlt, bis auf den letzten Cent." Warum dann die Zwangsräumung?

Der Striesener hatte Vorwürfe gegen den Genossenschaftsvorstand erhoben, seit Jahren laufen deshalb Gerichtsprozesse. Die Genossenschaft kündigte ihm schließlich die Mitgliedschaft und dann auch die Wohnung in der Wormser Straße, setzte diese vor dem Dresdner Amtsgericht auch durch. "Das Berufungsverfahren ist aber noch nicht abgeschlossen", so der Zwangsgeräumte. "Damit ist es nicht rechtskräftig."

Die Genossenschaft gibt ihm zumindest in dieser Hinsicht recht: "Das Berufungsverfahren ist noch offen", sagt Vorstand Alrik Mutze (44). "Das Landgericht wird das Urteil allerdings bestätigen, es war auf jeden Fall vollstreckbar" Für den Fall, dass es anders kommt, müsste die Genossenschaft Schadensersatz leisten.

"Wir wollten ja auch nicht, dass es so kommt", so Mutze. "Aber wir konnten uns auch nicht alles gefallen lassen."

Aktivisten können Räumung nicht verhindern

Die Räumung konnten die Aktivisten nicht verhindern.
Die Räumung konnten die Aktivisten nicht verhindern.  © Eric Münch

Vor drei Jahren hatte der Konflikt zwischen Vermieter und Mieter begonnen: "Anwohner hatten sich beschwert, dass immer fremde Menschen mit Koffer im Haus unterwegs waren", so der Vorstand.

"Es kam heraus, dass er seine Wohnung bei AirBnB untervermietet. Wir haben ihm das untersagt." Die Sache landete vor dem Dresdner Amtsgericht, Marco unterlag. Ab da tauchten anonyme Schreiben und Internetposts über die WGJ auf. "Da haben wir entschieden ihn aus der Genossenschaft auszuschließen."

Da Marco nicht freiwillig auszog, rückten am Mittwochmorgen nun Gerichtsvollzieher, 43 Polizisten und rund 50 Aktivisten von "Dresdens Mietenwahnsinn stoppen!" an. Letztere wollten die Räumung verhindern, blockierten dafür eine Zufahrt. Die Polizei räumte diese Blockade kurz nach neun Uhr, bis zum Mittag war die Wohnung geräumt. "Ich hatte nur noch Küche und ein Sofa dort", sagt Marco resigniert.

"Ich muss nun erstmal bei meinen Eltern unterkommen und dann immer nach Dresden pendeln." Seine Unterstützer von "Mietenwahnsinn stoppen!" ziehen ein gespaltenes Fazit ihrer Aktion: "Wir haben es nicht geschafft, die Räumung zu verhindern", sagt Sprecher Stefan (40). "Aber wir sind froh, dass so viele hier dazugekommen sind und das Thema Zwangsräumungen in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Wir stellen uns auf die Seite der Mieter und sind gegen solche Räumungen. Erst recht so kurz vor dem Winter."

Ein positives Fazit zieht die Polizei: "Insgesamt verlief der Einsatz friedlich", so Sprecher Stefan Grohme (38). "Straftaten wurden nicht registriert."

*Name geändert

Marko * musste aus seiner Wohnung.
Marko * musste aus seiner Wohnung.  © Eric Münch

Titelfoto: Eric Münch

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