Schlossumbau: Residenzschloss bekommt seinen Tafelsaal wieder

Tapeziererin Julia Modest arbeitet an einem edlen Wandbehang aus Samt.
Tapeziererin Julia Modest arbeitet an einem edlen Wandbehang aus Samt.  © DPA

Dresden - Mehr barocker Prunk ging nicht: Mit seinen Paradesälen im Residenzschloss zeigte August der Starke der Welt, wie reich er ist. Jetzt rekonstruieren Experten das im Krieg zerstörte Paradegeschoss. 2019 soll das Herzstück des Schlosses in neuem Glanz wiedereröffnet werden.

Belgischer Marmor, Versailler Tafelparkett, Gold, Samt und Seide: Für die anstehende Hochzeit seines Kurprinzen war dem sächsischen Kurfürst August der Starke (1670-1733) nichts zu kostspielig.

Gleich fünf Prunksäle ließ er errichten: Tafelgemach, zwei Vorzimmer, Paradeschlafzimmer und Audienzgemach. Darin empfing August dann zum ersten Mal seine künftige Schwiegertochter Maria Josepha (1699-1757), die älteste Tochter des österreichischen Kaisers. Und die sollte mit ihrem Gefolge natürlich beeindruckt werden.

So schön kann Geschichte aussehen: Seit 1985 wird das Residenzschloss 
wiederhergestellt und zum Museumszentrum ausgebaut.
So schön kann Geschichte aussehen: Seit 1985 wird das Residenzschloss wiederhergestellt und zum Museumszentrum ausgebaut.

Das Paradegeschoss sei „die Krönung des Hofzeremoniells auf europäischer Ebene gewesen“, sagt Ludwig Coulin (66) vom Sächsischen Immobilien- und Baumanagement (SIB).

Der Freistaat stellt das zweite Obergeschoss im Westflügel wieder her. „Wir lassen original, was original erhalten ist - und was neu dazukommt, ist so hergestellt wie früher.“

Die Restauratoren und Künstler orientieren sich auch an Kupferstichen von 1719, mit denen die Wettiner ihre Pracht dokumentierten. Einige Kostbarkeiten wie Kronleuchter, Spiegel, Silbermöbel und Gemälde wurden nach den Kriegszerstörungen im Schloss geborgen.

Auch Augusts aus Lindenholz geschnitzter Audienzstuhl ist noch erhalten, wenn auch bereits mehrfach bearbeitet.

2019 soll das Paradegeschoss fertig sein. Es werde für noch größeres Staunen sorgen als die Schatzkammer, frohlockt Ludwig Coulin.

Die Rekonstruktion kostet rund 34,4 Millionen Euro. Die Gesamtkosten des Schlossausbaus sollen 378,6 Millionen Euro kosten.

Aus Lindenholz geschnitzt, mit Samt bezogen, vergoldete Silberfäden - der 
Audienzstuhl August des Starken blieb erhalten. Restauratorin Sylvia Putzschke 
begutachtete das Schmuckstück.
Aus Lindenholz geschnitzt, mit Samt bezogen, vergoldete Silberfäden - der Audienzstuhl August des Starken blieb erhalten. Restauratorin Sylvia Putzschke begutachtete das Schmuckstück.  © DPA

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