Dieses Wetter vermiest allen das Glühwein-Geschäft

Angelika (64) und Jürgen Schwarz (74) haben in der ersten Striezelmarkt-Woche viele Lebkuchen für das Unternehmen Georg Gräfe verkauft.
Angelika (64) und Jürgen Schwarz (74) haben in der ersten Striezelmarkt-Woche viele Lebkuchen für das Unternehmen Georg Gräfe verkauft.

Von Anneke Müller

Dresden - Eher ernüchternd ist die Bilanz nach der ersten Striezelmarktwoche bei Glühweinhändlern und anderen Gastronomen. Am ersten Adventwochenende spülte der Regen die Kundschaft regelrecht vom Altmarkt. Doch der Optimismus wächst: Denn am Wochenende zum Stollenfest (Sonnabend) soll es trocken sein.

Die Meinung der Händler ist einhellig: Das Wetter war schuld an weniger Striezelmarktgängern in der ersten Woche des 581. Events auf dem Altmarkt. „Vier Tage Regen am Stück hatten wir noch nie“, sagt Heiko Meyer (52), Chef der „Stiefelschänke“.

Dass sein Striezelmarkt-Klassiker, die Halb-Meter-Bratwurst, wieder reißenderen Absatz findet, bezweifelt er nicht:

Jan Loell (48) verkauft in der „Stiefelschänke“ Halbe- Meter- Bratwürste. Damit es viele Kilometer werden, wird Hoch „Xena“ schon sehnlichst erwartet.
Jan Loell (48) verkauft in der „Stiefelschänke“ Halbe- Meter- Bratwürste. Damit es viele Kilometer werden, wird Hoch „Xena“ schon sehnlichst erwartet.

„Wenn es trocken ist, läuft es gut.“

Ähnlich sieht es auch Markus Harich (50), Chef der „Jagerhütt´n“: „Bei Regen hat man keine Hand frei für einen Glühwein. Etwas wärmere Temperaturen sind hingegen nicht schlecht. Die Leute frieren nicht so schnell.“ Sein Wetter-Wunsch: trocken und windstill, damit Eierpunsch und Co so richtig fließen.

Auch Ingo Westenberg (58), der seit 1991 auf dem Striezelmarkt gebrannte Mandeln und Liebesäpfel verkauft, hofft auf einen Umschwung. „Ich hatte etwa 30 Prozent weniger Umsatz in der ersten Woche. Ich hoffe auf das Wochenende mit dem Stollenfest.“

Vom Regen kaum betroffen sind die Händler mit verpackter Ware zum Mitnehmen: „Bei uns lief das Geschäft bislang gut“, sagt Christian Nitsche (32), Juniorchef der Pulsnitzer Pfefferkuchenbäckerei Georg Gräfe.

Tief „Quasin“ soll es am Freitag noch einmal tröpfeln lassen.

Über das Wochenende aber setzt sich Hoch „Xena“ bei trockenen Temperaturen bis zu 10 Grad durch.

So schön sieht der 581. Striezelmarkt aus. Wenn es doch nur endlich freundlicher würde ...
So schön sieht der 581. Striezelmarkt aus. Wenn es doch nur endlich freundlicher würde ...
Seit 1991 verkauft Ingo Westenberg (58) auf dem Striezelmarkt Süßwaren. Er hofft zum Stollenfest auf bessere Geschäfte.
Seit 1991 verkauft Ingo Westenberg (58) auf dem Striezelmarkt Süßwaren. Er hofft zum Stollenfest auf bessere Geschäfte.
Glühwein und Eierpunsch von der „Jagerhütt´n“ fließt am besten bei trockenem Wetter und Windstille, wissen Claudia Lehmann (35) und August Walter (61).
Glühwein und Eierpunsch von der „Jagerhütt´n“ fließt am besten bei trockenem Wetter und Windstille, wissen Claudia Lehmann (35) und August Walter (61).

Auch in Chemnitz ist nichts los

Leere Tische am Glühweinstand. Der Chemnitzer Weihnachtsmarkt läuft schleppend an.
Leere Tische am Glühweinstand. Der Chemnitzer Weihnachtsmarkt läuft schleppend an.

Chemnitz - Der Weihnachtsmarkt ist in diesem Jahr so schlecht angelaufen wie schon lange nicht mehr. Die Händler verzeichnen ein Umsatz-Minus von bis zu 50 Prozent. „Hilfe, das Wetter versaut uns das Geschäft“, stöhnen sie.

Schuld ist vor allem das Regen- und Sturmtief der letzten Tage. „Wir sind schon mal besser gestartet“, sagt Marco Lehmann (38) vom Cocktail-Stand am Düsseldorfer Platz. „Das Wetter war nicht wie erwartet und außerdem war Monatsende - da gab‘s noch kein Geld für die meisten Leute.“

Auch die Öffnungszeiten von 10 bis 21 Uhr kurbeln das Geschäft zumindest in der Woche nicht unbedingt an. „Am Wochenende aber könnte ruhig eine Stunde länger offen sein“, schlägt der Cocktail-Verkäufer vor.

Auch an den Mützen- und Schal-Hütten läuft‘s nicht rund. „Im letzten Jahr hatten wir zu dieser Zeit doppelt so hohe Einnahmen“, sagt Verkäufer Lukas Renke (20). „Das Wetter ist nur ein Grund von vielen - es ist einfach nicht kalt genug. Aber manche Leute erzählen sogar, dass sie sich wegen der Terrorgefahr nicht aus dem Haus trauen.“

Das Interesse an Weihnachtsschmuck geht ebenfalls zurück. „Ich kann mir nicht erklären, warum“, sagt Graza Borgis (53) vom Kristall-Stand am Rosenhof. „Die Leute gucken zwar, wollen aber nix kaufen.“

Nur Süßigkeiten gehen immer: „Der verregnete Sonntag war der einzig schlechte Tag. Ansonsten läuft‘s gut“, freut sich Süßwaren-Händlerin Jenny Ludwig (35). Auch im Marktamt ist man noch guter Dinge.

Irina Neumann (58): „Das Wetter soll besser werden, damit werden auch mehr Leute angelockt. Wir haben doch noch vier Wochen Weihnachtsmarkt vor uns.“

Die Weihnachtsmarkt-Besucher haben keine Lust auf heiße Cocktails. Marco Lehmann (38) wartet am Düsseldorfer Platz auf Kundschaft.
Die Weihnachtsmarkt-Besucher haben keine Lust auf heiße Cocktails. Marco Lehmann (38) wartet am Düsseldorfer Platz auf Kundschaft.
Süßigkeiten gehen immer. Emelie Ludwig (15) verkauft viele Lebkuchenherzen und gebrannte Mandeln.
Süßigkeiten gehen immer. Emelie Ludwig (15) verkauft viele Lebkuchenherzen und gebrannte Mandeln.

Fotos: Eric Münch (4), imago, Uwe Meinhold (3)


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