Nach trüben Jahren sieht ein Dresdner wieder klar

Dresden - Andreas Walkhoff (66) beäugt den Unterstand in seinem Garten. Elanvoll zückt er einen Zollstock, nimmt Maß und erklärt: "Ich will alles mit Rauspund-Brettern verkleiden. Das plane ich schon lange." Nur weil seine Augen immer schlechter wurden, konnte er es ewig nicht tun." Walkhoffs Blick schweift in die Ferne. Der Dresdner teilt sein Leben in zwei Phasen: die Zeit vor und nach den Transplantationen.

Andreas Walkhoff ist ein Macher mit zwei goldenen Händen. Dank der Augenhornhauttransplantationen kann er wieder mit Freuden Heimwerker sein.
Andreas Walkhoff ist ein Macher mit zwei goldenen Händen. Dank der Augenhornhauttransplantationen kann er wieder mit Freuden Heimwerker sein.  © Norbert Neumann

„Mit Ende 30 wurde ich kurzsichtig und fing an, Brille zu tragen. Mit den Jahren verschlechterte sich meine Sehfähigkeit stetig. Mit Anfang 50 diagnostizierte meine Augenärztin bei mir Grauen Star mit einer beidseitigen Hornhautkrümmung", berichtet der Rentner. Er musste operiert werden. Anfang 2016 setzte man ihm im rechten Auge eine Linse ein.

"Damals nahm ich alles nur noch trübe und unklar wahr. Meine Sehfähigkeit lag noch bei insgesamt knapp 50 Prozent", erinnert er sich. Computerarbeit fiel dem Technischen Verwalter zunehmend schwerer. Zum Lesen brauchte er eine Lupe.

Bei seinem geliebten Heimwerken konnte er sich nur noch Grobes vornehmen. Autofahren? Unmöglich. Je trüber die Augen wurden, desto trübseliger wurde auch seine Gemütsverfassung. "Ich war mürrisch und leicht reizbar, meine Laune wurde immer schlechter. Das blieb natürlich auch meiner Familie und meinen Bekannten nicht verborgen", berichtet Walkhoff.

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Im Dezember 2016 unterzog er sich einer Hornhauttransplantation am rechten Auge. Sein Körper stieß die neue Hornhaut ab. Zur gleichen Zeit verlor sein linkes Auge rapide an Kraft. "Im Juli 2017 setzte man mir im linken Auge eine Linse ein. Der erhoffte Erfolg blieb allerdings, wie ein Jahr zuvor auf dem rechten Auge, aus", erinnert sich der Dresdner.

Er kam wieder auf die Warteliste für ein Transplantat und eine Hornhauttransplantation. Im Mai 2018 konnte die Operation am linken Auge durchgeführt werden. Kurz darauf fand man für sein rechtes Auge nochmals eine Gewebespende und operierte. Tote lassen ihn nun wieder sehen.

Andreas Walkhoff glücklich: "Diese beiden OPs haben mir meine Sehkraft fast vollständig zurückgegeben. Ich habe mein altes Leben wieder, kann Auto fahren, lesen, bauen - so wie früher. Ich bin unendlich dankbar, dass es die Gewebespende gibt und Menschen, die sich dafür entscheiden."

Andreas Walkhoff nimmt Maß. Er blickt voll Zuversicht in die Zukunft, seit er wieder richtig sehen kann.
Andreas Walkhoff nimmt Maß. Er blickt voll Zuversicht in die Zukunft, seit er wieder richtig sehen kann.  © Norbert Neumann

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